The Verse of us

„The Verse of Us“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Beachtlich ist der Aufschwung ja: Innerhalb von rund zwei Jahrzehnten hat sich China zu der Fabrik der Welt entwickelt, brachte uns jede Menge billiger Konsumgüter, den eigenen Leuten Wohlstand. Zum Teil. Dass diese explosive Expansion ihren Preis hat, das hat man auch hierzulande erfahren müssen, als die skandalösen Zustände beim Apple-Zulieferer Foxconn bekannt wurden, der so manchen Mitarbeiter in den Tod trieb – siehe etwa in der Dokumentation Death by Design – Die dunkle Seite der IT-Industrie.

Einen davon lernen wir auch in The Verse of Us kennen, zumindest indirekt. Vermutlich wäre der 24-Jährige einer von vielen gewesen, die in der anonymen Masse untergehen, einfach nur eine weitere Zahl in der Liste aus Nobodys, die es nicht mehr ausgehalten haben. Nur spricht er noch immer zu den Menschen, auch nach seinem Tod, durch die zahlreichen Gedichte, die er geschrieben hat. Mehr als 200 davon soll der sensible und verschlossene junge Mann verfasst haben, in denen er seine Gedanken und Gefühle festhielt, privater wie beruflicher Natur.

Poesie als Ausweg aus dem Alltag
Insgesamt fünf solcher Hobbydichter gingen die Regisseure Xiaoyu Qin und Feiyue Wu in The Verse of Us nach. Die stammen aus allen Teilen des Landes, machen die unterschiedlichsten Berufe. Gemeinsam ist ihnen, dass sie zu den Abgehängten gehören, Menschen sind, die anderen ihr schönes Leben ermöglichen, ohne selbst eins zu haben. Gemeinsam ist ihnen aber auch, dass sie ihrem grauen Alltag an der Maschine oder unter Tage entkommen, indem sie ihren Geist auf Reisen schicken. Auf diese Weise ihrem Schicksal entkommen.

Das kann manchmal aufmunternd sein, tröstlich. Oder umgekehrt Ausdruck von Verzweiflung und Perspektivlosigkeit. In einem Falle ist es sogar geradezu gespenstisch, wenn ein Bergarbeiter seine Gedichte nutzt, um in einem Unglück verstorbenen und verschütteten Kollegen nahe zu sein. So oder so gibt uns der Beitrag vom Chinesischen Filmfest München 2018 die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der fernöstlichen Großfabrik zu werfen. Den Produkten und den entfernten Horrorgeschichten ein Gesicht und eine Stimme zu geben, die jede Menge zu sagen hat – man muss nur lernen zuzuhören.

The Verse of Us
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The Verse of Us
In „The Verse of Us“ lernen wir fünf chinesische Arbeiter kennen, die ihrer harten Arbeit durch das Schreiben von Gedichten entkommen. Das ist mal tröstlich, dann wieder beklemmend oder furchtbar traurig, aber auf jeden Fall ein sehenswerter Blick hinter die Kulissen einer Maschinerie.
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