(„Le peuple  des océans“ directed by Jacques Cluzaud & Jacques Perrin, 2012)

Unsere Ozeane ist ein Fest für die Sinne, für Augen und Ohren, für jeden Genießer audiovisueller Kultur. Nach vier Jahren Dreharbeiten und 70 Expeditionen, die von zwölf Teams rund um den Globus unternommen wurden, entstand so viel Filmmaterial über das Leben im Wasser, dass es für einen abendfüllenden Spielfilm und eine vierteilige Fernsehreihe reichte. Die Miniserie gliedert sich in die Teile „Blau der Tiefe“, „In Sand und Algen“, „Leben im Riff“ sowie „Zwischen Land und Wasser“ und wird – im Gegensatz zum Kinofilm, der mit Matthias Brandt als Erzähler ausgestattet wurde – von Robert DeNiros Synchronstimme Christian Brückner begleitet.

In Unsere Ozeane geht es dabei nicht primär um das Vermitteln von tiefgehendem Wissen über das Leben in der Tiefe – auch wenn Biologieunterricht auf eine solch aufwändig inszenierte Weise zweifellos Spaß machen würde – sondern um schlichte Bildgewalt in Form episodenhafter Erzählungen, die von Brückner zusätzlich illustrierend erläutert werden. Jacques Perrin und Jacques Cluzaud servieren dem Zuschauer Beobachtungen in einer visuell überaus eindrucksvollen Art, wenn Delphine in großen Schwärmen durch die Meere streifen, Haie auf Beutezug gehen oder Bären auf Nahrungssuche gehen und zum Schrecken des Lachses werden.

Die wichtigsten Informationen über die Tiere und ihre Lebensräume werden hierbei mundgerecht zubereitet: der Zuschauer wird nicht mit Fakten erschlagen, sondern darf sich von den Bildern berieseln lassen, wenn er nicht gerade – und dies schien bei einem derartigen Sujet ohnehin unvermeidlich – von den Filmemachern den moralischen Zeigefinger vor die Augen gehalten bekommt: die grüne Botschaft, mehr auf die Umwelt zu achten und sie nicht mit Giftstoffen zu verseuchen gehört zu diesen Stoffen bereits längst dazu, wird hier jedoch nie zu aufdringlich oder bewusst provokant-plakativ auf die Spitze getrieben um zu einer reinen Demonstration für mehr Achtsamkeit zu verkommen.

Das offensichtlich überaus üppige Budget – was in Deutschland bedauerlicherweise für derartige Projekte nicht aufbringbar zu sein scheint – erlaubte auch das Einspielen einer breit ausladenden, thematisch inspirierten Musik des Komponisten Bruno Coulais (Die Kinder des Monsieur Mathieu), die zusätzlich zu den atemberaubenden Bildern für Kurzweil sorgt. Unsere Ozeane ist kein Bildungsprogramm, aber eine traumhaft schöne Beobachtung eines Lebensraums und des Zusammenwirkens verschiedenster Arten und Organismen. Wenn wir als Zuschauer durch diese Bilder lernen, das, was uns hier präsentiert wird, wertzuschätzen – und das sollte bei all dieser imposanten Darstellungen nicht schwerfallen – so hat Unsere Ozeane seine Aufgabe vollends erfüllt.

Unsere Ozeane ist seit 7. September auf Blu Ray und DVD erhältlich

Unsere Ozeane – Die komplette TV-Serie
4 (80%) 3 Artikel bewerten

Unsere Ozeane - Die komplette TV-Serie
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Über den Autor

Eine Antwort

  1. Sebastian Krause

    Schon der Vorgängertitel „Unsere Erde“ hat mich total begeistert und mit seinen unglaublichen Bildern und Tieren fasziniert, Zwar ist und bleibt „Die lustige Welt der Tiere“ nach wie vor meine Lieblingsdokumentation, aber diese liegt natürlich auf einem völlig anderen Niveau. Was „Unsere Erde“ und „Unsere Ozeane“ an Faszination und Imposanz mitbringen, liegt bei „Die lustige Welt der Tiere“ wie der Name schon sagt, im Spaß- und Unterhaltungsfaktor.

    Ich bin ebenso der Meinung, dass sich die deutschen Produzenten bezogen auf das Budget und somit die Machart eine gewaltige Scheibe abschneiden sollten.

    Danke für die positive Vorbereitung auf das (für mich) anscheinende Pflichtprogramm „Unsere Ozeane“.

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