Arnes Nachlass
© ZDF/NDR/Hannes Hubach

Arnes Nachlass

Arnes Nachlass
„Arnes Nachlass“ // Deutschland-Start: 13. November 2013 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Nach dem tragischen Tod seiner Familie kommt der 16-jährige Arne (Max Hegewald) als Pflegekind zu Harald (Jan Fedder), einem Freund seines Vaters. Bei ihm, dessen Frau Elsa (Suzanne von Borsody) und deren Kindern Hans (Dennis Mojen), Wiebke (Franziska Brandmeier) und Lars (Sven Gielnik) soll er ein neues Leben anfangen. Doch das gestaltet sich alles schwierig. Während Hans ihm zur Seite steht und wie einen jüngeren Bruder behandeln, fremdeln die beiden anderen mit dem traumatisierten Jugendlichen – obwohl Arne Gefühle für Wiebke entwickelt. Und auch an der Schule fällt es ihm schwer, Anschluss zu finden, er bleibt dort ein Außenseiter. Die gemeinsame Arbeit an einem alten Segelboot könnte jedoch die Chance sein, endlich aufgenommen zu werden …

Drama nach Siegfried Lenz

100 Jahre wäre der beliebte deutsche Autor Siegfried Lenz diese Tage geworden. Das nehmen die öffentlich-rechtlichen Sender zum Anlass, um reihenweise Filme auszustrahlen, die auf dessen Werken basieren. Das bietet sich an, wurden doch im Laufe der Zeit ganz viele seiner Geschichten für das deutsche Fernsehen adaptiert. Unter anderem sind dadurch derzeit Die Flut ist pünktlich über einen Mann, der auf dubiose Weise ertrunken ist, und Der Anfang von etwas, in dem ein vermeintlich ertrunkener Mann womöglich doch noch lebt, zu sehen. Auch bei der ARD-Produktion Arnes Nachlass handelt es sich um eine Adaption. Genauer wurde der gleichnamige Roman von 1999 verfilmt, der vorletzte des Schriftstellers.

Wie bei den beiden obigen Geschichten spielt der Tod eine Rolle, wenn der erweiterte Suizid der Familie den Protagonisten dazu zwingt, ein neues Leben zu beginnen. Und auch Wasser hat eine Bedeutung in dem Film, wenn später an einem Boot gearbeitet wird, als verbindendes Mittel zwischen den Jugendlichen. Doch während die anderen Werke mit einem Mystery-Aspekt arbeiteten und dadurch teilweise als Krimi durchgehen, da ist Arnes Nachlass ein reines Drama. An dem Tod des Vaters bzw. dessen Familie ist nichts Rätselhaftes. Es gibt keine verborgenen Geheimnisse, die irgendwann ans Tageslicht kommen. Es ist nicht einmal so, dass die Konflikte aufgearbeitet werden müssen. Eigentlich ist hier alles klar. Später gibt es zwar schon einen kriminellen Akt. Doch das ist nur ein Mittel zum Zweck, es geht in dem Film um ganz andere Themen.

Bewegend bis zum Schluss

Wichtig sind erneut die zwischenmenschlichen Beziehungen. Die sind recht unterschiedlich, schwanken zwischen Fürsorge und Desinteresse. Rührend ist etwa, wenn Hans versucht, für den Neuling da zu sein. Aber es kann auch tragisch werden, wenn der Junge nach Anschluss sucht, dabei jedoch nicht dafür gemacht ist und sich schwer mit all dem tut. Immer wieder wirkt er wie aus einer anderen Welt, er hadert mit einfachen Situationen und weiß nicht, wie er sich anderen Menschen gegenüber zu verhalten hat. Der zeigt dabei eine Naivität, die ihn jünger wirken lässt, als er es eigentlich ist. Tatsächlich war der Protagonist im Roman auch erst zwölf. Arnes Nachlass ist im Grunde die Geschichte eines Außenseiters, der sich schon danach sehnt dazu zu gehören, vor allem bei seiner Angebeteten, und dafür zu einigem bereit ist.

Unklar bleibt dabei jedoch, inwieweit er durch die tragische Vorgeschichte seiner Familie geprägt ist. Zwar leidet er zweifelsfrei darunter, halluziniert auch von der toten Schwester. Aber inwieweit das Auswirkungen auf seine soziale Kompetenz hat und ob die Schicksalsschläge etwas mit seiner Sehnsucht zu tun haben, wird nie wirklich erklärt. Natürlich muss der Film nicht alles ausbuchstabieren. Doch in Arnes Nachlass geht es, dem Titel und dem Schlusswort nach, auch darum, was von einem Menschen bleibt. Da wäre es ganz schön gewesen, diesen etwas näher kennenlernen zu dürfen. Insgesamt ist das Drama aber noch ganz solide, auch wegen der schauspielerischen Leistung. Und zumindest das Ende dürfte viele vor den Fernsehern bewegen.

Credits

OT: „Arnes Nachlass“
Land: Deutschland
Jahr: 2012
Regie: Thorsten Schmidt
Drehbuch: Lothar Kurzawa
Vorlage: Siegfried Lenz
Musik: Jörg Lemberg
Kamera: Hannes Hubach
Besetzung: Max Hegewald, Jan Fedder, Suzanne von Borsody, Dennis Mojen, Franziska Brandmeier, Sven Gielnik

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Arnes Nachlass
fazit
Die Romanadaption „Arnes Nachlass“ erzählt von einem traumatisierten Jungen, der nach einem Schicksalsschlag bei einer Pflegefamilie Anschluss sucht. Der Film schwankt dabei zwischen rührend und tragisch, gerade das Ende geht zu Herzen. Er bleibt in mancher Hinsicht aber auch recht vage, wenn man den Protagonisten zu wenig kennenlernt.
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