Shooting the Mafia

„Shooting the Mafia“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Direkte Berührungspunkte zur Mafia dürften die wenigsten von uns haben. Und doch gibt es kaum jemanden, der nicht mit Bildern von ihnen aufgewachsen ist – geprägt von Film und Fernsehen, welche dem italienischen Verbrechersyndikat mal mit Zynismus, mal mit einer leichten Verklärung begegnen. Letizia Battaglia gab sich aber nicht mit Hochglanzabzügen oder Geschichten aus zweiter Hand zufrieden. Vielmehr wurde die italienische Fotografin zu einer Chronistin ihrer Landsleute bzw. der Auswirkungen, welche die Banden auf das Leben der einfachen Bevölkerung so hatten.

Die Kamera als Tatwaffe
Anders als der Titel vielleicht vermuten lässt, befasst sich Shooting the Mafia dann auch nicht mit einer tatsächlichen Jagd auf die Verbrecher. „Shooting“ ist hier im Sinne von Fotografieren gedacht, wenn der Dokumentarfilm Battaglia und ihr Werk vorstellt. Teilweise besteht das dann auch aus eben jenen Aufnahmen, die wir der Italienerin zu verdanken haben. Die sind oft beklemmend, düstere Zeugnisse der Unterwelt und ihrer Opfer. Unwirklich manchmal auch, ein bisschen gespenstisch sogar, monochrome Momentaufnahmen einer fremden Welt.

Shooting the Mafia ist aber in erster Linie ein Porträt von Battaglia selbst. Die spannendsten Momente sind dann auch weniger, wenn uns die britische Filmemacherin Kim Longinotto Beispiele aus dem Archiv zeigt. Es ist die 83-jährige immer noch rüstige Dame, die für die Höhepunkte in dem Film sorgt. Sie plaudert unbekümmert aus ihrem Leben, sowohl dem als Fotografin wie auch dem privaten, erzählt, wie sie überhaupt in diesen auf Anhieb eher wenig feminin wirkenden Bereich gekommen ist. Denn natürlich musste sie sich dort erst noch durchsetzen, gegen Vorurteile ankämpfen, die ihr allein schon aufgrund ihres Geschlechts in den Weg gelegt wurden. Die Kamera wurde zu einer Waffe, mit der sie sich die Unabhängigkeit erkämpfte.

Eine Gesellschaft im Wandel
Der Dokumentarfilm, der auf dem Sundance Film Festival 2019 debütierte und im Anschluss auf der Berlinale läuft, ist daher weit mehr als ein Film über die Mafia. Es ist auch ein Rückblick auf die Veränderungen innerhalb der italienischen Gesellschaft innerhalb der letzten Jahrzehnte. Longinotto reichert die Geschichten der alten Dame mit Archivaufnahmen und Musik an, die zusammen das Gefühl ergeben, eine kleine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen und den Erfolg von Battaglia in einen größeren Kontext zu stellen. Denn die Italienerin war einerseits ein Kind ihrer Zeit und ihr gleichzeitig voraus, wollte sich von niemandem etwas sagen lassen.

Und selbst heute noch hat sie jede Menge selbst zu sagen, auch wenn sie sich beispielsweise mit den Fotografien ihres neuen Lebensgefährten schwertut. Ausgerechnet sie, die mit den größten Verbrechern zu tun hatte, ist eingeschüchtert von den Aufnahmen ihres Freundes, die er von Transsexuellen gemacht hat. Immer wieder gibt sie auf diese Weise Einblicke, die überraschen, das Publikum, aber auch sie selbst. Wenn sie an einer Stelle zurückblickt, voller Wehmut auf verstorbene Menschen und nicht geschossene Fotos, dann ist auch das Teil einer Geschichte, die sie selbst geschrieben oder zumindest mitgeprägt hat. Die mächtigen Männer sitzen nun hinter Gittern, während sie immer noch da ist und zusammen mit ihrer Kunst all die Veränderungen überdauert hat.

Shooting the Mafia
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Shooting the Mafia
„Shooting the Mafia“ stellt uns die italienische Fotografin Letizia Battaglia vor, die vor allem für ihre Mafia-Bilder berühmt wurde. Der Dokumentarfilm ist dabei gleichzeitig Porträt einer Künstlerin und ihrer Werke wie auch ein Rückblick auf gesellschaftliche Veränderungen in den letzten Jahrzehnten.
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