
London, 1940. Agatha Christie (Helen Baxendale) steckt in Schwierigkeiten. Großen Schwierigkeiten sogar: Sie soll einen beträchtlichen Betrag an Steuern zahlen, hat aber nicht das nötige Geld. Also greift sie zu verzweifelten Mitteln und will ein erstes Manuskript des letzten Romans mit Hercule Poirot an den chinesischen Fan Frankie Lei (Thomas Chaanhing) verkaufen, der gerade in einem Hotel übernachtet. 20.000 Pfund soll sie dafür erhalten, was ihr enorm aus der Patsche helfen würde. Um kein Risiko bei diesem Verkauf einzugehen, heuert sie Travis Pickford (Blake Harrison) an, der ihr für eine Provision als Bodyguard zur Seite stehen soll. Aber irgendwie kommt alles anders. Nicht nur, dass Lei ermordet wird. Jemand entwendet auch das wertvolle Manuskript. Der Krimiautorin bleibt daher nichts anderes übrig, als wieder ihr eigenes Kombinationstalent unter Beweis zu stellen. Immerhin: Wer auch immer die Tat begangen hat, kann nicht weit sein. Denn ein Bomberalarm zwingt alle, in dem Keller Schutz zu suchen …
Düsterer als die ersten beiden Teile
Aller guten Dinge sind drei, dachte man sich wohl bei dem britischen Sender Channel 5 und machte aus den fiktionalen Geschichten rund um die britische Krimispezialistin Agatha Christie eine Trilogie. Los ging es 2018 mit dem überaus erfolgreichen Agatha und die Wahrheit des Verbrechens, wo sie aufklären musste, wie eine Frau in einem Zug umgebracht wurde. Ein Jahr später wurde in Agatha und der Fluch von Ischtar eine archäologische Expedition im Irak zum Schauplatz mehrerer Morde, die natürlich nur unsere zufällig anwesende Autorin aufklären. 2020 folgte dann schließlich Agatha und die Mitternachtsmorde, der dritte und letzte Film. Dieser hatte einiges mit den Vorgängern gemeinsam, hat aber auch seine Eigenheiten, die ihn abheben.
Das fängt schon mit der Besetzung an. Wurde Christie beim ersten Teil noch von Ruth Bradley verkörpert, übernahm in der Fortsetzung Lyndsey Marshal die Hauptrolle. Beim dritten Film durfte Helen Baxendale die Protagonistin spielen. Warum man bei drei Filmen, noch dazu drei, die in kurzen Abständen gedreht wurden, die Hauptdarstellerin jedes Mal ausgetauscht wurde, muss man nicht verstehen. Ein weiterer Unterschied besteht in der Tonalität. So lebten die ersten beiden Filme von einer gewissen Leichtigkeit, da wurde viel mit Humor gearbeitet, wenn die Autorin zur Not-Detektivin wird. In Agatha und die Mitternachtsmorde fällt das weg. Der Abschluss der Trilogie ist deutlich düsterer. Das betrifft die Umstände, wenn die Geschichte während des Zweiten Weltkriegs spielt. Aber auch visuell macht sich das bemerkbar. Die sonnendurchflutete Archäologiestätte vom letzten Mal musste einem dunklen Keller weichen, in dem man oft nichts sieht.
Beliebiger Abschluss
Das Prinzip ist dafür gleich geblieben. Auch beim dritten Auftritt der Autorin wird sie unerwartet in einen Mordfall hineingezogen, den nur sie aufklären kann. Mal wieder wurde dabei jemand ermordet, es gilt unter den Anwesenden die Tatperson zu finden – der klassische Whodunit eben. Auch die Sache, dass am Ende alle Verdächtigen auf engem Raum zusammenkommen, während die Geschichte aufgelöst wird, findet sich hier. Agatha und die Mitternachtsmorde gibt sich da ganz traditionell und hält sich an das, was man auch bei Christie selbst oft gefunden hat. Biografische Verweise, wie man sie aus den ersten beiden Filmen kannte, finden sich hingegen nicht. Zwar waren die Geschichten immer fiktional, aber es wurden Elemente aus dem wahren Leben der Queen of Crime eingebaut.
Das ist nicht der einzige Grund, weshalb der Abschluss der uninteressanteste Film in der Trilogie geworden ist. So ist mit der Reduktion des Humors auch ein geringerer Charme einhergegangen. Das muss zwar nicht zwangsläufig schlecht sein, wenn dafür an anderer Stelle mehr getan worden wäre. Weder aber reicht die düstere Atmosphäre aus, da war beispielsweise A Haunting in Venice deutlich gelungener, noch ist der Fall an sich spannend. Die Sache mit den Schulden und dem Manuskript spielt irgendwie auch keine Rolle. Christie hätte einfach als Gast in dem Hotel sein können, ohne dass es einen großen Unterschied gemacht hätte. Es ist schade, dass mit Agatha und die Mitternachtsmorde ein doch eher beliebiger Teil am Ende stand. Da waren die Vorgänger spaßiger.
OT: „Agatha and the Midnight Murders“
Land: UK
Jahr: 2020
Regie: Joe Stephenson
Drehbuch: Tom Dalton
Musik: Blair Mowat
Kamera: Birgit Dierken
Besetzung: Helen Baxendale, Blake Harrison, Jacqueline Boatswain, Gina Bramhill, Daniel Caltagirone, Thomas Chaanhing, Scott Chambers
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