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© Stanford Productions

Die Cowboys

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„Die Cowboys“ // Deutschland-Start: 27. Januar 1972 (Kino) // 28. Juni 2000 (DVD)

Inhalt / Kritik

Wil Andersen (John Wayne) ist Rancher und bereitet sich auf den alljährlichen Viehtrieb nach Belle Fourche vor. In diesem Jahr fällt es ihm jedoch schwer, die nötigen Helfer für das mühsame Unterfangen anzuheuern. Der Goldrausch ist für viele zu verlockend und verspricht schnellen Ruhm sowie Reichtum, sodass es Andersen nicht gelingt, geeignete Männer zu finden. Schließlich ist er so verzweifelt, dass er in der Dorfschule bei den Schülern anfragt, ob jemand Interesse hätte, ihn auf dem Viehtrieb zu begleiten und dabei etwas fürs Leben zu lernen. Entgegen seiner Erwartung finden sich am nächsten Morgen alle Jungen der Schulklasse auf seiner Farm ein, sodass Wil mit den Vorbereitungen für die beschwerliche Reise beginnen kann. Allerdings muss er den Schuljungen zunächst wichtige Lektionen beibringen, damit sie nicht nur arbeiten können, sondern auch den Widrigkeiten des Wilden Westens gewachsen sind. Unterstützung erhält er dabei vom Koch Jebediah (Roscoe Lee Browne), der sie auf dem Viehtrieb begleitet.

Die Wildnis und das Vieh sind jedoch nur einige der Herausforderungen, denen sich Wil, Jebediah und die Jungen stellen müssen. Eine Räuberbande, angeführt von Asa Watts (Bruce Dern), ist ihnen auf den Fersen und wartet nur darauf, sie um das kostbare Vieh zu erleichtern und es gewinnbringend zu verkaufen.

Legenden und ihr Erbe

Ursprünglich hatte Regisseur und Drehbuchautor Mark Rydell nicht vorgehabt, John Wayne für seinen Film Die Cowboys in der Rolle des Wil Andersen zu besetzen. Auch wenn sich das Genre in den 1960er-Jahren tonal und ästhetisch durch die Arbeiten Sergio Leones und Sam Peckinpahs verändert hatte, war Wayne dennoch eine Legende. Neben dem Respekt vor Waynes Status haderte Rydell zudem mit den politischen Ansichten des Schauspielers. Doch als dieser das Drehbuch gelesen hatte, war er laut Rydells Aussage Feuer und Flamme für das Projekt. Das verwundert nicht weiter, denn neben diversen Anspielungen auf den erwähnten Legendenstatus Waynes finden sich zahlreiche Verweise auf jene Werte und Prinzipien, die seiner politischen Linie entsprachen. Die Cowboys ist nämlich in erster Linie als eine Geschichte zu verstehen, in der die „alte Generation“ den Staffelstab an die Jüngeren abgibt und ihnen auf diesem Weg noch jene Tugenden vermittelt, welche die mythologische Grundlage des Western bilden.

In der Spätphase seiner Karriere waren die Projekte John Waynes geprägt von der Affirmation der Legende rund um seine Person und dem Spiel mit dieser. Eine Figur wie Wil Andersen verbindet vieles mit einem Charakter wie John Bernard Books aus Don Siegels Der letzte Scharfschütze. Beide wissen, dass ihre Zeit auf Erden sich dem Ende zuneigt, und sind zugleich umgeben von einem Ruf, der ihnen vorauseilt. Während Waynes Figur in Siegels Western versucht, mit seiner Vergangenheit als Revolverheld ins Reine zu kommen, ist Andersen gezeichnet von einem harten Leben voller Entbehrungen. Er ist einer, dem Respekt entgegengebracht wird, und einer, dessen wahre Schule erst mit dem ersten Viehtrieb begann, den er mit nur 13 Jahren zum ersten Mal begleitete, wie er an einer Stelle zu Beginn des Films bemerkt.

Ein Mann müsse in die Welt hinausgehen, um sich zu beweisen, wie er den zu ihm aufschauenden Schuljungen sagt, während er die Lektionen der Lehrerin von der Tafel wischt. Die Legende des Westernhelden ist bereits mehr als präsent und muss nicht mehr vermittelt werden – jetzt geht es um die Weitergabe wichtiger Lektionen an die nächste Generation junger Männer. Die Cowboys ist damit eine Coming-of-Age-Geschichte ebenso wie eine Art Indoktrination – die Schule des Wilden Westens eben.

Die Schule des Wilden Westens

Die Handlung von Die Cowboys umfasst folgerichtig zunächst die Lektionen, welche die Jungen lernen müssen, und schließlich deren Anwendung in der Praxis. Wayne spielt eine Art Mischung aus Mentor und Vaterfigur für die Jungen, denen er mit Zuckerbrot und Peitsche beibringt, was es heißt, ein Mann im Wilden Westen zu sein. Als er einen der Jungen dafür tadelt, dass dessen Stottern einem seiner Freunde fast das Leben gekostet hätte, lässt sich das Lob des Autoritären gut beobachten. Andersen provoziert den Jungen so lange, bis dieser weinend, aber glücklich deklariert, sein Stottern endlich überwunden zu haben. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte gibt es immer wieder solche Momente, die zum einen in der Vergangenheit Andersens begründet sind, zum anderen jedoch einen gewissen Beigeschmack haben. Die Quintessenz ist ein Akt der Gewalt, der die Reifung der Jungen bestätigt und als Gegenpol zu jener Art von Bildung gesehen werden kann, die sie ansonsten in der Schule erworben hätten.

Entsprechend der Idee der „harten“ Schule des Wilden Westens fällt auch die Ästhetik des Films aus. Kameramann Robert Surtees’ Bilder betonen Aspekte wie Freiheit und Unabhängigkeit, aber ebenso die Rauheit dieser Landschaft, die schnell zurückschlagen kann und keine Unachtsamkeit unbestraft lässt. Die Prärie – jene Ersatzmutter für Männer wie Andersen – wird romantisiert, ohne jedoch ihre wilde Seite zu kaschieren. Vielmehr scheint es so, als wäre gerade dieser Kontrast Teil jener Westernromantik, die man in vielen Filmen mit John Wayne beobachten kann.

Credits

OT: „The Cowboys“
Land: USA
Jahr: 1972
Regie: Mark Rydell
Drehbuch: Irving Ravetch, Harriet Frank Jr.
Musik: John Williams
Kamera: Robert Surtees
Besetzung: John Wayne, Bruce Dern, Colleen Dewhurst, A Martinez, Robert Carradine, Patrick Wayne, Roscoe Lee Browne, Slim Pickens

Bilder

Trailer

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Die Cowboys
fazit
„Die Cowboys“ ist eine Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte und Western. Mark Rydell spielt mit dem Legendenstatus seines Hauptdarstellers, wobei es vor allem um die Weitergabe dessen Werte an die nächste Generation geht. Technisch und erzählerisch ist das solide und stellenweise unterhaltsam, hat aber auch einen gewissen Beigeschmack – besonders, wenn es um Aspekte wie das Lob des Autoritären geht.
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