„Ein Weg“, Deutschland, 2017
Regie: Chris Miera; Drehbuch: Philipp Österle, Chris Miera; Musik: Matija Strniša
Darsteller: Mike Hoffmann, Mathis Reinhardt, Cai Cohrs

Ein Weg

„Ein Weg“ läuft ab 11. Januar 2018 im Kino

Eigentlich steht der Weg zum Glück nun frei für Andreas (Mike Hoffmann) und Martin (Mathis Reinhardt). Beruflich läuft es besser, sie sind nicht mehr ganz so eingespannt. Sohn Max (Cai Cohrs) ist ebenfalls aus dem Haus. Endlich wieder Zeit füreinander! Doch der gemeinsame Urlaub an der Ostsee will irgendwie nicht so richtig klappen. Ständig kommt es zum Streit zwischen den beiden, sie sind sich in vielerlei Hinsicht nicht mehr wirklich einig. Vielleicht ist es doch an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen unter die vielen Jahre, die sie miteinander verbracht haben. Jahre, die viele Momente des Glücks bereithielten. Aber eben auch solche, die allen sehr zugesetzt haben.

Wann wir das erste Mal unseren Partnern begegnet sind, das wissen wir meistens. Wissen, wie wir uns angenähert haben, wie Gefühle entstanden, von der ersten dollen Verliebtheit bis zu den tieferen Gefühlen. Wissen oft auch, wann wir sie offiziell Beziehung nennen durften. Das Ende einer solchen Beziehung ist sehr viel schwieriger zu fassen. Das langsame Verblassen der Liebe. Der Moment, wo sie vielleicht auch nicht mehr stark genug ist, um die Unterschiede vergessen zu lassen. Der Zeitpunkt, wenn das Glück nicht mehr in der Zweisamkeit gefunden wird.

Die offene Frage nach dem Ende
Eine wirkliche Antwort will Chris Miera darauf auch nicht geben, der hier sein Spielfilmdebüt abliefert. Wohl auch, weil es sie nicht gibt. Stattdessen schnappt sich der Regisseur und Co-Autor einige Momente aus dieser mehr als 13 Jahre dauernden Beziehung heraus, erzählt von den Anfängen, von dem Schluss, dem danach, dem davor. Das erinnert ein wenig an Whatever Happens, welches kürzlich ebenfalls von dem Ende ausgehend ein Liebespaar beleuchtet. Dass er sich hierfür zwei Männer ausgesucht hat, ändert erstaunlich wenig daran, die Homosexualität wird zu keinem Zeitpunkt thematisiert. Nicht einmal für Max, der aus einer vorangegangenen Beziehung stammt, spielt es eine Rolle, zwei Väter zu haben.

Aber das passt dann eben auch zu dem Rest des Beitrags vom Queer Film Fest Oldenburg 2017: Ein Weg will gar nicht außergewöhnlich sein oder eine große Geschichte erzählen. Hier sind zwei Menschen, die sich sehr geliebt haben, es teilweise immer noch tun, aber kein gemeinsames Leben mehr führen können. Das ist traurig, aber alltäglich. So wie viele der Konflikte hier alltäglich sind. Die beruflichen Schwierigkeiten der beiden stehen ein bisschen stark im Vordergrund – die Werkstatt des einen läuft nicht, der andere findet keinen Job. Aber das sind nur Momentaufnahmen. Die Trennung erfolgt eben nicht während der Krise, sondern als das Leben eigentlich gut läuft. Eigentlich.

Verwirrender Sprung durch die Zeit
Immer wieder springt Miera so durch die Zeit, reiht Anekdoten aneinander, die zwar keinen roten Faden ergeben, doch aber das schlüssige Bild einer Langzeitbeziehung. Als Zuschauer kann das etwas verwirrend sein, da sich wohl auch budgetbedingt die Zeitsprünge nicht in dem Aussehen der Protagonisten widerspiegelen. Wer nicht die Zwischeneinblendungen bemerkt – „13 Jahre früher“ –, der würde nicht vermuten, dass der Film überhaupt so eine große Zeitspanne abdecken will.

Von diesem kleinen Manko einmal abgesehen ist Ein Weg aber ein durchgängig überzeugendes Porträt einer Beziehung, die irgendwann vorbei ist, ohne dass man genau sagen kann warum. Es sind viele schöne Momente dabei, aber auch schmerzhafte, eine Veranschaulichung dessen, was es heißt, zu leben und zu lieben. Zueinander zu finden und später wieder loslassen zu müssen. Das bringt keine neuen Erkenntnisse mit sich, keine Weisheiten oder gut gemeinte Ratschläge. Dafür aber eine Geschichte, in der sich fast jeder auch aufgrund der beiden natürlich auftretenden Hauptdarsteller wiederfinden kann – ob man es nun will oder nicht.

Ein Weg
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Ein Weg
„Ein Weg“ nimmt uns mit durch die Höhen und Tiefen einer 15 Jahre dauernden Beziehung eines schwulen Paares. Der Film will keine außergewöhnliche Geschichte erzählen, sondern zeigt uns überzeugend den Alltag eines Paares, das irgendwann keines mehr ist. Die Zeitsprünge sind manchmal etwas verwirrend, insgesamt ist das Drama aber ein gelungenes Debüt, das sich durch seine Natürlichkeit auszeichnet.
8von 10

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