© Łukasz Bąk

A Prayer for the Dying

„A Prayer for the Dying“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Während eines heißen Sommers versucht der Kriegsveteran Jacob Hansen (Johnny Flynn), sowohl seine Familie als auch die Kleinstadt Friendship bestmöglich zu schützen. Als Sheriff, Bestatter und Pastor der Gemeinde sieht er sich berufen, durch seine Arbeit die Sünden seiner Vergangenheit zu büßen. Als Friendship jedoch zusätzlich von einer Pandemie heimgesucht wird, die der örtliche Doktor (John C. Reilly) nicht eindämmen kann, holt Hansen seine Vergangenheit ein und er verliert nach und nach selbst den Glauben daran, den Ort und seine Bewohner retten zu können

Frontiermythos ohne Feindbild

Für ihr Langfilmdebüt hätte sich Dara van Dusen kaum einer monumentaleren Aufgabe stellen können. Auf dem Papier ist A Prayer for the Dying ein hochstilisierter Neo-Western, der sich zur Aufgabe macht, statt ritualisierter Gewalt und heroisierter Gesetzlosigkeit eine gänzlich andere Geschichte zu erzählen. Anstatt menschlicher Brutalität sieht sich Friendship bedroht durch Naturgewalt, Krankheit und schleichenden Kontrollverlust. Die drückende Hitze des Hochsommers bereitet Jacob Hansen und seinen Schäfchen genug Probleme, das Ausbrechen einer Pandemie gleicht einem Todesurteil. Hansens Persönlichkeit ist geprägt durch Ambivalenzen. Der dekorierte Veteran und Held des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs ist stark belastet durch die erlebte Grausamkeit und die Lasten seiner Vergangenheit.

Trotz dieser inhärenten Dunkelheit versucht der tiefgläubige Mann, Absolution durch Nächstenliebe und durch die spirituelle wie exekutive Führung seiner Stadt Friendship zu erlangen. Sein Führungsstil zeichnet sich durch Fairness und durch die Bereitschaft aus, Hilfe und Rat zu akzeptieren und umzusetzen. Dara van Dusen erschafft einen vielschichtigen Protagonisten und etabliert subtil eine Gegensätzlichkeit zwischen Glaube und Wissenschaft, ein moralisches Dilemma zwischen Ehrlichkeit und dem Wohl der Allgemeinheit. Ausgehend von dieser vielversprechenden Prämisse verliert sich A Prayer for the Dying aber bereits kurze Zeit später in den eigenen Ambitionen, narrativer Fragmentierung und einer manierierten Inszenierung, die echte Handlungstiefe verdrängt. 

Seelenlose Symetrie

Dara van Dusen hat ein weit größeres Interesse an der audiovisuellen Wirkung ihres Films, als ihn substanziell zu unterfüttern. Die Vorgeschichte ihres Helden präsentiert sie durch fragmentierte, halluzinatorische Rückblenden und Träume. Die Inhärenz dieser düsteren Vergangenheit bleibt lediglich angedeutet. Abseits von Jacob Hansen etabliert sie eine ganze Bagage an Figuren, für deren charakterliche Ausgestaltung keine Zeit bleibt und zu denen keinerlei emotionaler Bezug aufkommen will. Entsprechend bedeutungslos bleiben die zahlreich versuchten Schockmomente. Während die Analogie zwischen dem langsam näherkommenden Feuer, der ausufernden Pandemie und dem schleichenden und gleichzeitig unausweichlichen Kontrollverlust funktioniert, bleibt die finale Auflösung unzufriedenstellend. A Prayer for the Dying kulminiert in einem CGI-Inferno gähnender Leere, einem metaphorischen Gang durchs Fegefeuer, der außer der vorangegangenen bildgestalterischen Poesie keine Gravitas liefert.

Dara van Dusens gestalterische Ansätze sind ambitioniert. Jede Szene ist klar kontrolliert, die Kamerafahrten sind minutiös abgestimmt. Zentrales Framing der Figuren sowie Bildsymmetrie definieren A Prayer for the Dying. Während der Film abseits des Einsatzes computergenerierter Effekte während des Finales handwerklich sehr gut aussieht, fehlt van Dusen dabei ein Alleinstellungsmerkmal. Ihre Inspiration durch Wes Anderson und Stanley Kubrick ist deutlich, allerdings ist sie dabei nicht konsequent genug mutig in Extravaganz oder Neuerfindung, um den Film allein über seine audiovisuelle Wirkung funktionieren zu lassen. In Kombination mit einer weitgehend uninspirierten Ensembleleistung und Johnny Flynns mangelnder Fähigkeit, die Ambivalenzen seines von der Vergangenheit gezeichneten Helden greifbar zu vermitteln, gerät der Film spürbar ins Stocken.

Credits

OT: „A Prayer for the Dying“
Land: Norwegen, Griechenland, UK, Schweden
Jahr: 2026
Regie: Dara van Dusen
Drehbuch: Dara van Dusen
Musik: Beate Hlavenkova
Kamera: Kate McCullough
Besetzung: Johnny Flynn, John C. Reilly, Kristine Kujath Thorp, Gustav Lindh

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A Prayer for the Dying
fazit
"A Prayer for the Dying" besitzt das Potenzial einer vielversprechende Revision des Frontiermythos. Dara van Dusens Versuch eines aufgeladenes Films über Glaube, Verantwortung und Kontrollverlust schlägt jedoch fehl. Zurück bleibt ästhetische Selbstgenügsamkeit, der es an emotionaler und narrativer Substanz fehlt.
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