Die Frau des Chefs Selon Matthieu Tv Fernsehen arte Streamen online Mediathek Video on Demand DVD kaufen
© Why Not Production / Eric Caro

Die Frau des Chefs

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„Die Frau des Chefs“ // Deutschland-Start: 14. Juli 2003 (arte)

Inhalt / Kritik

30 Jahre lang hat Francis (Fred Ulysse) für ein und dieselbe Firma gearbeitet. Doch das ist nun vorbei: Als er bei der Arbeit beim Rauchen erwischt wird, was seit dem Vortag nicht mehr erlaubt ist, wird ihm fristlos gekündigt. Für ihn bricht damit eine Welt zusammen. Aber es hilft nichts: Weder seine Söhne Eric (Antoine Chappey) und Matthieu (Benoît Magimel) noch die Kollegen können etwas dagegen tun. Als Francis kurze Zeit später bei einem Autounfall ums Leben kommt, ist für Matthieu klar, dass dies ein Selbstmord seines verzweifelten Vaters gewesen sein muss. Also schmiedet er einen Plan, wie er sich dafür rächen kann: Er verführt Claire (Nathalie Baye), die Frau seines Chefs. Doch es bleibt nicht bei diesem einen Mal, aus der Begegnung wird eine Affäre, die auch Matthieu zusetzt …

Sozialdrama im Arbeitsumfeld

Xavier Beauvois mag zwar primär als Schauspieler bekannt sein, in Dutzenden von Filmen und Serien hat er im Laufe seiner Karriere mitgespielt. Doch immer mal wieder nimmt der Franzose auch auf dem Regiestuhl Platz, um eigene Geschichten zu erzählen. So nahm er uns in dem Krimidrama Eine fatale Entscheidung (2005) mit an die Pariser Mordkommission, wo unter anderem der Tod eines Obdachlosen untersucht wird. Drift Away (2021) wiederum handelte von einem Provinzpolizisten und einem tragischen Zwischenfall. An Tragik mangelt es auch in Die Frau des Chefs nicht, ein ursprünglich 2000 veröffentlichtes Drama, wenn eine Familie mehrere Schicksalsschläge verkraften muss und eine einzige Zigarette eine Reihe schwerwiegender Folgen nach sich zieht.

Grundsätzlich handelt es sich bei dem Werk um ein Sozialdrama, wie man es gerade in Frankreich immer wieder zu sehen bekommt und das Missstände im Arbeitsumfeld thematisiert. Hier ist der Stein des Anstoßes eine Zigarette. Sicher, die Geschäftsführung hatte zuvor bekanntgegeben, dass ab sofort ein absolutes Rauchverbot gilt, aus Sicherheitsgründen, und dass eine Zuwiderhandlung mit der fristlosen Kündigung bestraft wird. Dennoch, jemanden, der 30 Jahre lang für einen gearbeitet hat, so schnell vor die Tür zu setzen, weil der seiner alten Gewohnheit nachgeht, empört nicht nur den Betroffenen und seine Familie. Die Frau des Chefs will gerade auch das Publikum auf seine Seite ziehen und die Absurdität der Situation darstellen. Fleiß und Loyalität sind in dieser Welt nichts wert, das Individuum auch nicht. Es mangelt zudem an Solidarität: Aus Angst vor einem eigenen Jobverlust will niemand etwas tun oder sagen.

Komplizierte Gefühle

Anfangs meint man noch, dass der Film dann primär von dem Kampf um den Arbeitsplatz handeln wird, vergleichbar etwa zu Streik, einem weiteren französischen Sozialdrama. Doch wie der Titel Die Frau des Chefs bereits ankündigt, verschiebt sich der Inhalt hin zu dem Verhältnis zwischen dem Sohn und der deutlich älteren Claire. Was anfangs nur ein Akt der Rache hätte sein sollen, wird zu einer komplexen Beziehung, bei der beide nicht genau sagen können, was sie eigentlich sein soll. Auf diese Weise vermischt sich das Sozialdrama mit einem Liebesdrama, wenn die Lüge zur Wahrheit wird. Solche Wandlungen kennt man eigentlich aus Komödien. Dort kommt es häufiger vor, dass eine vorgetäuschte Romanze zu einer echten wird. Hier ist das aber tragischer und verwirrender.

Natürlich ist dieser Racheplan ziemlich kindisch und wenig konstruktiv. So verständlich die Wut des Protagonisten ist, ein bisschen wunderlich ist die Antwort schon. Manche Zuschauer und Zuschauerinnen könnte es auch stören, wie dadurch das anfängliche Thema beiseitegeschoben wird, es gar nicht mehr um den Vater und die Arbeit geht. Und doch ist das Drama sehenswert. Wie bei seinen anderen Werken geht Beauvois sehr nüchtern an die Geschichte heran, geradezu dokumentarisch – siehe etwa der Verzicht auf eine Filmmusik. Trotz der eigentlich sonderbaren Geschichte wirkt Die Frau des Chefs daher so, als sei das aus dem Alltag genommen. Das anfängliche Szenario bietet ohnehin genügend Identifikationsfläche, weshalb der Film auch ein Vierteljahrhundert später noch aktuell ist.

Credits

OT: „Selon Matthieu“
Land: Frankreich
Jahr: 2000
Regie: Xavier Beauvois
Drehbuch: Xavier Beauvois
Kamera: Caroline Champetier
Besetzung: Benoît Magimel, Nathalie Baye, Antoine Chappey, Fred Ulysse, Françoise Bette, Mélanie Leray, Virginie Dessèvre

Bilder

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Die Frau des Chefs
fazit
In „Die Frau des Chefs“ wird ein Mann bei der Arbeit entlassen, dessen Sohn fängt aus Rache eine Affäre mit der Frau des Chefs an. Das klingt nach einer Komödie, ist aber vielmehr ein Sozialdrama, welches später auch zu einem komplexen Liebesdrama wird. Ruhig inszeniert, ist der Film trotz der sonderbaren Geschichte sehenswert.
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