(„A Man Can Make a Difference“ directed by Ullabritt Horn, 2015)

A Man Can make A DifferenceEs braucht oft nur einen mutigen, starken und klugen Menschen, um Geschichte zu schreiben, dem Bösen Einhalt zu gebieten, die Welt zu retten – das zumindest wollen einem Filme oft aus naheliegenden Gründen weismachen. Auch der etwas reißerische Titel A Man Can Make a Difference zielt darauf ab, seinen Protagonisten zu etwas Größerem zu machen, als er es letztendlich war. Denn Hand aufs Herz, der Name Benjamin Ferencz dürfte nur den Zuschauern geläufig sein, die ohnehin schon historisch bewandert sind oder sich für internationales Recht interessieren.

Der Rest darf erfahren, dass Ferencz an den Nürnberger Prozessen beteiligt war, nicht jedoch an den großen, von denen jeder schon einmal gehört haben dürfte. Vielmehr war er Chefankläger des sogenannten Einsatzgruppen-Prozesses, einem von zwölf Prozessen, welche in den Folgejahren sich weiterer Kriegsverbrecher annahmen. Dass er der einzige der damaligen Chefankläger ist, der heute noch lebt, hat ihm einen Status verliehen, den er ansonsten wohl kaum innehätte.

Dieser Relativierung zum Trotz, banal ist A Man Can Make a Difference damit nicht. Schon sein Blick zurück auf die Machenschaften des Dritten Reiches und die Versuche der Angeklagten, sich ihrer Verantwortung zu entziehen, machen den Dokumentarfilm sehenswert. Wirklich interessant wird es aber, wenn der 95-Jährige nicht einfach nur in der Vergangenheit schwelgt, sondern sie in Relation zur Gegenwart setzt. Wenn deutsche Politiker es wagen, die kriegerischen US-Alleingänge mit den Aggressionen Hitlers zu vergleichen, ist der Skandal groß, der Druck von außen auch. Bei Ferencz ist das anders, sein Wort hat Gewicht. Durch seine eigene Vergangenheit, durch seine Taten, seine Erfahrungen.

Spannend ist zudem, was er ganz allgemein zu den Themen Krieg und Frieden zu sagen hat, zu Moral und Gerechtigkeit. Gerade das grauenerregende Umfeld, das seine große Bühne wurde, prägte ihn bei seinem weiteren Lebensweg, führte auch dazu, dass er sich für die Gründung eines internationalen Gerichtshofes stark machte – entgegen aller Widerstände. Auf das Leben von Ferencz zurückzublicken, bedeutet dadurch gleichzeitig, auf die Geschichte des Rechts zurückzublicken. Darauf, wie Menschen es auffassen und umsetzen.

Dabei ist A Man Can Make a Difference aber keine trockene moralphilosophische Vorlesung, sondern ein sehr von einem persönlichen Zugang geprägter Dokumentarfilm. Das bedeutet auch, dass Regisseurin Ullabritt Horn kein wirkliches Thema vorgibt, sondern dem gebürtigen Rumänen viel Freiraum zum Erzählen lässt, von der Arbeit, seinen Überzeugungen, aber eben auch seinem Privatleben. Das hat zwar den Nachteil, dass manchmal etwas der rote Faden fehlt, man gar nicht mehr so genau weiß, worum es hier eigentlich gehen soll. Dafür beschreibt der rüstige Jurist mit so viel Charme, Leidenschaft und Witz, dass man ihm auch bei den gelegentlichen Umwegen gerne zuhört.

A Man Can Make a Difference
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A Man Can Make a Difference
Der letzte noch lebende Chefankläger einer der Nürnberger Prozesse lässt die Vergangenheit wiederaufleben – das ist sehr viel weniger trocken, als es sich anhört. Tatsächlich verbindet Benjamin Ferencz seine damaligen Erfahrungen mit Ausführungen über die Gegenwart und hat dabei eine Menge über Moral und Gerechtigkeit zu erzählen.
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