(„Die Feuerzangenbowle“ directed by Helmut Weiss, 1944)

Zur Abwechslung wieder mal was zum Lachen und obendrein auch noch ein bekannter Klassiker. Im Hinterkopf hatte ich dennoch immer das Produktionsjahr das durchaus nachdenklich stimmt. Nichts desto trotz muss ich gestehen konnte mich der ca. 90 Minuten lange Streifen sehr gut unterhalten. Basierend auf den gleichnamigen Roman von Hans Reimann erzählt das Werk von Helmut Weiss von einem berühmten Dichter aus Berlin: Dr.Johannes Pfeiffer (Heinz Rühmann). Er erfährt in einem Stammtischgespräch von den Schulzeiten seiner Kollegen. Versammelt bei einer Feuerzangenbowle plaudern die betagten Männer also über ihre Jugend und versuchen sich an die unendlich vielen Streiche zu erinnern die sie damals ihren Lehrern angetan haben. Pfeiffer, der nie eine öffentliche Schule besucht hat, sondern zu Hause Unterricht bekommen hatte, möchte dieses Manko nun aber nachholen. Er beschließt kurzerhand in die Provinz zu fahren, sich als Schuljunge zu tarnen und dort das Gymnasium zu besuchen. Da er sowieso schon sein Abitur in der Tasche hat, will er eigentlich nur Unfug veranstalten und den Professoren so richtig auf die Finger hauen. Schnell etabliert sich der „Neue“ in der Klasse und der Zuschauer darf nun die einmal mehr, einmal weniger witzigen Verarschen miterleben. Als schließlich Marion (Hilde Sessak) in das verschlafene Provinznest fährt um nach ihren Freund, dem berühmten Autor Pfeiffer zu suchen, findet sie nur einen Schuljungen der anstatt in Berlin Bücher zu schreiben, lieber aus der Realität flüchtet und wieder die Schulbank drückt. Er hat sich übrigens unterdessen in ein minderjähriges Mädchen verliebt, Eva (Karin Himboldt). Zu blöd, dass sie ausgerechnet die Tochter des Rektors ist…
Der Film versteht sich als Satire aber auch wenn man sich dessen bewusst ist, sollte man sich die eine oder andere Aussage mit Vorsicht genießen. Spätestens im Gespräch wo zwei Professoren ihre Lehrmethoden diskutieren läuteten bei mir die Alarmglocken: mit ziemlich deutlicher nationalsozialistischer Rhetorik wird dort erklärt, dass das wichtigste rigide Disziplin sei. Man müsse die jungen Männer wie Bäume an den Seiten etwas stutzen und anbinden damit sie stramm und stark in Höhe wachsen und nicht ausarten.
Ob dies nun auch den Roman der 1933 erschienen ist betrifft, wage ich zu bezweifeln. Da ich ihn aber nicht gelesen habe, kann ich dies nicht garantieren. Ansonsten weist der Film teilweise sehr interessante Kamera-Perspektiven auf und auch die Performance von Heinz Rühmann ist klasse. Ironischerweise erinnerte mich der Hauptdarsteller an einen meiner ehemaligen Professoren.

Die Feuerzangenbowle
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