An Affair to Die For

„An Affair to Die For“ // Deutschland-Start: 8. Februar 2019 (VoD)

Es hätte ein so schönes Wochenende werden sollen, so wie die vielen anderen schönen Wochenenden, die Holly (Claire Forlani) und Everett (Jake Abel) miteinander verbracht haben. Heimlich natürlich, denn die Professorin und ihr Student sind ja an und für sich anderweitig verheiratet, was sie aber nicht daran hindert, sich regelmäßig zu treffen. Doch dieses Wochenende wird alles anders sein. Hollys Ehemann Russel (Titus Welliver) ist hinter die Affäre der beiden gekommen und macht sich nun einen tödlichen Spaß daraus, beide gegeneinander auszuspielen, um sie für ihre Taten zu bestrafen.

Es ist ja fast schon sympathisch, dass hier mal eine ältere Frau eine Affäre mit einem jüngeren Kerl haben darf, eine Umkehrung der traditionellen Konstellation also. Nur dass das natürlich gleich wieder bestraft werden muss. Zuerst erwischt es dann auch Holly, deren Bedürfnis auf Lust mit Gewalt beantwortet wird, wobei die Grenze hier bewusst etwas schwammig gehalten ist. #MeToo lässt grüßen. Erst später muss dann auch Everett daran glauben, zum Teil zumindest. Es ist mehr die Androhung von Unheil, die ihn verfolgt, als das tatsächliche Unheil.

Und jetzt?
Das ist dann auch eines der Probleme, die An Affair to Die For plagen: Es passiert irgendwie zu wenig. Natürlich muss das Szenario nicht genutzt werden, um daraus Torture Horror zu machen. Spannung lässt sich auch etwas subtiler erzeugen als durch abgehackte Gliedmaßen. Leider fielen Drehbuchautor Elliott San aber keine solchen Maßnahmen ein. Stattdessen legte er die Geschichte sehr dialoglastig an, lässt die beiden unglücklich gefangenen immer wieder streiten, teils mit einer Wortwahl, die völlig unpassend verschnörkelt ist. Dass Holly als Professorin einen etwas anderen Wortschatz pflegt, sei ihr gestattet. Man sollte sich beim Zusammenbau aber doch ein wenig daran orientieren, wie Menschen ihn auch benutzen.

Das fällt auch deshalb so auf, weil An Affair to Die For so gar nicht konsequent ist. Denn an anderer Stelle verhält sich Holly eher dämlich, Everett ebenso. Dabei ist die grundsätzliche Idee des Films eigentlich recht vielversprechend. Wenn zwei Liebhaber auf Druck von außen sich gegenseitig schlimme Dinge antun müssen, um wieder heil aus der Situation herauszukommen, dann ist das eie schön gemeines Szenario. Ein bisschen Battle Royal, nur eben mit einer persönlichen Note. Und einem Heimlichkeitsfaktor, weil beide einander nicht sagen dürfen, was sie wissen, nur das Publikum Komplize ist.

Eine Frage, die keinen interessiert
Daraus hätte man etwas Spannendes basteln können, beispielsweise um die Frage drehend, wie weit die beiden gehen, um sich zu schützen. Wie schnell sind Menschen bereit, aus Eigennutz anderen zu schaden, für die sie eigentlich Gefühle haben? Bei An Affair to Die For gibt es keine Antwort darauf, da die anfänglichen Spiele gleich wieder fallen gelassen werden. Stattdessen sitzen die beiden in ihrem Hotelzimmer und warten ebenso wie das Publikum, dass der Film irgendwann vorbei ist. Dann und wann kommen auch andere Figuren ins Spiel. Aber die sind gleich wieder verschwunden.

Es ist noch nicht einmal so, dass der sehr begrenzte Setting des Hotelzimmers für ein bisschen Klaustrophobie sorgen würde. Anders als etwa Piercing oder Das Spiel wird es in die Geschichte nicht einbezogen. Die Schauspieler leisten dabei dann zwar solide Arbeit, wissen aber selbst offensichtlich nicht so recht, was sie mit dem Material anfangen sollen. Später gibt es dann zwar Wendungen und auch ein bisschen mehr Genre. Aber das ist so spät und dann auch wieder unnötig übertrieben. Anstatt langsam die Spannung zu erhöhen und die Auseinandersetzung zu intensivieren, bleibt An Affair to Die For zu lange an einer Stelle und versucht dann im Hauruckverfahren doch noch was zu reißen. Schade um die nette Idee.

An Affair to Die For
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An Affair to Die For
Affären sind nicht nur moralisch falsch, sie können auch tödliche Folgen haben. Das zumindest will uns „An Affair to Die For“ vormachen. Das Problem: Während die Idee, eine Frau und einen Mann, die eine Affäre miteinander haben, gegeneinander antreten zu lassen, durchaus vielversprechend ist, macht der Film fast nichts daraus. Die Figuren schwanken zwischen übertrieben intellektuell und dämlich, erst passiert zu wenig, später dann zu viel.
4von 10

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