(„Hold-Up“, directed by Alexandre Arcady, 1985)

„Wer nichts in meinen Augen liest, der weiß auch nichts.“

Kim Cattrall kennen die meisten Menschen wahrscheinlich aufgrund ihrer Rolle in der äußerst erfolgreichen amerikanischen Fernsehserie Sex and the City, in der sie als reife Dame pausenlos Männer verführte. Bevor sie zu dieser Rolle kam, hielt sie sich mit zahlreichen kleineren Besetzungen über Wasser, wirkte in einigen Kinofilmen und vor allem Serien mit. Wenig bekannt ist hingegen, dass Cattrall nicht etwa in den Vereinigten Staaten, sondern in Liverpool, England geboren wurde. Dass man ihr den britischen Akzent nicht anmerkt, ist der Tatsache zu schulden, dass sie im zarten Alter von drei Monaten mit ihrer Familie nach Kanada zog – dem Land, in dem Jahrzehnte später ein Film namens Hold-Up gedreht werden sollte mit einem der erfolgreichsten und beliebtesten französischen Schauspieler seiner Zeit: Jean-Paul Belmondo. Dass das Drehbuch von Francis Veber stammt, der immerhin 1997 mit Dinner für Spinner eine der erfrischendsten Komödien überhaupt geschrieben hat, ist der Theateratmosphäre in der ersten Hälfte des Werks deutlich anzumerken.

Belmondo verkörpert Grimm, einen notorischen, unverbesserlichen Bankräuber, der einen neuen Coup geplant hat – diesmal in Kanada, in der sichersten Bank des Landes. Sein Komplize ist Georges (Guy Marchand), ein alter Freund, der von Beginn an Zweifel an der Aktion hat und Grimm ängstlich versucht, den Raub auszureden. Auslöser für dessen Unruhe ist ein weiterer ehemaliger Verbrecher namens Lasky (Tex Konig), der seine beiden alten Bekannten in Montreal aufgespürt hat. Dessen Nase verrät ihm sogleich, dass Grimm und Georges einen neuen Coup planen, an dem Lasky beteiligt werden möchte und auch nach mehrmaliger Beteuerung, dass kein neues Verbrechen geplant werde, bleibt Lasky misstrauisch. Zu Recht, wie sich herausstellen soll, denn bereits am nächsten Morgen machen sich Grimm und Georges auf, die sicherste Bank Kanadas zu überfallen. Ihr Plan ist äußerst gewagt, denn es scheint in der Tat keine Möglichkeit zu geben, aus der Bank nach dem Raub zu entkommen, ohne von der Polizei verhaftet zu werden. Doch Grimm ist selbstsicher und siegesgewiss. Verkleidet als Clown schleust er Georges als Kunden in die Bank ein, ehe er selber einen Fuß in das Gemäuer setzt, um seine Pistole auf die dort Anwesenden zu richten. Es dauert nicht lange, da ist das Gebäude von einer Armee Polizisten und Scharfschützen umstellt. Grimm ist jedoch noch immer nicht beunruhigt. Nachdem er sich über zwei Millionen Dollar hat einpacken lassen, nimmt er sich viel Zeit, die Polizei an der Nase herumzuführen, was in einer wilden Verfolgungsjagd endet, in dessen Verlauf nicht unbedingt die Polizei, sondern vielmehr Lasky das Problem sein soll, denn dieser hat seine Freunde aufgespürt und verlangt nun unbeirrt einen Anteil an der Beute…

Die Amerikaner haben diesen Film derart geliebt, dass sie nicht wollten, dass eine derart raffiniert ausgeklügelte Story den Franzosen zugeschrieben wird, sodass man 1990 ein Remake mit Bill Murray, Geena Davis und Randy Quaid drehte. Anlass für diese Neuverfilmung gab es dabei freilich nicht, denn Der Boss ist eine äußerst kurzweilige, in Teilen originelle, humorvolle und spannende Krimikomödie geworden, die gegen Ende zwar arg ins Unglaubwürdige abdriftet, bis dahin den Zuschauer mit skurriler Situationskomik jedoch bereits vor den Bildschirm gefesselt hat, dass späte Übertreibungen kaum noch negativ ins Gewicht fallen können. Dass ein Film wie Hold-Up derart gut funktioniert, liegt hier zu einem großen Teil an einem hervorragend aufgelegten und großartig aufspielenden Jean-Paul Belmondo, der die Grenze zum Wahnsinn in seiner Darstellung des Clowns längst überschritten hat.

An seiner Seite glänzt vor allem eine äußerst attraktive Kim Cattrall, deren Charakter Lise deshalb so interessant ist, weil er gegen alle Erwartungen gezeichnet wurde, indem sie mit Bravour eine unsympathische, egozentrische Femme Fatale darstellt, die keineswegs die liebenswerte Lebensgefährtin ist, für die man sie anfangs halten mag. Nachdem die Geschichte in der ersten Hälfte des Streifens fast komplett in dem Bankgebäude stattfindet, entwickelt sich der Film ab diesem Zeitpunkt zu einem temporeichen Roadmovie, das auf viel Handlung verzichtet und sich ausschließlich auf die Verfolgungsjagd zwischen den Bankräubern, Lasky und der Polizei konzentriert. Wer sich in diesen Momenten schlicht unterhalten lassen möchte, ohne viel über das Geschehen auf der Leinwand nachdenken zu müssen, wird hiermit bestens bedient und zur Verteidigung muss gesagt werden, dass Regisseur Alexandre Arcady mit diesem Werk nie den Anspruch hatte, mehr als eine vergnügliche und kurzweilige Komödie zu zaubern, die trotzdem mit einigen originellen Einfällen punkten kann. Einem guten Film sollte man stets anmerken, dass die Darsteller Spaß während der Dreharbeiten hatten und da das in dieser kurzweiligen Gangsterkomödie zweifellos zutrifft, muss für diesen kurzweiligen, sehr humorvollen Film eine klare Empfehlung ausgesprochen werden.



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Der Boss
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