
Als Jana Winter (Natalia Wörner) einen Brief mit anonymen Koordinaten erhält und sich den Ort anschaut, macht sie eine grauenvolle Entdeckung: In einer Art Sarg findet sie die Leiche einer Frau. Offensichtlich wurde diese bereits vor rund zwei Jahren vergraben, ohne dass es jemand merkte. Als sie gemeinsam mit Matthias Hamm (Ralph Herforth) und Alwa Sörensen (Lisa Werlinder) der Sache nachgeht, stellen sie fest, dass niemand die Tote vermisst gemeldet hatte, ihre DNA findet sich nicht in der Datenbank. Aber wie kann das sein? Eine Spur führt dabei zu dem dänischen Ehepaar Mikael (Stephan Kampwirth) und Winka Bruun (Petra van de Voort) sowie Marcel Cordes (Ben Felipe), der mit Helle, der Tochter des Paares, zusammen war. Dieses besteht aber darauf, dass ihre vor zwei Jahren weggezogene Tochter wohlauf ist …
Wer ist die Tote?
Unter anderen Umständen ist zwar prinzipiell eine Institution. Seit 2006 strahlt das ZDF die Krimireihe um die Kommissarin Winter aus. Doch obwohl die Popularität noch immer hoch ist, hat die Produktivität doch merklich nachgelassen. So gab es letztes Jahr mit Die einzige Zeugin nur einen einzigen neuen Film. Damals ging es um einen toten Ex-Kollegen, eine vermisste Zeugin und viel Kompetenzgerangel. Mehr als ein Jahr mussten Fans darauf warten, dass Winter einen weiteren Fall übernimmt. Immerhin hat sich die Wartezeit gelohnt. Nachdem die letzten Teile oft recht mäßig waren, ist Das Mädchen ohne Namen wieder deutlich besser gelungen und findet zu der Qualität früherer Folgen zurück.
Der Fall stell dabei die Polizei vor ein besonderes Rätsel. Üblicherweise ist es so, dass zu Beginn der Geschichte eine Leiche gefunden wird und anschließend herausgefunden werden muss, wer das Verbrechen begangen hat. Das ist bei Unter anderen Umständen: Das Mädchen ohne Namen zwar grundsätzlich auch so. Eine Besonderheit ist aber, dass hier nicht einmal klar ist, wer die Tote ist. Wo es sonst „nur“ darum geht, unter den verschiedenen Verdächtigen die richtige Person zu finden, muss hier zusätzlich die Identität des Opfers geklärt werden. Das ist deutlich kniffliger, erfordert noch mehr Arbeit. Es bedeutet aber auch, dass die Zahl der Verdächtigen geringer ist als normal, weil die Zeit nicht dafür ausreicht, beide Rätsel zu vertiefen. Sowohl die möglichen Opfer wie auch die möglichen Täter sind nicht sehr zahlreich.
Emotional, aber wenig glaubwürdig
Der Film überzeugt aber ohnehin stärker mit der dramatischen Komponente. Da sind zum einen die Geschichten um zwei vom Schicksal gezeichnete Familien, die mit dem Fall zu tun haben. Gerade zum Ende von Unter anderen Umständen: Das Mädchen ohne Namen, wenn sich herausstellt, was wirklich geschehen ist, wird es richtig bitter. Als kleiner Nebenstrang muss die Protagonistin auch noch den Auszug ihres Sohns Leo (Jacob Lee Seeliger) verkraften, der mit 19 Jahren langsam auf eigenen Beinen stehen möchte. Das ist auch deshalb emotional, weil der Schauspieler der tatsächliche Sohn von Wörner ist und quasi seit Anfang an dabei ist. Genauer war Wörner mit ihm in der ersten Folge Unter anderen Umständen schwanger, was der Reihe auch den Namen gegeben hat.
Mit diesen emotionalen Geschichten einher geht jedoch leider eine nicht besonders hohe Glaubwürdigkeit. Tatsächlich ist da vieles schon sehr konstruiert. Ob es nun das endgültige Motiv ist, der Ablauf der Handlung oder auch die Ermittlungen selbst, die recht plötzlich auf eine Lösung kommen: Das ist nicht immer ganz nachvollziehbar. Wer auf solche Aspekte Wert legt, hat hiermit weniger eine Freude. Das ist zwar nicht ganz so schlimm wie beim letzten Mal, wo ein Ärgernis nach dem anderen kam. Ein bisschen großzügiger muss man bei Unter anderen Umständen: Das Mädchen ohne Namen aber schon sein. Wen das nicht stört, findet hier einen wendungsreichen Krimi, der einem mehrfach nahegehen darf und zeigt, dass die Reihe doch noch eine Zukunft hat.
OT: „Unter anderen Umständen: Das Mädchen ohne Namen“
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Judith Kennel
Drehbuch: Zora Holt
Musik: Mario Grigorov
Kamera: Nicolay Gutscher
Besetzung: Natalia Wörner, Ralph Herforth, Lisa Werlinder, Jacob Lee Seeliger, Stephan Kampwirth, Petra van de Voort, Julika Jenkins, Idil Üner, Ben Felipe, Lilia Herrmann, Hedi Kriegeskotte
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)












