
Als die Leiche von Karl Wintersperger aus den Schneemassen geborgen wird, ist der Schock groß. Schließlich steht das internationale Skirennen „Nightrace“ unmittelbar bevor. Da kommt der Mord an dem Cheftrainer des österreichischen Herrenskiteams eher ungelegen. Die Trauer hält sich hingegen in Grenzen. Weder sein Nachfolger Norbert Bachler (Marcus Mittermeier), noch sein Bruder Franz (David Rott) und dessen Frau Astrid (Martina Zinner) waren auf ihn gut zu sprechen. Selbst mit seinem Sohn Lukas (Christopher Schärf) und seinem Ziehsohn Mario Walch (Ferdinand Seebacher) gab es Streit. Da ist viel zu tun für Sandra Mohr (Miriam Stein), ihren Vorgesetzten Sascha Bergmann (Hary Prinz) vom LKA und den lokalen Postenkommandanten Herbert Völk (Johannes Zeiler), die gemeinsam nach der Wahrheit suchen …
Zweiter Teil aus der Steiermark
Während der Landkrimi – das österreichische Pendant zum Tatort oder Polizeiruf 110 – in der Heimat eine etablierte Marke ist, tut man sich damit hierzulande schwer. Das liegt zum einen an der willkürlichen Veröffentlichungsweise, wenn die einzelnen Teile auf verschiedenen Sendern ausgestrahlt werden und ohne den dazugehörigen Reihennamen. Zum anderen gibt es nur wenige wiederkehrende Teams, was den Wiedererkennungseffekt stark reduziert. Die große Ausnahme sind die Filme aus der Steiermark. Diese ist 2014 mit Steirerblut gestartet, zuletzt lief in Deutschland der zwölfte Teil Steirermord über eine Adelsfamilie unter Mordverdacht. Steirerkind war seinerzeit der zweite Film aus dieser Unterreihe rund um Mohr und Bergmann und war 2018 das erste Mal, dass es beim Landkrimi einen tatsächlichen Nachfolger gab.
Es ist dann auch das Duo, das als bestes Verkaufsargument dieser Filme dient. Vor allem Bergmann darf als mürrischer Ermittler immer wieder für Akzente sorgen. Mohr ist im direkten Vergleich weniger prägnant. Doch der Nebenstrang um sie und den One-Night-Stand mit dem Jüngling Daniel (Johannes Nussbaum), der sich als Sohn ihres Vorgesetzten herausstellt, sorgt ebenfalls für humorvolle Tupfer. Ansonsten ist Steirerkind eher weniger ergiebig, wenn es um die Figuren geht. Österreichische Krimis fallen gern mal durch etwas schrägere Gestalten auf. Hier gibt es hingegen nichts zu holen. Zwar hat man für die Besetzung der Verdächtigen reihenweise bekannter Gesichter gewonnen. Aber auch denen gelingt es nicht, den wenig ausgearbeiteten Charakteren eine wirkliche Persönlichkeit zu verleihen.
Klassisch und ambitionslos
Der Kriminalfall ist auch nicht interessanter ausgefallen. Dass man eine klassische Whodunit-Geschichte präsentiert, bei dem ein Stinkstiefel ermordet wurde, den niemand leiden konnte, ist für sich genommen schon nicht sonderlich einfallsreich. Aber auch bei den einzelnen Motiven und Verwicklungen gab man sich keine Mühe. Da geht es um Schulden und Bevormundung, persönliche Animosität und Konkurrenzkämpfe. Das übliche eben. Selbst die Auflösung ist in Steirerkind langweilig geworden, wenn sich herausstellt, wie der Mord abgelaufen ist. Denn das ist mal wieder völlig willkürlich. Wer gerne grübelt und komplexe Rätsel löst, ist hier deshalb an der falschen Adresse.
Das heißt nicht, dass der Film schlecht ist. Da gibt es das reizvolle Wintersetting rund um die anstehende Skimeisterschaft. Das Ensemble ist prinzipiell auch gut aufgelegt, innerhalb des vom Drehbuch vorgegebenen Rahmens. Nachvollziehbar ist der Krimi auch, selbst wenn man sagen muss, dass die Ermittlungen nicht wirklich raffiniert sind. Wenn eine banale Zufallsentdeckung die Lösung mit sich bringt, ist das nicht gerade Ausdruck höchster kriminologischer Kunst. Steirerkind ist in der Summe dann nicht mehr als zweckmäßig. Das funktioniert schon alles, wer einen klassischen Genrevertreter sehen will, wird bedient. Mehr als das darf man aber nicht erwarten, da blieb man doch unter den Möglichkeiten.
OT: „Steirerkind“
Land: Österreich
Jahr: 2018
Regie: Wolfgang Murnberger
Drehbuch: Wolfgang Murnberger, Maria Murnberger
Vorlage: Claudia Rossbacher
Musik: Roman Kariolou
Kamera: Peter von Haller
Besetzung: Miriam Stein, Hary Prinz, Johannes Zeiler, Marcus Mittermeier, Christopher Schärf, Ferdinand Seebacher, Johannes Nussbaum, David Rott, Jeremy Miliker, Anna Unterberger, Martina Zinner
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)













