
Der Schock ist groß, als Margit Gehringer tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird. Wer könnte nur die Leiterin eines Kinderhorts ermordet haben? Marie Brand (Mariele Millowitsch) und Jürgen Simmel (Hinnerk Schönemann) versuchen das herauszufinden und verfolgen dafür mehrere Spuren. Da ist zum einen der Ex-Mann Paul (Timo Hübsch), der mit der Scheidung seinerzeit nicht einverstanden war. Aber auch Dr. Bernd Jakobi (Christian Erdmann) könnte irgendwie mit der Geschichte zusammenhängen. Schließlich hat sie mit dem Kinderpsychiater und Bestsellerautor vor Jahren in einer psychiatrischen Anstalt für Kinder gearbeitet, die wegen des Einsatzes von Medikamenten in Kritik geraten ist …
(K)eine Frage der Erziehung
Marie Brand gehört zu den verlässlichen Größen im deutschen Fernsehen. Nicht nur, dass die ZDF-Krimireihe ein treues Publikum hat, meistens schalten sechs bis sieben Millionen Menschen ein, um bei den Ermittlungen des Polizeiduos dabei zu sein. Es werden auch regelmäßig zwei Filme pro Jahr produziert. 2025 gab es auf diese Weise Marie Brand und das tote Au-pair über eine Jugendliche, die von einer Brücke gestürzt ist, sowie Marie Brand und die Bedrohung vom anderen Stern, das mit der Karikatur von rechten Reichsbürgern einigen Wut auf sich gezogen hat. Ähnliches ist bei Marie Brand und die verlorenen Kinder nicht zu erwarten, dem inzwischen 38. Film der seit 2008 ausgestrahlten Reihe. Kontroversen gibt es hier keine.
Wobei das Potenzial für solche durchaus da gewesen wäre. Schließlich geht es hier um das Thema Erziehung und wie mit psychisch kranken Menschen umgegangen werden soll. Zu einer richtigen Auseinandersetzung mit dem Thema kommt es aber nicht. Oder wenn nur am Rande: Ein Nebenstrang von Marie Brand und die verlorenen Kinder erzählt davon, wie Simmel sich – mal wieder – an einer Beziehung versucht, es dabei aber mit dem aufsässigen Sohn Sean (Sammy Schrein) zu tun bekommt. Der Polizist ist wie immer überfordert, seine Mischung aus Gefallsucht und Geltungsdrang verhindert es, dass er sich auf diese Situation einlassen kann. Wobei die Mutter sich jetzt auch nicht übermäßig souverän verhält. Was genau der Film mit diesen Passagen aussagen wollte, bleibt ein Geheimnis.
Tragisch, aber austauschbar
Wichtiger ist aber ohnehin der Kriminalfall. Marie Brand und die verlorenen Kinder ist da prinzipiell wieder ein klassischer Genrevertreter, bei dem zu Beginn die Leiche gefunden wird und anschließend herausgefunden werden muss, wer den Mord begangen hat. Alles wie immer also. Wobei die Auswahl an Verdächtigen dieses Mal ziemlich überschaubar ist. Es ist auch nicht so, als würden zahlreiche unterschiedliche Motive angeboten. Meistens wird zumindest versucht, verschiedene Richtungen anzudeuten. Diesmal wird darauf verzichtet. Schon der Titel der Folge gibt vor, dass die Antwort in der umstrittenen Klinik zu suchen ist, wo Kinder behandelt wurden.
Die Geschichte selbst ist natürlich schon tragisch, wenn es um kaputte Kinder und um noch kaputtere Betreuungen geht. Und auch bei den späteren Enthüllungen ist klar, dass auf Emotionalität abgezielt wird. Das beißt sich aber mit den üblichen albernen Anwandlungen, die man in dieser Reihe andauernd findet. Das macht es schwierig, das Ganze hier ernst zu nehmen. Insgesamt ist Marie Brand und die verlorenen Kinder dann auch ein weniger bemerkenswerter Teil des Dauerbrenners geworden. Der Krimi erfüllt schon seinen Zweck, wenn man am Abend ein bisschen grübeln will. Mehr als das ist es nicht. Und so furchtbar es natürlich auch ist, welches Schicksal den Kindern von einst widerfahren ist: Es gibt so viele Krimis, die ebenfalls in einem solchen Umfeld spielen und bei denen die alten Wunden nie verheilt sind, dass das so nicht ausreicht, um sich in diesem überlaufenen Feld wirklich hervorzutun. Dafür ist das doch zu austauschbar geworden.
OT: „Marie Brand und die verlorenen Kinder“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Britta Keils
Drehbuch: Ingrid Kaltenegger, Mathias Klaschka
Musik: Florian Van Volxem, Sven Rossenbach
Kamera: Felix Striegel
Besetzung: Mariele Millowitsch, Hinnerk Schönemann, Thomas Heinze, Stephanie Kämmer, Christian Erdmann, Meira Durand, Bineta Hansen, Moritz Heidelbach, Nicole Johannhanwahr
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