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Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen

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„Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen“ // Deutschland-Start: 15. Februar 2026 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Als Hausmeister Trojanowitz (Henning Peker) die Leiche von Frau Krüger in ihrer Badewanne findet, sieht dies nach einem tragischen Unfall aus. Oder etwa doch nicht? Zumindest Kriminalhauptkommissar Henry Koitzsch (Peter Kurth) hat seine Zweifel, dass dies die Erklärung für den Todesfall ist. Also begibt er sich mit seinem Kollegen Michael Lehmann (Peter Schneider) auf die Suche nach der Wahrheit. Tatsächlich finden die beiden Spuren, dass an der Geschichte mehr dran sein könnte und jemand die Seniorin umgebracht hat. Aber wer? Und aus welchem Grund? Dabei drängt die Zeit, denn wer auch immer die Tat begangen hat, es ist nicht der einzige Mord …

Abschluss einer Ausnahme-Trilogie

Fans von Polizeiruf 110 müssen sich oft in Geduld üben. Da sich die ursprünglich in der DDR gestartete Krimireihe den Sonntagabend mit dem Tatort teilen muss, kann es ziemlich dauern, bis ein neuer Teil herauskommt. Dieses Mal war die Wartezeit aber ganz besonders lang: Knapp vier Monate sind vergangen, seitdem die ARD-Produktion Tu es! zu sehen war. Damals ging es um einen Lehrer, der verdächtigt wird, jemanden zu Mord und Selbstmord angestachelt zu haben. Seither waren ausschließlich neue Teile der Inhouse-Konkurrenz zu sehen. Man konnte zwischenzeitlich glatt vergessen, dass es da ja eigentlich noch eine zweite Krimireihe gibt. Immerhin: Die Wartezeit hat sich gelohnt, Der Wanderer zieht von dannen, der 423. Teil des Dauerbrenners, gehört zu den besten deutschen Fernsehkrimis der letzten Zeit.

Eine große Überraschung ist das nicht, geht es doch wieder nach Halle (Saale). Zweimal schon war das Team um Koitzsch und Lehmann im Einsatz, erst im Mai 2021 in An der Saale hellem Strand, dann im April 2024 in Der Dicke liebt. In Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen kommt das Duo nun zum dritten Mal zusammen, es wird voraussichtlich das letzte Mal sein. Von Anfang an waren die Fälle des Teams als Trilogie angesetzt, so kommt es jetzt wohl auch. Das bedeutet nicht, dass die neue Geschichte eine reine Fortsetzung ist. Mann kann sich prinzipiell das Finale auch separat anschauen, ganz ohne Vorkenntnisse. Ratsam ist es aber, alle drei Filme zu sehen, nicht nur, weil das Trio eine durchgängig hohe Qualität hat, wie man sie im deutschen Fernsehen nur selten sieht. Es gibt zudem Verweise und Rückgriffe – und ein Gefühl der Verbundenheit, wenn man gemeinsam mit den beiden Männern durch die Abgründe gegangen ist.

Melancholisch in den Abgrund

Denn das ist ein verbindendes Mittel innerhalb der drei Filme: Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen blickt auf die Menschen mit einer Mischung aus Faszination vor dem Hässlichen und viel Mitgefühl. In dem Kosmos, welches der vor allem als Schriftsteller tätige Drehbuchautor Clemens Meyer entworfen hat, wimmelt es vor einsamen und gescheiterten Menschen. Leute, die irgendwie, irgendwo, irgendwann am Leben zerbrochen sind oder einfach vergessen wurden. Das zeigt sich am Opfer des neuen Films, eine ältere Frau, die nur noch irgendwie da war, bis sie es nicht mehr war. Aber auch bei den Ermittlern hat man das Gefühl, dass sie in der Welt verlorengegangen sind, während sie den Alltag in Alkohol und Stille ertränken.

Dabei gibt es einiges zu rätseln, wenn es herauszufinden gilt, wer hinter dem Mord steckt und worum es dabei geht. Später wird es auch brenzliger, da kommt dann richtig Lebensgefahr auf. Es werden also durchaus Genrebedürfnisse bedient. Und doch ist Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen vor allem für ein Publikum gedacht, das sich an den leisen und traurigen Geschichten erfreuen kann, die das Leben für uns bereithält. Die melancholische Atmosphäre, die sich wie eine schwere Decke auf das Geschehen legt, bringt einen Großteil der Worte zum Verstummen. Zu sagen hat der Film aber auch so genug, wenn er uns auf eine Reise in die Vergangenheit mitnimmt, alte Traumata aufarbeitet und inmitten der Dunkelheit doch einen leichten Hoffnungsschimmer entdeckt.

Credits

OT: „Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen“
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Thomas Stuber
Drehbuch: Clemens Meyer
Musik: Bert Wrede
Kamera: Nikolai von Graevenitz
Besetzung: Peter Kurth, Peter Schneider, Cordelia Wege, Jule Böwe, Dirk Martens, Henning Peker, Annett Sawallisch, Andreas Leupold

Bilder

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Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen
fazit
In „Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen“ muss das Polizeiduo den Mord an einer alten Frau aufklären. Der Abschluss der Halle-Trilogie ist erneut ein sehr melancholisches Werk geworden, das stoisch in die menschlichen Abgründe hinabsteigt. Das wird zwischendurch zwar schon spannend, aber es ist vor allem die Atmosphäre, die einen in ihren Bann zieht.
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