
Der afroamerikanische Sergeant Rutledge (Woody Strode) wird des Mordes und der Vergewaltigung einer weißen Frau beschuldigt. Als Verteidiger beim Militärgericht wird ihm Lieutenant Cantrell (Jeffrey Hunter) zur Seite gestellt, der Rutledge als Soldaten schätzt und von seiner Unschuld überzeugt ist. Als Kronzeugin soll Mary Beecher (Constance Towers) aussagen, die in der Tatnacht längere Zeit in Rutledges Nähe war. Kurz nach ihrer Ankunft in der Gegend hatte Rutledge sie am Bahnhof abgefangen und vor einem möglichen Angriff der Apache gewarnt. Auch Mary kann sich nicht vorstellen, dass der Sergeant zu solchen Verbrechen fähig ist.
Cantrell muss sich jedoch nicht nur mit schwerwiegenden Indizien gegen seinen Mandanten auseinandersetzen, sondern auch mit tief verwurzelten Ressentiments aufgrund von Rutledges Hautfarbe. Schon bei den ersten Zeugenaussagen erkennt er, dass er vor allem den Rassismus und die Vorurteile im Gerichtssaal überwinden muss, um Rutledges Unschuld beweisen zu können.
Ein Mensch mit Haltung
Nur wenige Regisseure haben die erzählerische und ästhetische Palette des Westerngenres so nachhaltig geprägt wie John Ford (Zwei ritten zusammen). Das Heldenbild des Genres hat er gemeinsam mit Darstellern wie John Wayne definiert, wenn er Menschen zeigte, die für Prinzipien wie Recht und Ordnung einstehen, auch wenn sie selbst innerlich zerrissen sind. In seinem Spätwerk zeigt er diese Helden zudem im Konflikt mit einem System oder einer Gemeinschaft, die ihnen nicht selten feindselig begegnet.
Der schwarze Sergeant – in Deutschland auch bekannt unter dem Titel Mit einem Fuß in der Hölle – ist in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit, weil die Geschichte Themen wie Rassismus in den Vordergrund stellt und einen Afroamerikaner als eine der Hauptfiguren hat. Interessant ist dabei, dass Ford diese Thematik keineswegs als Selbstzweck betrachtet, sondern organisch in die Geschichte einflechtet, in der es um den Kampf von Menschen gegen ein oft indifferentes System geht.
Der Western – nicht nur die Filme John Fords – zeigt Menschen mit Haltung und Prinzipien. Fords Helden sind keineswegs Vertreter dieser Werte wegen des Tragens eines Sheriffsterns oder ein paar kerniger Sätze, sondern sie verkörpern diese in ihren Handlungen. Gier, Gewalt und Neid stehen ihnen gegenüber und haben teils auch bei ihnen selbst emotionale Spuren hinterlassen, sodass sie ihren Beitrag dazu leisten wollen, dass ihre Welt sich wieder vom Chaos entfernt.
In diesem Zusammenhang ist eine Figur wie Rutledge insofern eine Ausnahme, als dass ihn die Ressentiments seiner Umwelt an der Verteidigung der genannten Werte hindern. Bei seiner ersten Begegnung mit Mary Beecher besteht er auf Distanz zu ihr, da er weiß, dass eine „weiße Frau“ für ihn zwangsläufig Ärger nach sich zieht – eine selbsterfüllende Prophezeiung, wie sich im Laufe der Handlung zeigen wird. Strode verkörpert einen Helden, der auf der einen Seite jene Prinzipien lebt, aber zugleich von den ewigen Vorurteilen seiner Umwelt sowie der Erfahrung der Sklaverei emotional geprägt wurde. Interessant und erzählerisch clever ist, dass Fords Film dies mit nur wenigen Dialogen, Bildern und Andeutungen zeigt, die dem Zuschauer sehr viel über das Leben und die gesellschaftlichen Grenzen einer Figur wie Rutledge erklären.
Ein indifferentes System
Neben den bereits beschriebenen Prinzipien und Werten geht es bei Der schwarze Sergeant um die Suche nach der Wahrheit. Ford nutzt die Konventionen des Gerichtsdramas, um sukzessiv die Ereignisse um die schreckliche Tat, der Rutledge bezichtigt wird, zu rekapitulieren. Die Wahrheit ist jedoch keineswegs lückenlos, denn schon nach der ersten Zeugenbefragung tauchen Leerstellen auf, die über das Schicksal eines Menschen entscheiden können.
Fast noch interessanter als die Darstellung der Anwälte ist das Bild der Richter geraten, die mal mehr und mal weniger ernsthaft bei der Sache sind. Die eigene Ehefrau, die überraschend als Zeugin der Anklage geladen wird, oder gar das vermeintliche „Wasser“ des Richters scheinen mehr in den Fokus zu rücken als der Angeklagte. Im Finale kommt es dann zu einer besonders scharfsinnigen Einstellung, die hier nicht vorweggenommen werden soll, die jedoch betont, dass Fords Darstellung eines indifferenten Systems fast schon satirische Züge angenommen hat.
Dass Ford seinen Film weniger programmatisch versteht und dies wiederholt betont hat, verwundert nicht. Die Stellen, an denen Der schwarze Sergeant Themen wie beispielsweise das Erbe der Sklaverei aufgreift, sind alles andere als subtil geschrieben. Hier vermischt sich das dem Western eigene Pathos mit dem Trauma eines Menschen, der sein ganzes Leben damit verbrachte, gegen die Ressentiments gegenüber seiner Hautfarbe anzukämpfen. An gutem Willen mangelt es nicht, doch im Vergleich zu anderen Aspekten dieses Films fehlt es bei diesen Stellen an der nötigen erzählerischen Raffinesse.
OT: „Sergeant Rutledge“
Land: USA
Jahr: 1960
Regie: John Ford
Drehbuch: James Warner Bellah, Willis Goldbeck
Musik: Howard Jackson
Kamera: Bert Glennon
Besetzung: Woody Strode, Jeffrey Hunter, Billie Burke, Constance Towers, Juano Hernández, Willis Bouchey
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