I Feel Pretty DVD

„I Feel Pretty“ // Deutschland-Start: 10. Mai 2018 (Kino) / 20. September 2018 (DVD/Blu-ray)

Renee Bennett (Amy Schumer) ist hässlich, fett, untalentiert und unausstehlich – zumindest in ihrer Selbstwahrnehmung. Die Realität sieht ein wenig anders aus, Renee ist eine ganz normale Frau, welche sich zudem sehr gut mit dem Sortiment der Kosmetikfirma Lily LeClaire auskennt, für die sie aus einem winzigen Büro in Chinatown heraus die Webseite betreut. Ihr Traum ist eigentlich, direkt im Hauptquartier zu arbeiten, doch aufgrund ihrer Erscheinung traut sie sich nicht einmal, sich zu bewerben – dort laufen ja nur Supermodels rum! Als sie eines Tages im Fitnessstudio von einem Fahrradergometer fällt und sich den Kopf anstößt, hat sie fortan den Eindruck, dass sie wunderschön sei. Mit dem daraus bezogenen neu gewonnenen Selbstvertrauen ergattert sie sogar einen Job als Rezeptionistin im LeClaire-Hauptquartier und steigt alsbald in der Gunst der Geschäftsleitung – ohne auch nur zu ahnen, dass alle Menschen um sie herum sie noch genau so sehen wie immer.

Vorschnell geurteilt
Der Film und Amy Schumer haben im Vorfeld für den Trailer viel Kritik aus einem bestimmten Umfeld kassiert, was kein Wunder ist, wenn man versucht eine Gruppe zu befriedigen, die nie zufriedenzustellen ist. Ein wenig erinnert der Vorwurf, Amy Schumer sei privilegiert und die Rolle hätte von einer Frau übernommen werden sollen, die wirklich übergewichtig sei, an die Querelen nach Erscheinen des Insatiable-Trailers, als der berufsempörte Internetmob sich gegen den Fatsuit der Hauptdarstellerin aussprach. Unabhängig von den Details sollte man sich einmal mehr vergegenwärtigen, dass auf Trailer rein gar nichts zu geben ist und sie niemals die Grundlage zur Berurteilung eines Films oder einer Serie bilden sollten. Ein Trailer ist ein Marketingtool, mehr nicht – und nebenbei sei in Erinnerung gerufen, dass ein Film eine Fiktion darstellt. Ein Film ist kein Steak, von dem man nur ein (B/b)isschen konsumieren muss, um recht gut einschätzen zu können, wie der Rest ist.

Mit 110 Minuten Laufzeit ist I Feel Pretty deutlich zu lang geraten. Zwar ist es angenehm, in einem Amy-Schumer-Film das Wort „Vagina“ erst nach 17 Minuten zu hören, aber etwa die erste halbe Stunde ist ziemlich repetitiv, irgendwann hat der Zuschauer durchaus verstanden, dass Renee Probleme im Alltag hat. Besser wird das alles immerhin nach ihrem Unfall, denn auch wenn es danach weiterhin überflüssige Szenen gibt, ist die erzählte Geschichte und die Message des Films gar nicht so übel – nichts Bahnbrechendes, aber eben auch nicht übel. Die Art der Erzählung ist allerdings unzureichend, selbst abgesehen von den Pacingproblemen. I Feel Pretty möchte eine simple, zeitlose Message vermitteln, verheddert sich auf dem Weg dorthin aber in einige Widersprüche, wodurch sie bestensfalls als unglaubwürdig und schlimmstenfalls als Heuchlerei rüberkommt.

Gute Besetzung
Die vierfach Oscar-nominierte Michelle Williams ist nicht gerade dafür bekannt, komödiantische Rollen zu spielen. Umso überraschender und vor allem erfreulicher ist ihr Auftritt als fiepsstimmige Geschäftsführerin der Kosmetikkette, deren Charakter im Laufe des Films zwar etwas farblos bleibt, aber zeigt, wie wohl sie sich in diesem Genre zu fühlen scheint. Generell gibt es am Cast nichts auszusetzen; Rory Scovel setzt als Renees Freund Ethan klare Akzente und avanciert leicht zum Publikumsliebling. Selbst Amy Schumer spielt passabel, ihre Verkörperung von Renee ist viel glaubwürdiger als die des von ihr für sich selbst geschriebenen Charakters in Dating Queen. Ganz ohne Sexual- und Fäkalhumor kommt I Feel Pretty zwar nicht aus, aber für Schumerverhältnisse hält sich alles im Rahmen.

I Feel Pretty
3.75 (75%) 8 Artikel bewerten

I Feel Pretty
"I Feel Pretty" ist nicht so schlimm, wie man bei Hauptdarstellerin und Thema zuerst vermuten mag. Der Film ist zu lang, bietet aber hier und da durchaus solide Szenen und durchgehend angenehme Performances. Ein paar gute Witze und eine harmlose Romanze können allerdings nicht über das vergeudete Potenzial hinwegtäuschen.
4von 10

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