© AURORA FILMS

A Russian Winter

„A Russian Winter“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Was im Westen gern vergessen wird: Russlands Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 hatte auch für viele Russen Konsequenzen. Wer vom Militär eingezogen wurde, aber nicht an die Front wollte, hatte im Grunde nur zwei Möglichkeiten: Haft oder Exil. Margarita, Juri und drei ihrer Freunde haben sich dafür entschieden, ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Über Umwege landeten sie in Frankreich, wo es ihnen schwerfällt, außerhalb ihres kleinen Kreises anzukommen.

Festgefroren im Exil

Es ist nicht der erste Dokumentarfilm von Patric Chiha, aber sein bislang politischster. Vor A Russian Winter, der im Original Un hiver russe heißt und bei den 76. Internationalen Filmfestspielen von Berlin Premiere feierte, hat der 1975 geborene Regisseur, der zuletzt die eigenwillige Literaturverfilmung Das Tier im Dschungel (2023) vorlegte, mit If It Were Love einen sehr intimen Dokumentarfilm über eine Tanztruppe gedreht. An dessen Intensität reicht Chihas neue Doku über eine Gruppe Exilanten nicht heran. Mit der vorangegangen teilt sie aber eine Schwäche: Man erfährt als Zuschauer letzten Endes einfach zu wenig, um den Kinosaal zufrieden zu verlassen.

Chia ist Österreicher mit ungarischen und libanesischen Wurzeln. Seine Wahlheimat ist Paris. Hier, an den Rändern der französischen Hauptstadt, die oft als winziger Punkt am Horizont erkennbar ist, bewegen sich Chias aus Russland geflohene Protagonisten: Margarita, die zunächst in Istanbul feststeckt, bevor sie es bis nach Frankreich schafft, Juri und ihre drei Freunde. Chia begleitet sie durch ihren Alltag, mal im Winter in einem Park, mal auf einer Sommerwiese und meist zu zweit oder in einer kleinen Gruppe im Gespräch vertieft. Seine Kamerafrau Céline Bozon drängt sich nicht in den Vordergrund, was den Dialogen eine natürliche Beiläufigkeit verleiht.

Bedeutendes Thema, banale Gespräche

Der Auslöser für diesen Film waren Nachrichten, die um die Welt gingen. „Im September 2022 war ich tief beeindruckt von Bildern junger Männer, die in den georgischen Bergen die Grenze überquerten und vor dem russischen Regime flohen – zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto“, erinnert sich Chia. Diese Exilanten ins Zentrum zu stellen, sei von vornherein das Ziel gewesen, denn „[i]nstinktiv spürte ich, dass Frankreich, aber auch Europa, an einem Wendepunkt steht. In den Geschichten dieser Russen, in den Fragen, die sie sich stellen, erkenne ich auch meine eigenen Sorgen wieder“, sagt Chia.

Dass A Russian Winter nicht die in deutschen Medien vorherrschende ukrainische Perspektive einnimmt, sondern aufzeigt, dass sich auch in Russland Widerstand regt – und sei es nur durch den Entzug vor dem Militär durch den Gang ins Exil – ist ein großes Verdienst eines über weite strecken enttäuschenden Films. Was zum einen an der von Chia gewählten Form, die jeglichen Fokus vermissen lässt, und noch mehr an seinen Protagonisten liegt. Die halten sich für ziemlich hip, sind stattdessen aber bisweilen so banal, dass einem beim Zusehen gemeinsam mit ihnen irgendwann die Decke auf den Kopf fällt.

Credits

OT: „Un hiver russe“
Land: Frankreich
Jahr: 2026
Regie: Patric Chiha
Drehbuch: Patric Chiha
Musik: Yuri Nosenko
Kamera: Céline Bozon

Bilder

Filmfeste

Berlinale 2026

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

A Russian Winter
fazit
„A Russian Winter“ dokumentiert das Pariser Exil einer Gruppe vor Putins Regime geflohener Russen. Das klingt spannender, als es letztlich ist. Denn der Alltag der Exilanten ist bisweilen so banal und die Konversationen sind so dröge, dass einem auch im Kinopublikum schnell langweilig wird.
Leserwertung0 Bewertungen
0
4
von 10