„Primaire“, Frankreich, 2016
Regie: Hélène Angel; Drehbuch: Hélène Angel, Yann Coridian; Musik: Philippe Miller
Darsteller: Sara Forestier, Ghillas Bendjoudi, Vincent Elbaz, Albert Cousi

„Die Grundschullehrerin“ läuft ab 15. Februar 2018 im Kino

Florence Mautret (Sara Forestier) steckt voller Ideale und Ambitionen, schon seit ihrer Kindheit. Leicht ist ihre Arbeit als Lehrerin einer fünften Klasse jedoch nicht. Mal wollen die Kinder nicht lernen, mal fallen sie übereinander her. Wie bei Sacha (Ghillas Bendjoudi), der eines Tages zu ihr in den Unterricht soll, weil er seine Schwimmsachen vergessen hat. Zu ihrem Entsetzen stellt Florence fest, dass die Mutter des etwas streng riechenden Jungen vor zehn Tagen abgehauen ist und ihn im Stich gelassen hat. Während sie Unterstützung bei Mathieu (Vincent Elbaz) sucht, einem Ex-Freund seiner Mutter, hat sie zu Hause selbst genug Probleme. Ihr Sohn Denis (Albert Cousi) will nicht mehr bei ihr in der Schule leben, sondern mit seinem Vater durch die Gegend reisen.

Der Alltag an einer Schule ist nicht unbedingt immer zum Lachen. Filme darüber schon. Manchmal. Zumindest zielten deutsche Filme wie Fack ju Göhte oder Frau Müller muss weg in erster Linie aufs Zwerchfell, wenn sie sich über Schüler, Lehrer oder Eltern lustig machten. Hélène Angel nimmt das Thema spürbar ernster. Wenn die Regisseurin und Co-Autorin in Die Grundschullehrerin von den Nöten ihrer Titelfigur spricht, dann merkt man, dass es sich hier um eine echte Herzensangelegenheit handelt.

Eine Geschichte fürs Herz
Das Herz ist es dann auch, was die Französin hier ins Visier nimmt. Lachen darf man zwischendurch natürlich auch, beispielsweise bei dem einen oder anderen Missgeschick. Ansonsten beschert uns Die Grundschullehrerin aber in erster Linie emotionale Momente. Da können schöne Momente dabei sein, wenn den Schülern nach kleinen Schwierigkeiten doch mal etwas gelingt. Oder auch traurige, wenn Florence an ihren eigenen Träumen verzweifelt. Vor allem der Handlungsstrang um Sacha, der sich nach einem allgemeinen Schulteil immer weiter in den Vordergrund drängt, lässt einen als Zuschauer ziemlich schlucken.

Andere Entwicklungen sind weniger gut geglückt. Vor allem das Verhältnis von Sacha zu Denis wird nie so wirklich klar. Im einen Moment spinnefeind, sind sie im nächsten beste Freunde, nur um dann doch irgendwo anders weiterzumachen. Allgemein hat es Angel des Öfteren zu eilig, streift wichtige Themen wie Inklusion fast nur versehentlich, auch Lernschwächen verpuffen irgendwie im Nichts. Letzten Endes unnötig ist auch die Einführung von Mathieu, der wohl für den nötigen Spritzer Romantik sorgen soll, ohne aber viel dafür tun zu wollen.

Ein schauspielerischer Erolg
Diesen gelegentlichen Schwächen zum Trotz ist Die Grundschullehrerin aber ein schönes Drama, das sich nicht nur mit dem Schulwesen, sondern auch schwierigen Familienverhältnissen auseinandersetzt. Alleinerziehende Mütter, behinderte Kinder, Vernachlässigung, dazu der ewige Eiertanz, was heute überhaupt noch politisch korrekt ist. Der eine oder andere Schmunzler ist deshalb auch noch drin, nicht zuletzt weil die Jungdarsteller umwerfend authentisch und energiegeladen zur Sache gehen. Da fühlt man sich doch selbst in die eigene Schulzeit zurückversetzt, im Guten wie im Schlechten. Im Mittelpunkt steht aber eindeutig die bereits erfahrene Kollegen Sara Forestier (Liebe ist das perfekte Verbrechen, Love Battles – Mein erotischer Ringkampf), deren Florence in ihrem Eifer zwar nicht immer sympathisch ist, mit der man aber leicht mitfühlen kann. Gerade dann, wenn der Alltag eben nicht zum Lachen ist.

Die Grundschullehrerin
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Die Grundschullehrerin
Ein bisschen schmunzeln und viel fürs Herz: „Die Grundschullehrerin“ nimmt uns mit in den beruflichen und privaten Alltag der Titelfigur und lässt uns an ihren Sorgen und Nöten teilhaben. Das ist an manchen Stellen etwas zu schnell erzählt, bekommt nicht alle gewünschten Themen richtig unter. Insgesamt ist das Drama aber sehenswert und nicht zuletzt wegen der Darsteller auch sehr authentisch.
7von 10

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