
Grégoire Lecomte (Pierre Richard) träumte immer davon, einmal als Schauspieler ganz groß rauszukommen. Doch daraus wurde nichts. Statt renommierter Kinofilme finden sich Werbespots für Hundefutter in seinem Lebenslauf. Jetzt könnte aber endlich der ersehnte Durchbruch da sein, er soll für die Rolle eines gewissenlosen Mörders vorsprechen. Dummerweise irrt sich Lecomte aber am Tag des Castings in der Tür. Er landet nicht wie gedacht im Büro des Produzenten, sondern beim Mafiaboss Don Barberini (Vittorio Caprioli) und soll in dessen Auftrag den Waffenhändler Otto „der Walfisch“ Krampe (Gert Fröbe) mittels eines vergifteten Regenschirms töten. Da beide Männer die Verwechslung nicht merken, macht sich Lecomte auf den Weg, immer noch im Glauben, dass das alles ein Film ist. In der Zwischenzeit hat aber der wahre Killer Moskowitz (Gordon Mitchell) Wind von der Sache bekommen und reist seinem „Kollegen“ hinterher …
Eine typische Verwechslungskomödie
Gérard Oury gehörte zu den beliebtesten Regisseuren Frankreichs, mit seinen Komödien erreicht er regelmäßig ein Millionenpublikum. Vor allem die Kriegskomödie Die große Sause um drei Briten, deren Flugzeug über Paris abgeschossen wird, wurde 1966 zu einem gigantischen Erfolg. Mit mehr als 17 Millionen Besuchern und Besucherinnen gehört der Film noch immer zu den größten französischen Hits aller Zeiten. Bei dem drei Jahre veröffentlichten Das Superhirn über einen absurden Überfall waren es ebenfalls nicht zu verachtende 5,5 Millionen. Ganz so groß war der Eindruck nicht, den er 1980 mit Der Regenschirmmörder hinterlassen hat, einem der späteren Titel des Filmemachers. Aber es reichte immerhin noch für 2,5 Millionen.
Dass es überhaupt so viele waren, lag zum Teil sicher an der Besetzung. Oury konnte sich bei dieser wie so oft auf große Namen verlassen, allen voran Pierre Richard in der Hauptrolle des Schauspielers, der für einen Killer gehalten wird. Der französische Komiker ist natürlich nicht unbedingt derjenige, der einem für einen solchen Beruf einfallen würde. Aber daraus ergibt sich ja auch ein wenig der Reiz des Films, wenn ein absoluter Chaot in eine Situation stolpert, die viel zu groß und gefährlich für ihn ist – und er das nicht einmal bemerkt. Der Regenschirmmörder ist eine typische Verwechslungskomödie, wo die Figuren in eine unmögliche Lage geraten und durch „Zufall“ doch irgendwie alles gutgeht. Wie so oft verkörperte Richard einen absoluten Tollpatsch, der mehr Glück als Verstand hat.
Absurd, aber auch beliebig
Die absurde Geschichte hat dabei sogar einen wahren Kern. Als Inspiration diente der tatsächliche Mord an dem bulgarischen Schriftsteller und Dissidenten Georgi Markow 1978 in London. Denn auch dort kam ein vergifteter Regenschirm zum Einsatz. Ob man ein derartiges Verbrechen unbedingt für eine Komödie nutzen sollte, darüber lässt sich natürlich streiten. Manche werden schon den Versuch als geschmacklos empfinden, echtes Leid für Lacher zu nutzen. Nachvollziehbar ist es aber schon, was da in Der Regenschirmmörder getan wurde. Die Mordwaffe ist derart grotesk, dass sie sich für eine Farce anbietet, völlig losgelöst von der Verwechslung.
Das Problem ist jedoch, dass der Film nie so lustig wird, wie es das Szenario verspricht. Grundsätzlich funktioniert das hier alles zwar schon, wenn ein selbstverliebter Idiot für Chaos sorgt und das nicht einmal merkt. Der für Slapstick und Grimassen bekannte Richard ist dafür auch eine naheliegende Besetzung. Eine etwas zu naheliegende: Der Regenschirmmörder ist phasenweise recht austauschbar geworden, sogar etwas langweilig. Man hat sich auf dessen Clown-Fähigkeiten verlassen, wie man sie aus vielen anderen Filmen kennt, anstatt sich gute Gags auszudenken. Und auch das mit den verschiedenen Frauen, die dem Protagonisten folgen, überzeugt nicht so ganz. Es wird nie klar, was sie an dem aufgeblasenen Verlierer eigentlich finden. Insgesamt ist der Film schon in Ordnung, zum Ende hin hatte man eine nette Idee. Aber es gab doch bessere Werke des Regie-Altmeisters.
OT: „Le Coup du parapluie“
Land: Frankreich
Jahr: 1980
Regie: Gérard Oury
Drehbuch: Gérard Oury, Danièle Thompson
Musik: Vladimir Cosma
Kamera: Henri Decaë
Besetzung: Pierre Richard, Valérie Mairesse, Christine Murillo, Gert Fröbe, Gérard Jugnot, Dominique Lavanant, Gordon Mitchell
Amazon (DVD „Der Regenschirmmörder“)
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)










