
Mit gerade einmal 17 Jahren erholt sich Ivy (Bella Ramsey) von einer Krebserkrankung. Weder trauert sie selbst ihren „verlorenen“ Monaten nach, noch akzeptiert sie Mitleid seitens ihrer Mitmenschen oder Eltern. Nachdem diese sie allerdings zum „Children run free“ Sommercamp angemeldet haben, einem Ferienlager für krebskranke Jugendliche, sagt sie widerwillig zu. Trotz ihrer anfänglichen Resilienz findet sie sich schnell ein und öffnet sich während ihres Sommers langsam aber sicher neuen Erfahrungen.
Coming-of-Age 2
Sunny Dancer ist erst der zweite Film von George Jaques, der wie bereits in Black Dog als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent die volle kreative Kontrolle über seinen neuesten Film behält. Was das Genre angeht, bleibt er sich treu. Erneut versucht er jedoch dabei, das Coming-of-Age-Genre neu zu denken. Trauer, Bewältigung und Krebs schaffen Vielschichtigkeit und stehen konträr zur Leichtigkeit, die der Titel Sunny Dancer vermittelt.
Identität aberseites einer Diagnose
Sunny Dancer etabliert Ivy als starke Frau, als Mädchen, das sich nicht durch ihre Krankheit definieren lassen will und erst recht keine Sonderbehandlung oder Mitleid braucht. Gleichzeitig ist sie 17 Jahre alt. Neben ihrer Diagnose plagen sie die gleichen Gedanken wie andere an der Schwelle zum Erwachsensein. Sunny Dancer schafft mit dem CRF Camp einen Raum, in dem der Krebs präsent ist, ohne die Narrative vollumfänglich einzunehmen. Die Verlorenheit einer 17-Jährigen wird spürbar und gleichzeitig glaubwürdig durch ihre neuen Freunde widergespiegelt und aufgefangen. George Jaques geht kaum auf die Vorgeschichte der jugendlichen Protagonisten ein, selbst Ivys lässt er weitestgehend unerzählt.
Stattdessen feiert Sunny Dancer als Slice-of-Life Film das Leben als einen Moment. Trotz seiner geringen Erfahrung als Regisseur beweist Jaques bemerkenswertes Fingerspitzengefühl. Der Umgang der Jugendlichen miteinander, mit den Eltern und mit den Betreuern wirkt durchweg authentisch, Konversationen oft entlarvend präzise. Zuschauer jedes Alters dürften sich wiedererkennen und sich dabei gleichermaßen peinlich berührt fühlen wie die Figuren auf der Leinwand. Die leichte Tonalität ist dabei stets trügerisch, fast bedrohlich unbeschwert. Sunny Dancers Prämisse ist zu ernst, um sich guten Gewissens fallen zu lassen. Besonders diese Atmosphäre und die Chemie des durch George Jaques erzählten Sommermärchens ist es, was den Film so einnehmend macht. Die dabei geschaffenen Figuren bleiben allerdings skizzenhaft und ihren Charakteren fehlt es an narrativer Eigenständigkeit.
Pointierte Unausweichlichkeit
Anhand seines geschaffenen Mikrokosmos des CRF Camps thematisiert George Jaques trotz allem existenzielle Themen, die sich durch Krebs als zusätzlichen narrativen Faktor aufdrängen. Emotionen wie Hoffnung, Wut und Angst finden ebenso Raum wie komplexere Konzepte. Survivors Guilt, Bewältigungsmechanismen und emotionale Zugänglichkeit sind effektiv in die Geschichte eingewoben ohne die Handlung und die Botschaft des Films an sich zu reißen. Sunny Dancer wirft dabei für Unbeteiligte neue Fragen auf und bietet subtil Spielraum für Interpretation. Mitleid als Selbstbetrug ohne echte Anteilnahme? Kommerzialisierung von Leid? Eine inhärente Unfairness des Lebens? All diese Themen touchiert der Film lediglich, ohne dabei ins Paternalistische oder Missionarische abzudriften.
Jugendliche Ensemble-Stärke
George Jaques unaufgeregte, lebensnahe Inszenierung erlaubt es der Geschichte und besonders der Figurendynamik den Film zu tragen. Neil Patrick Harris als Campleiter Patrick und James Norton neben Jessica Gunning als Ivys Eltern liefern eine solide Performance. Angeführt von Bella Ramsey sind es jedoch die Jungschauspieler, die Sunny Dancer Leben einhauchen und so emotional nahbar machen. Ruby Stokes, Earl Cave, Conrad Chan, Daniel Quinn Toye und Jasmine Elcock wirken wie aus einem Freundeskreis gecastet und damit authentisch.
OT: „Sunny Dancer“
Land: UK
Jahr: 2026
Regie: George Jaques
Drehbuch: George Jaques
Musik: Zachary Dawes, Este Haim
Kamera: Oliver Loncraine
Besetzung: Bella Ramsey, Neil Patrick Harris, Ruby Stokes, James Norton, Shalom Brune-Franklin, Jessica Gunning, Earl Cave, Louis Partridge, Conrad Khan, Daniel Quinn Toye, Conrad Khan, Josie Walker
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