
Für die Londoner Scotland-Yard-Beamtin Kate Linville (Peri Baumeister) bricht eine Welt zusammen, als ihr Vater Richard (Robert Pickavance) stirbt – umso mehr, da jemand den pensionierten Polizeichef gefoltert und ermordet hat. Wer könnte etwas derart Schreckliches getan haben? Und aus welchem Grund? Als Linville anreist, tut sie dies nicht nur, um die Beerdigung zu organisieren. Sie will zudem selbst in dem Fall ermitteln. Der örtliche Polizeichef Caleb Hale (Dirk Borchardt) ist davon wenig begeistert, verbittet sich die Einmischung durch die Großstadt-Polizistin. Dabei gibt es bereits einen Verdächtigen: Denis Shove (Daniel Sträßer), ein psychopathischer Gewalttäter, der Richard bei seiner Verurteilung gedroht hat. Denn der ist seit Kurzem wieder auf freiem Fuß …
Erster Auftritt der Polizistin
Seit 1999 werden inzwischen Krimis und Thriller für das deutsche Fernsehen produziert, die auf Romanen von Charlotte Link basieren. Nachdem die ersten Jahre das ZDF dafür verantwortlich war, sind die späteren bei der ARD entstanden. Auffällig bei letzteren Filmen ist, dass man gern mit ausländischen Settings arbeitet. So spielt Die Entscheidung in Frankreich und erzählt von einem Urlauber, der mit einer Zufallsbekanntschaft auf der Flucht vor Gangstern und der Polizei ist. Vor allem aber England steht auf dem Programm, wenn wir von den Fällen der britischen Polizistin Kate Linville erfahren. Inzwischen wird diese von Henny Reents verkörpert, zuletzt in Einsame Nacht. In Die Betrogene schlüpfte 2018 noch Peri Baumeister in die Rolle der Ermittlerin, die bislang in fünf Büchern unterwegs war.
Warum anschließend die Hauptdarstellerin ausgewechselt wurde, ist nicht bekannt. Richtig glücklich war der einzige Auftritt der Schauspielerin aber nicht. So bleibt ihre Version von Linville schon ziemlich blass, obwohl ja eigentlich eine emotionale Geschichte erzählt wird. Es gelingt Charlotte Link: Die Betrogene aber nicht, einem die Protagonistin näherzubringen. Bei den anderen Figuren sieht es nicht besser aus. Manche davon sind nervig, viele sind langweilig. Ein gutes Argument, sich den Film anzuschauen, findet sich in dieser Hinsicht so oder so nicht. Am ehesten bleibt noch Daniel Sträßer in Erinnerung, der in Rolle des Psychopathen aber auch das dankbarste Material bekommen hat. Und selbst dieses kommt über einen Stereotypen nicht hinaus.
Wenig interessant
Insgesamt ist der Film nicht übermäßig interessant geworden. Natürlich geht dieser schockierend los. Dass in Krimis Menschen getötet werden, ist zwar keine Seltenheit, das gehört bei dem Genre irgendwie dazu. Jemanden zu Tode zu foltern, ist aber noch einmal eine andere Hausnummer. Auch später ist Charlotte Link: Die Betrogene darum bemüht, das Publikum mit brenzligen Szenen zu fesseln. Zu dem Grund gibt es die besagte Figur des Psychopathen. Das ist zwar prinzipiell legitim. Nur weiß man mehr oder weniger, dass das nicht böse ausgehen wird. Außerdem wird er so sehr als Bösewicht präsentiert, dass klar ist: Er ist nicht der Mörder. Die Kunst bei solchen Geschichten ist eigentlich, mehrere Leute ungefähr gleich verdächtig erscheinen zu lassen, sodass es wirklich jeder bzw. jede sein könnte.
Die Auflösung selbst geht dabei in Ordnung. Man bringt an dieser Stelle eine gehörige Portion Tragik hinein, wenn wir erfahren, was wirklich hinter allem steckt. Wie so viele andere Geschichten der deutschen Autorin ist aber auch Charlotte Link: Die Betrogene ziemlich übertrieben. Man sollte hier erst gar nicht erwarten, dass das alles plausibel ist. Wer solche Ansprüche hat, wird mit dem Film eher weniger glücklich werden. Wen das hingegen bei den anderen Werken nicht stört, wird vermutlich auch hier kein Problem haben. Insgesamt ist der Krimi recht mäßig und gibt keine überzeugende Erklärung ab, warum diese Romane so erfolgreich sind und warum man diese ganzen Adaptionen braucht – zumal die Versuche, das deutsche Ensemble als englisch zu verkaufen, eher albern sind.
OT: „Charlotte Link: Die Betrogene“
Land: Deutschland
Jahr: 2018
Regie: Andreas Linke
Drehbuch: Stefan Wild
Vorlage: Charlotte Link
Musik: Chris Bremus
Kamera: Peter Nix
Besetzung: Peri Baumeister, Dirk Borchardt, Ceci Chuh, Julia Brendler, Hanna Hilsdorf, Daniel Sträßer, Ulrich Brandhoff
Amazon (DVD „Charlotte Link: Die Betrogene“)
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