(„Blank Lands“ directed by Collective Blank Lands, 2015)

Blank Lands

„Blank Lands“ läuft im Rahmen des 5. Chinesischen Filmfests in München (12. bis 17. Juni 2017)

„Zhuang Xueben? Kenn ich nicht.“ Wem der Name auf Anhieb nichts sagt, muss sich nicht etwaiger Bildungslücken wegen schämen. Die wenigsten dürften wissen, wer das ist, nicht einmal in China. Heute zumindest. Früher, da war das durchaus anders. Rund 80 Jahre ist es her, dass er auszog, um die wenig besiedelten Gegenden des Landes und deren Bewohner auf Fotografien festzuhalten. Damals war China stark unter Druck geraten, da sich Japan im Osten immer weiter ausbreitete. Die wenig bekannten Landstriche, die „Blank Lands“ des Titels, zu verewigen, das hatte dann auch durchaus etwas von kultureller Selbstbehauptung. Die Fotos wurden zur Sensation, wurden vielfach abgedruckt. All das sollte sich jedoch mit der Kulturrevolution ändern: Zhuang geriet in Vergessenheit, auch in Ungnade, während seiner Beerdigung durfte er nicht einmal als Fotograf bezeichnet werden.

Dass er unzweifelhaft einer war, das beweist jedoch Blank Lands. Der Dokumentarfilm nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit Chinas, in das Leben von Zhuang, aber auch in die Geschichte der Fotografie. Das Wort wird dabei größtenteils dem zwischenzeitlich verkannten Künstler überlassen. Einige Informationen werden zu Beginn gegeben, später dürfen auch Angehörige oder Experten Kontexte für das Schaffen des Fotografen geben. Der größte Reiz liegt jedoch in dem, was Zhuang selbst zurückgelassen hat: Tagebucheinträge, die vorgelesen werden. Und Bilder. Viele viele Bilder.

Eine fremde Welt in Eigenarbeit
Mehr als zehntausend soll er während seiner Expeditionen geschossen haben. Wohlgemerkt: in den 30ern und 40ern, lange bevor die digitale Fotografie Aufnahmen zu einer Massengeschichte umschrieb. Und auch das Entwickeln wurde seinerzeit nicht irgendwelchen Drogerien oder Online-Diensten überlassen, das tat man damals alles noch selbst. Umso beeindruckender ist, welche Schätze Zhuang von seinen Reisen mitgebracht hat. Mal gespenstisch, dann wieder wunderschön öffnete er mit seinen Schwarz-Weiß-Bildern die Türen zu anderen Welten, zu Kulturen, die nahe und doch auch fremd waren.

Blank Lands umweht dann auch immer ein Hauch Nostalgie. Wehmut. Melancholie. Denn es sind nicht nur Schätze einer fremden Welt, sondern einer verlorenen. Das ruhige, ursprüngliche Leben inmitten der Natur, dafür ist in dem China des 21. Jahrhunderts kein Platz mehr. Das Interesse dafür ist verlorengegangen, auch der Bezug. Dem Zuschauer geht es da ganz ähnlich: Während wir einiges über Zhuang erfahren dürfen, darüber unter welchen Umständen er fotografiert hat, bleibt uns der Inhalt der Fotografien verborgen. Nur selten verrät Blank Lands mehr über die Menschen, die hier unsterblich gemacht wurden. Die meisten sind stumme Zeugen einer untergegangenen Zeit.

Schöne Bilder mit wenig Informationen
Ein bisschen schade ist es schon, dass der Aspekt der kulturellen Archivierung, welche Zhuang ja seinerzeit verfolgte, in dem Film selbst so wenig aufgegriffen wird. Wer sich von dem Film erhoffte, mehr über diese Menschen fernab des Alltagstrubels zu erfahren, vielleicht auch darüber, wie man seinerzeit lebte, der ist hier im falschen Film. Aber auch wenn Blank Lands viele Antworten schuldig bleibt auf Fragen, die er selbst stellt, er ist schon sehr sehenswert und gewährt uns einen Einblick in eine geradezu traumartige, betörend schöne Welt. Zumindest einigen unter uns: Eine reguläre Veröffentlichung in Deutschland ist derzeit nicht angedacht, dafür ist der Film im Juni 2017 auf dem 5. Chinesischen Filmfest in München zu sehen.

Blank Lands
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Blank Lands
Betörend schöne Fotografien, die uns einen Einblick in eine ganz eigene, fremde Welt gewähren –„Blank Lands“ nimmt uns mit auf eine Entdeckungsreise durch das ländliche China der 1930er. Es wäre schön gewesen, noch mehr über das Gezeigte zu erfahren. Aber auch so ist der Dokumentarfilm über einen Fotografen und dessen Werk sehr sehenswert.
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