Only Good Things
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Only Good Things

„Only Good Things“ // Deutschland-Start: 5. Februar 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Brasilien im Jahr 1984: Der Bauer Antônio (Lucas Drummond) beackert mitten im Nirgendwo eine überschaubare Farm mit ein paar Milchkühen und einer kleinen Käserei. Seinem Vater, dem alten Tavares (Norval Berbari), der mithilfe seiner rechten Hand Samuel (Guilherme Théo) die angrenzende Nachbarfarm betreibt, ist Antônios Hof, vor allem aber dessen Lebenswandel ein Dorn im Auge. Denn Antônio liebt Männer. Als eines Tages der Motorradfahrer Marcelo (Liev Carlos) auf der Durchreise verunglückt, ändert sich Antônios Leben für immer. Er kümmert sich um den verletzten Marcelo und verliebt sich in ihn. Nach einer Auseinandersetzung mit Samuel und Tavares lässt Antônio das Landleben hinter sich und zieht in die Stadt, in der er als alter Mann (jetzt: Fernando Libonati) sehnsüchtig auf die kurze, unbeschwerte Zeit mit Marcelo zurückblickt.

Rätselhafte Romanze

Daniel Nolascos neuer Film ist von Beginn an ein Gedicht: Noch während die Credits über die Leinwand laufen, brettert ein hübscher junger Mann auf einem Motorrad die Landstraße entlang, sein lockiges Haar weht im Wind. Die am Horizont versinkende Sonne taucht die Szene in goldenes Licht, auf der Tonspur ist der Countrymusiker Wayne Perry (1950–2005) mit On My Mind zu hören. Mit viel Timbre in der Stimme singt er von zwei sich schicksalhaft begegnenden Liebenden, die nicht wissen, wie ihnen geschieht und die dennoch nur aneinander denken können – und nimmt damit die Handlung vorweg. Anders als es der Song vermuten ließe, ist dieses romantische Drama aber nicht in den USA, sondern in Brasilien angesiedelt.

Der Mann auf dem Motorrad heißt Marcelo und wird von Liev Carlos so zurückhaltend gespielt, dass von seiner Figur eine mysteriöse Anziehungskraft ausströmt. Irgendwo im brasilianischen Nirgendwo des Jahres 1984 unterwegs, endet Marcelos Reise abrupt auf dem harten Asphalt. Der von Lucas Drummond verkörperte Farmer Antônio liest den verletzten Marcelo von der Straße auf, pflegt ihn gesund und beginnt eine Beziehung mit ihm, die in den Aufnahmen von Kameramann Larry Machado bei aller Zärtlichkeit nicht vor expliziten Szenen zurückschreckt. Wie es Machado überhaupt versteht, die männlichen, oft nackten Körper und die traumhafte Naturkulisse, durch die sie sich bewegen, sinnlich vibrierend einzufangen.

Zurück in die Zukunft

Wäre Only Good Things nur das: ein berauschend in Szene gesetzter Liebesfilm, er wäre bereits das Eintrittsgeld wert. Doch Daniel Nolasco, der in Deutschland zuletzt mit seinem Spielfilmdebüt Vento Seco (2020) bei der 70. Berlinale zu sehen war, geht noch einen Schritt weiter. „Traumhaft“ ist das passende Stichwort, denn der Regisseur und Drehbuchautor, der vor Vento Seco zahlreiche Kurzfilme und zwei abendfüllende Dokumentarfilme realisiert hat, zaubert nicht nur die Körper und Landschaften traumhaft auf die Kinoleinwand. Er verflicht auch zwei durch vier Dekaden voneinander getrennte Zeitebenen mit traumwandlerischer Sicherheit.

Nach einer atemlosen, tragisch endenden Verfolgungsjagd über Wald, Wiesen und Felder steigt Antônio mit Marcelos leblosem Körper in einen Fluss und allein und als alter Mann wieder daraus hervor. Ebenso elegant wie nahtlos springt die Handlung in dieser magisch anmutenden Szene ohne einen erkennbaren Schnitt 40 Jahre in die Zukunft, vom Jahr 1984 in unsere Gegenwart. Antônio, jetzt von Fernando Libonati gespielt, lebt inzwischen mit einem jungen, attraktiven Assistenten (Igor Leoni) in einem Penthouse in der Stadt. Woher Antônio das Geld für sein Luxusleben hernimmt oder welcher Profession er nachgeht, bleibt ebenso in der Schwebe wie die Frage, was mit ihm und Marcelo 40 Jahre zuvor im Fluss geschehen ist. Und hier hört das Rätselraten nicht auf.

Nächtliches Großstadt-Dickicht

Daniel Nolasco hat einen wunderschönen wie wundersamen Liebesfilm gedreht. Deutlich schwächer als noch Vento Seco von der hypermaskulinen (Leder-)Ästhetik eines Tom of Finland (1920–1991) geprägt, entspinnt Nolasco in der zweiten Filmhälfte eine bisweilen halluzinatorische Handlung im nächtlichen Großstadt-Dickicht. Zunächst liegt die Vermutung nahe, dass Marcelo im Jahr 1984 gestorben sei und Antônio ihn im Fluss auf seine letzte Reise geschickt habe. Doch auf der gegenwärtigen Handlungsebene kristallisiert sich heraus, dass Antônio und Marcelo dem Landleben gemeinsam den Rücken gekehrt und die letzten 40 Jahre Seite an Seite verbracht haben, bevor Marcelo ohne Vorankündigung einfach aus Antônios Leben verschwand.

Das Wie und Weshalb lässt Nolasco ebenso offen wie die Antwort auf die Frage, was von alldem Wahrheit, was (Wunsch-)Traum, was Einbildung und was Erinnerung ist. Was Only Good Things letzten Endes nur noch faszinierender macht.

Credits

OT: „Apenas Coisas Boas“
Land: Brasilien
Jahr: 2025
Regie: Daniel Nolasco
Drehbuch: Daniel Nolasco
Kamera: Larry Machado
Besetzung: Lucas Drummond, Liev Carlos, Guilherme Théo, Norval Berbari, Cecília Brito, Fernando Libonati, Igor Leoni, Renata Carvalho

Bilder

Trailer

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Only Good Things
fazit
„Only Good Things“, der zweite abendfüllende Spielfilm des Brasilianers Daniel Nolasco, ist ein Liebesdrama, das durch seine offene Erzählung und souveräne Form fasziniert. Der Regisseur und Drehbuchautor wechselt ebenso elegant zwischen den Zeitebenen, wie die Kamera von Larry Machado über die berauschend in Szene gesetzten Körper und Landschaften gleitet. Eine rätselhafte Romanze an den Grenzen zwischen Realität, Traum und Erinnerungen.
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