Ivan Hadoum
© Lluís Tudela

Iván & Hadoum

Ivan Hadoum
„Iván & Hadoum“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Iván (Silver Chicón) und Hadoum (Herminia Loh) arbeiten in einer Gewächshausanlage in Almería, im heißen und trockenen Süden von Spanien. Er ist trans, sie ist cis.  Er kommt aus einer spanischen Familie, die schon seit Jahrzehnten in der Landwirtschaft tätig ist. Sie wiederum ist mit ihrer marokkanischen Familie als Saisonarbeiterin öfters umgezogen. Trotz der gegensätzlichen Voraussetzungen verlieben sich die zwei ineinander. Doch die Beziehung stößt nicht auf Wohlwollen. Besonders Manuel, der Chef der Anlage, kann Hadoums rebellisches Verhalten beim Gemüse sortieren nicht ausstehen. Der Konflikt wird zum Problem für Iván, als ihm eine Beförderung zum Manager bevorsteht.

Die Ausgangssituation der Geschichte klingt sehr einfach: (Trans-)Boy-meets-Girl und die Familien der beiden Liebenden stellen sich gegen die Beziehung wie in Shakespeares Romeo und Julia. Regisseur und Drehbuchautor Ian de la Rosa, ebenfalls Transgender und aus Almería, versetzt diese altbekannte Konstellation in die Gegenwart des ländlichen Spaniens und schafft daraus einen wundervollen Liebesfilm mit viel Gespür für die sozialen Realitäten der Figuren. Die Lebenssituationen der Hauptfiguren werden genau und gleichzeitig beiläufig geschildert.

Family Business

Iván lebt zusammen mit seiner Familie inklusive Mutter, Schwester, Nichte und Neffe in einer engen Wohnung. Sein Vater ist bereits verstorben. Die Schwester arbeitet als Reinigungskraft, während die Mutter den Haushalt schmeißt. Die Hoffnungen der Familie liegen ganz auf Iváns Beförderung, denn dann könnte sich die Familie einen größere Wohnung leisten. Sie haben sogar das Glück, mit dem Chef der Treibhausanlage, Manuel, befreundet zu sein. Er ist zwar unsicher, ob Iván Manager werden kann, aber er gibt ihm zumindest eine Chance als Aufseher.

Hadoum lebt ebenfalls mit ihrer Familie zusammen. Die Eltern der beiden Verliebten kennen sich sogar, doch Hadoums Mutter vermutet, dass Iváns Familie sie aufgrund ihrer marokkanischen Herkunft nicht akzeptieren wird. Im ersten Moment ist das Gegenteil der Fall. Iváns Mutter und Schwester freuen sich, dass ihr Sohn und Bruder endlich jemand gefunden hat. Beim ersten Treffen auf einem Jahrmarkt sind sie sehr offen gegenüber seiner neuen Freundin. Doch später distanzieren sie sich von Hadoum, nachdem ihnen klar wird, dass ihre Auseinandersetzungen mit dem Chef die Beförderung von Iván und damit die Aussicht auf eine neue Wohnung gefährden könnten.

Gewächshäuser in der Wüste Spaniens

Aufgrund eines Arbeitsunfalls ist die Stimmung zwischen Manuel und Hadoum so angespannt. Der gewinnorientierte Manuel, der die Gewächsanlage an Investoren verkaufen will, stört sich generell an uneffektiven und unordentlichen Erntehelferinnen. Der Film zeigt gleich zu Beginn die hektische und strenge Atmosphäre am Arbeitsplatz in der Lagerhalle. Gabelstapler fahren zügig Kartons herum. Angestellte sortieren Tomaten, Gurken und Zucchinis mit schnellen Handbewegungen unter den Rufen der Aufsicht. In diesem Durcheinander fällt Iváns Blick auf Hadoum.

Regisseur Ian de la Rosa fokussiert sich größtenteils in ruhigen Close-ups auf die Blickwechsel des Liebespaares. Dadurch gelingt dem Film eine besonders zärtliche Intimität herzustellen. Wenn der familiäre und soziale Druck am Arbeitsplatz oder im Mehrgenerationenhaushalt zu groß wird, flüchten Iván und Hadoum in die karge Landschaft der Umgebung. Am Meer und in der Wüste stört die beiden niemand. Hier können sie ihre Zweisamkeit genießen. In diesen Momenten ist die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern Silver Chicón und Herminia Loh besonders spürbar.

Toxische und harmonische Männlichkeit

Die Themen Queerness und Queerfeindlichkeit webt Ian de la Rosa leise, aber dennoch sichtbar in die Handlung mit ein. Für Iváns Familie und Freundschaften ist seine Transidentität komplett selbstverständlich. Implizit und teilweise auch explizit äußern jedoch ein paar Nebenfiguren wie Manuels Sohn oder ein Barkeeper ihren Hass gegenüber ihm, sobald diese sich in ihrer „Männlichkeit“ von Iván bedroht fühlen. Und auch Iván selbst fühlt die Unsicherheit in seinem Körper, als er zum ersten Mal mit Hadoum am Strand Sex hat. Während sie ihre Hände auf seine Brust legt, atmet er nervös. Das Rauschen der Wellen beruhigt ihn. Hier muss niemand niemandem etwas beweisen.

Credits

OT: „Iván & Hadoum“
Land: Spanien, Deutschland, Belgien
Jahr: 2026
Regie: Ian de la Rosa
Drehbuch: Ian de la Rosa, Diego Vega Vidal
Kamera: Beatriz Sastre
Besetzung: Silver Chicón, Herminia Loh, Nico Montoya

Trailer

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Iván & Hadoum
fazit
Der Transmann Iván und die marokkanische Saisonarbeiterin Hadoum verlieben sich auf einer Gewächshausanlage in Südspanien zum Widerwillen des Arbeitgebers und der beiden Familien ineinander. Trotz der simplen Ausgangsituation gelingt es dem Regisseur und Drehbuchautor Ian de la Rosa in ruhigen Nahaufnahmen zärtlich von einer Liebesbeziehung unter schwierigen Umständen zu erzählen. Dank der beiden Hauptdarsteller Silver Chicón und Herminia Loh kommt man den Gefühlswelten der Figuren sehr nahe.
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