Hotel Artemis
© Concorde Filmverleih

Hotel Artemis

Hotel Artemis
Kinostart: 26. Juli 2018

Im Jahr 2028 ist das Los Angeles der Zukunft von politischen Aufständen und gewalttätigen Unruhen zerrissen, denn der Zugang zu sauberem Trinkwasser soll für den Großteil der Bevölkerung nicht mehr selbstverständlich sein. Als der politische Wahnsinn kurz vor seinem Zenit steht, nutzt der professionelle Delinquent Waikiki (Sterling K. Brown) die Gelegenheit, um gemeinsam mit seiner Crew eine Bank auszurauben. Als sein jüngerer Bruder Honolulu (Brian Tyree Henry) in einem Schusswechsel mit der Polizei schwer verletzt wird, bringt ihn Waikiki zum einzigen Ort der Stadt, in der flüchtige Schwerverbrecher aufgenommen werden: das Hotel Artemis. Das geheime Krankenhaus, das seit Jahren von der Nurse (Jodie Foster) und ihrem Assistenten (Dave Bautista) betrieben wird, gewährt den Brüdern zunächst Sicherheit, bis weitere „Gäste“ ins Hotel einchecken.

Welcome to the Hotel Artemis!
Drehbuchautor und Regisseur Drew Pearce, bekannt für seine Mitarbeit an den Drehbüchern zu Iron Man 3 und Mission: Impossible – Rogue Nation, präsentiert mit seinem Spielfilm-Regiedebüt einen schwarzhumorigen Action-Thriller und lockte mit dem originellen Drehbuch eine Riege erstklassiger Schauspieler. Neben dem preisgekrönten Sterling K. Brown, der für seine Performance in der US-Hitserie This Is Us sowohl mit dem Emmy als auch mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde, und der zweifachen Oscar-Preisträgerin Jodie Foster, die nach fünf Jahren zum ersten Mal wieder in einem Kinofilm zu sehen ist, sind Sofia Boutella als kaltblütige Killerin, Kultikone Jeff Goldblum als mächtiger und von allen gefürchteter Gangsterboss, so wie Zachary Quinto als sein ungestümer Sohn ebenfalls mit an Bord.

Die futuristisch-dystopische Welt, in welche das Hotel Artemis platziert ist, ist bis ins kleinste Detail durchdacht und es macht schlichtweg Spaß, von den ausgeklügelten Mechanismen mitgerissen zu werden. Daneben ist der düstere Look beeindruckend umgesetzt. Die Settings wirken verblichen und farbenfroh zugleich, ausgeschmückt mit heruntergekommenen Details und nahtlos integrierten Technologien der Zukunft.

Besonderes Lob verdient Pearce für die Tatsache, dass Hotel Artemis ein Sommerfilm ist, der sich von seinen Schwestern und Brüdern insofern abhebt, dass er weder Teil einer Reihe ist, noch auf einer x-beliebigen Vorlage basiert oder eines von unzähligen Reboots ist. Hotel Artemis mag zwar an an andere Filme des Genres erinnern (John Wick lässt grüßen) und sich hier und da an bekannten Mustern bedient haben, ist in sich jedoch eine alleinstehende und erfrischend originelle Kreation.

“This could be heaven heaven or this could be hell”

Zu viele verpasste Chancen
Die kurzweilige Spielzeit von etwa 94 Minuten umfasst eine einzige lange und verrückte Nacht in L.A. Waikiki muss seinen verletzten Bruder vor der Polizei in Sicherheit bringen und landet im Hotel Artemis, in welchem sich eine Vielzahl skurriler Figuren tummelt. Die Stadt vor den Türen des geheimen Krankenhauses geht währenddessen im Chaos unter. Bedauerlicherweise sind die Vorgänge außerhalb des Hotels und die Handlung um die Figuren innerhalb der Gemäuer nur mühsam aneinander angepasst und scheinen sich in mancher Hinsicht kaum zu berühren. Somit bleiben viele Fragen um die Existenz des Hotels Artemis ungeklärt: Wie kann es sein, dass die Polizei nie an die Tore klopft? Wie kann sich die Krankenschwester ein derart extravagantes Gebäude inklusive der aufwendigen Technik leisten? Der Zuschauer muss sich schließlich mit einer allzu simplen Antwort auf all diese Mysterien zufrieden geben: That’s the future, baby.

Das größte Problem liegt allerdings in der Relation zwischen der Bedeutung des Plots und der Kreation der dystopischen Welt. Der Trend in aktuellen Blockbustern scheint in die Richtung zu gehen, dass Motivation und Handlungsvorgang eine geringere Bedeutung tragen, als die haargenaue Ausarbeitung und Umsetzung eines fiktiven Universums. Hotel Artemis ist dabei keine Ausnahme. Statt multidimensionaler Charaktere oder eines dynamischen und konsequenten Handlungsgerüsts konzentriert sich der Film fast ausschließlich auf die immer weitere Erklärung der unheimlichen Zukunft. Die Gedanken dahinter sind schlüssig und versorgen das Drehbuch mit einer funktionalen Basis, doch im Laufe des Films gerät das Gleichgewicht zwischen stagnierender Konstruktion und stofflichen Antrieb massiv ins Schwanken. Das sorgt einerseits für gähnende Langeweile und andererseits für eine leichtfertige Verschwendung eines raffinierten Sci-Fi-Settings.

Manch ein Actionliebhaber mag eine komplexe Handlung kaum vermissen, doch leider enttäuscht der Film auch in seinen turbulenten Anteilen. Im dritten Akt, als sich alle Ganoven für den Final Showdown gegeneinander aufstellen und man als Zuschauer eine Beschleunigung des Tempos in Form von knallharter Action erwartet, fällt die Choreographie leider ziemlich abgedrosselt aus. Das resultiert schlussendlich in einem antiklimaktischen Finale, das man sich bei solch einem Film weder erwartet noch gewünscht hätte.



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"Hotel Artemis" verlockt mit einem unschlagbaren Cast, bissigem Humor und einem düster-futuristischen Milieu. Die wüste Dystopie des L.A.’s der Zukunft ist originell konstruiert und vielversprechend. Leider nimmt die Ausarbeitung des Universums so sehr überhand, dass der Plot und die Umsetzung der Action vernachlässigt werden und die Qualität des Gesamtwerks leidet.
6
von 10