„Eldorado“, Schweiz/Deutschland, 2018
Regie: Markus Imhoof; Musik: Peter Scherer

Eldorado

„Eldorado“ läuft ab 26. April 2018 im Kino

Eigentlich, so besagt es das Dubliner Abkommen, dürfte es in der Schweiz überhaupt keine Flüchtlingsanträge geben. Denn dem Abkommen zufolge sind solche Anträge in dem ersten Ankunftsland zu stellen. Da die Schweiz aber bekanntermaßen nicht am Meer liegt, müssten die Flüchtlinge schon vom Himmel gefallen sein, wenn sie kein anderes europäisches Land unterwegs passieren. Natürlich ist diese Stelle in Eldorado ein wenig humorvoll überspitzt. Und doch trifft sie ganz gut die Situation weltweit, wenn die Industriestaaten auf einmal mit lauter Menschen fertigwerden müssen, die plötzlich da sind, aus heiterem Himmel, als wären sie eben von dort gefallen.

Der Schweizer Filmemacher Markus Imhoof (More than Honey) interessiert sich dann auch genau dafür: Was genau passiert eigentlich mit den Leuten, die da ankommen? Was erwartete sie? Wie geht es mit ihnen weiter? Das sind jetzt vielleicht nicht die neuesten Fragen, viele andere haben sie schon gestellt. Eldorado tut sich anfangs auch ein wenig schwer damit, aus der Masse an Dokumentarfilmen mit ähnlichen Themen – beispielsweise Seefeuer oder Exodus – Der weite Weg – hervorzustechen. So bedrückend natürlich die Bilder überfüllter Boote sind, Menschen, die so verzweifelt sind, dass sie sich solchen Strapazen und Gefahren aussetzen, gesehen haben wir sie alle schon mal.

Die persönliche Vorgeschichte
Interessanter sind da schon die persönlichen Verbindungen von Imhoof zu dem Thema. Seine Familie nahm selbst, viele Jahrzehnte ist es her, ein italienisches Mädchen als Flüchtling auf. Immer wieder werden die aktuellen Ereignisse durch Erinnerungen oder Briefe unterbrochen, teilweise ergänzt, die Geschichte von Giovanna wird zur Begleiterin ihrer Nachkommen. Eldorado bedeutet dadurch nicht nur eine Auseinandersetzung mit der europäischen Verantwortung gegenüber hilfesuchenden Menschen, sondern auch mit der eigenen Vergangenheit. Was zunächst noch distanziert ist, gewinnt auf diese Weise eine emotionale Note.

Aber auch bei den aktuellen Menschen gibt es die eine oder andere Szenen, die einem nahegeht. Vor allem die Perspektivlosigkeit, welche sich ihnen bietet, geht nicht spurlos an einem vorbei. Ob sie nun in kriminelle Machenschaften und Prostitution abrutschen, weil der Staat ihnen nicht weiterhilft, sie Jahre auf eine Antwort auf den Asylantrag warten oder sich in engen Kellern zusammenkauern, weil sonst kein Platz für sie ist, schön ist das nicht. Besonders bitter ist aber die Geschichte eines Afrikaners, der mit Geld ausgestattet zurück in sein Land geht, um zwei Kühe zu kaufen, nur um kurz im Anschluss zu hören, dass die EU nun ihre Billigmilch dorthin exportiert. Was tun? Doch wieder zurück nach Europa?

Die ewige Suche geht weiter
Lösungen hat Eldorado, das seine Weltpremiere auf der Berlinale 2018 feierte, nicht parat. Die Menschen, die hier zu Wort kommen, sie können von der Misere nur berichten, sie manchmal verwalten. Eine Antwort, die fehlt jedoch. Und so entpuppt sich Eldorado, das sagenhafte Goldland in Südamerika, als eine dieser goldenen Folien, in die Flüchtlinge sich wickeln. Etwas das für einen kurzen Moment Wärme schenkt, das Gefühl von Schutz. Bis der nächste Tag beginnt, die nächste Flucht, die nächste Suche nach einer Heimat. Denn die Hoffnung, dass das Leben doch noch irgendwann, irgendwo, irgendwie besser wird, die stirbt zuletzt.

Eldorado
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Eldorado
„Eldorado“ nimmt sich des Themas Flüchtlingskrise an, hat hier jedoch zunächst nur die üblichen Bilder und Szenen zu bieten. Die eine oder andere Erkenntnis erfolgt noch. Vor allem aber die Verbindung mit der persönlichen Vorgeschichte des Regisseurs berührt.
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