Rains over Babel
© Cinemien

Rains Over Babel

“Rains Over Babel” // Deutschland-Start: 5. Februar 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

In einer kolumbianischen Stadt liegt der mysteriöse Nachtclub Babel – ein Schwellenort zwischen Diesseits und Jenseits. Unter der Herrschaft von La Flaca (Sarai Rebolledo), dem personifizierten Tod in Gestalt einer unerbittlichen Diva, verhandeln die Gäste hier in riskanten Glücksspielen um ihr wertvollstes Gut: ihre verbleibende Lebenszeit. Einer ihrer Handlanger ist Dante (Felipe Aguilar Rodríguez), der seit 20 Jahren Schulden für La Flaca eintreibt und keinerlei Erinnerung an sein früheres Leben besitzt. Im Babel kreuzen sich zahlreiche Schicksale. Jacob (William Hurtado), der Sohn eines streng religiösen Priesters, will im Club erstmals als Teil einer Drag-Truppe auftreten und ringt dabei mit seinem Gewissen. Uma (Celina Biurrun) setzt verzweifelt alles daran, das Leben ihrer schwerkranken Tochter zu retten. Monet (Johan Zapata) versucht nach seinem Tod mit allen Mitteln, in seinen Körper zurückzukehren. Und Timbi (José Manuel Mojica), der Sohn des Barbesitzers Salai (John Alex Castillo), reist gemeinsam mit Uma durch eine Art Sex-Dungeon – vielleicht die Hölle –, um den Sänger Callegüeso (Jacobo Vélez) für einen Auftritt im Babel zu finden.

Dantes tropisches Inferno

Innerhalb eines einzigen Tages beginnen sich diese Geschichten miteinander zu verflechten. Während Dante zunehmend Bruchstücke seiner Vergangenheit wiederentdeckt, verdichten sich die Hinweise darauf, dass das Babel weit mehr ist als ein gewöhnlicher Nachtclub. Anfangs wirkt der Ort noch halbwegs vertraut, doch mit Dantes erstem Auftrag wird klar, dass hier andere Regeln gelten. Das Babel erweist sich als eine Art Fegefeuer, in dem über Schuld, Erlösung und zweite Chancen entschieden wird. Die Frage bleibt, ob es jemandem gelingen kann, die grausamen Gesetze dieses Ortes zu unterlaufen und dem Urteil von La Flaca zu entkommen.

Mit ihrem Spielfilmdebüt Rains Over Babel hat sich die kolumbianisch-spanische Regisseurin Gala del Sol nicht weniger vorgenommen, als Dantes Inferno in die Tropen zu versetzen. Die daraus entstehende Mischung aus fantastischem Realismus und queerer Punk-Ästhetik funktioniert visuell erstaunlich gut. Schon im leeren Zustand wirkt das Babel wie ein Raum, in dem die Luft steht; füllt sich der Club am Abend, scheint man die Hitze beinahe körperlich zu spüren. Kameramann Sten Tadashi Olson findet dafür eindrucksvolle Bilder, die auch den Nebenschauplätzen eine traumartige Qualität verleihen. Da sticht vor allem das „La Petit Pony“, in dem Uma und Timbi nach dem Sänger suchen, heraus. Es wirkt wie einem Fiebertraum entsprungen.

Zu viele Figuren

Gleichzeitig erweist sich die große Zahl an Figuren und parallel verlaufenden Handlungssträngen als zweischneidiges Schwert. Zwar erzählt der Film seine Geschichten weitgehend gleichberechtigt – neben Dantes Vergangenheit nehmen etwa Jacobs innere Konflikte großen Raum ein –, doch die Vielzahl miteinander verknüpfter Episoden sorgt mitunter für Verwirrung. Immer wieder werden Motive angerissen, ohne zu einem wirklich befriedigenden Abschluss zu gelangen.

Dass die Idee zum Film während des Corona-Lockdowns entstand und Gala del Sol die Figuren gemeinsam mit jungen Theaterschauspielern entwickelte, ist deutlich spürbar. Die improvisatorische Grundlage verleiht dem Film zwar Energie und emotionale Unmittelbarkeit, verhindert aber zugleich eine klar durchgeformte Dramaturgie. Zu viele lose Enden bleiben zurück, wodurch sich der Film unnötig sperrig anfühlt und der ganz große Wurf ausbleibt. Dennoch ist Rains Over Babel ein bemerkenswertes Debüt. Für eine Regisseurin, die noch keine 30 Jahre alt ist, zeugt der Film von großer visueller Vorstellungskraft und einem mutigen Zugriff auf Themen wie Identität, Schuld und Erlösung. Auch wenn erzählerisch nicht alles zusammenfindet, macht gerade diese eigenwillige Mischung Gala del Sol zu einer Filmemacherin, deren weitere Arbeiten man im Blick behalten sollte.

Credits

OT: „Llueve sobre Babel“
Land: Kolumbien, USA, Spanien
Jahr: 2025
Regie: Gala del Sol
Buch: Gala des Sol
Musik: Martín de Lima
Kamera: Sten Tadashi Olson
Besetzung: Felipe Aguilar Rodríguez, Jhon Bayron Quintero Valencia, Jhon Narvaez, Mairen Valoyes Ibargüen, Santiago Pineda Prado, Jacobo Vélez, Sofía Buenaventura, Camila Bordón Arenal, William Hurtado, Sarai Reballedo, Johan Zapata, Román Escobar, John Alex Castillo, José Manuel Mojica, Celina Blurron

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Rains Over Babel
fazit
Trotz erzählerischer Überfrachtung überzeugt “Rains Over Babel” als visuell kraftvolles, mutiges Debüt mit eigenständiger Handschrift. Nicht alles fügt sich zu einem Ganzen, doch die imaginative Bildsprache und thematische Kühnheit machen Gala del Sol zu einer vielversprechenden neuen Stimme im Kino.
Leserwertung0 Bewertungen
0
8
von 10