Inhalt / Kritik

The Handmaids Tale Die Geschichte der Dienerin

„The Handmaid’s Tale – Die Geschichte der Dienerin“ // Deutschland-Start: 15. Februar 1990 (Kino) // 28. August 2020 (DVD/Blu-ray)

Nach einer Zeit politischer und gesellschaftlicher Unruhen, die beinahe in einem Bürgerkrieg endeten, entstand aus den USA letztlich die Republik Gilead, ein tyrannisch geführter Staat, der jegliche Opposition brutal unterdrückt, dessen Politik in erster Linie auf dem Alten Testament aufbaut und insbesondere Frauen in den Dienst des Staates als reine „Gebärerinnen“ herabstuft und ihnen alle Rechte nimmt. Die ehemalige Bibliothekarin Kate (Natasha Richardson) versuch daher mit ihrem Mann und ihrer gemeinsamen Tochter aus Gilead zu fliehen, wird aber an der Grenze abgefangen und als eine jener Dienerinnen im Sinne des Staates indoktriniert. Letztlich landet sie im Haushalt des Kommandanten Fred (Robert Duvall), einem der führenden Militäroffiziere in Gilead, und seiner Frau Serena (Faye Dunaway), die Kate, welche von ihnen den Namen „Offred“ erhält, in erster Linie zum Zwecke der Fortpflanzung benötigen. Da aber Fred, wie sie bald erfährt, zeugungsunfähig ist, sieht Kate ihre Stellung in Gefahr, wurde doch ihren Vorgängern auch die alleinige Schuld an der ausbleibenden Schwangerschaft gegeben.

In ihrer Lage sieht es Kate als beste Strategie, eine gute Beziehung zum Kommandanten wie auch zu seiner Frau aufrechtzuerhalten, besonders da sie beide über Möglichkeiten verfügen, den Aufenthaltsort ihrer Tochter zu erfahren. Über den Chauffeur des Kommandanten, Nick (Aidan Quinn), hofft Kate auf eine Fluchtmöglichkeit, wobei sie sich bis zu diesem Zeitpunkt noch folgsam zeigen muss. Jedoch wird ihre Lage mit der Zeit unhaltbar und als sie an ihren Freundinnen sieht, wie es Dienerinnen ergeht, die ihre Aufgabe nicht erfüllen, will sie so schnell wie möglich handeln.

Unter keinem guten Stern

Im Laufe seiner Karriere, spätestens aber mit seiner Verfilmung von Günter Grass’ Roman Die Blechtrommel, hatte sich der deutsche Regisseur Volker Schlöndorff so etwas wie einen Ruf gemacht, wenn es um Literaturverfilmungen ging. So erklärt sich vielleicht auch, warum ihm die Verfilmung von Margaret Atwoods dystopischem Roman Der Report der Magd angeboten wurde, nachdem mit Karel Reisz der ursprüngliche Regisseur abgesprungen war. Trotz der Änderungen, die er am Skript des Dramatikers Harold Pinter mit dessen Genehmigung vornahm, wollte keine  Begeisterung für den Stoff aufkommen, weswegen Schlöndorff den Film als reine „Auftragsarbeit“ in Interviews bezeichnet. All diesen Aussagen zum Trotz ist Die Geschichte der Dienerin ein Film, der neben guten Schauspielern den Grundton von Atwoods Erzählung und deren Welt beibehält und damit durchaus besser ist als sein Ruf.

Auch wenn man es angesichts der erfolgreichen Serienadaption der Vorlage vielleicht nicht denken mag, ist die Adaption von Atwoods Roman durchaus eine nicht unerhebliche Herausforderung. Alleine schon die durchgängige Ich-Perspektive, was die Handlung wie eine Art Monolog werden lässt, ist nur eine der vielen Schwierigkeiten, wie Schauspielerin Natasha Richardson in Interviews zu Die Geschichte der Dienerin erklärte. Die Stärke hingegen liegt in der Art der Reduktion, welche bei einer solchen Verfilmung nicht ausbleibt und sich nicht nur auf die Beschaffenheit der Welt, in der die Handlung spielt, konzentriert, sondern auf die Isolation der Figuren. Selten werden Figuren, welche eigentlich zusammengehören, auch zusammen gezeigt, was nicht konträre Position ausdrückt. Jeder Charakter, egal, ob männlich oder weiblich, wirkt in der Inszenierung Schlöndorffs isoliert, bisweilen sehr einsam, was Rückschlüsse auf das Seelenleben von Menschen zulässt, welche nach einem Verhaltenskodex leben müssen, aber nicht so fühlen.

Alleine die Darstellung von Sexualität zeigt das wahre Ausmaß einer Dystopie. Mechanisch und schmerzvoll, noch zusätzlich verfremdet durch Kameraperspektive und Schnitt, erscheint der Liebesakt wie eine Prozedur, bar jeglicher Lust, Liebe und Gefühl. Die Sterilität der Welt, die klaren Prinzipien und deutliche Rollenverteilung separiert und entmenschlicht, und macht letztlich jeden gefügig, auch wenn sich Menschen wie Kate noch gegen die Ordnung wehren. Solche Szenen zeigen die Stärke dieser ersten Verfilmung des Stoffes, auch wenn man sich an einer oder anderen Stelle ruhig noch etwas mehr hätte trauen können.

Erschreckend nah

Über Erzählungen, die Zwischentitel am Anfang des Films sowie über Dialoge wird die Geschichte Gileads berichtet, einem Staat, dessen politische und soziale Ordnung uns heutzutage erschreckend sowie in einzelnen Facetten seltsam vertraut vorkommt. Trotz der Abstraktion, beispielsweise durch den Farbcode, welcher die Stellung einer Frau anzeigt, entstehen solche Moment der Nähe immer wieder in Die Geschichte der Dienerin, gerade vor dem Hintergrund der Geschlechterbilder und dem Umgang mit Andersdenkenden, der nicht umsonst Züge eines faschistischen Staates in sich trägt. In den Kostümen, den Kulissen sowie der Wahl der Perspektive zeigen sich solche Parallelen, was Schlöndorffs Film eine zeitlose Aktualität gibt.

Auch in diesem Punkt zeigt sich, wie bereits viele Kritiker dem Film vorwarfen, dass er sich viel zu wenig traut. Vielleicht mag Pinters ursprüngliches Drehbuch in vielen Aspekten schärfer, deutlicher oder mutiger gewesen sein, aber unabhängig, wo man nun ansetzt, sind es immer nur Ansätze, welche stimmen und interessant sind. Gelegentlich wird über die Darstellung der Schauspieler ein Punkt angedeutet, beispielsweise, wenn sich hinter der Fassade des strengen Kommandanten letztlich auch nur ein Mensch zeigt, der sich hilflos und aus Bequemlichkeit  hinter politischen Floskeln versteckt.

Credits

OT: „The Handmaid’s Tale“
Land: Deutschland, USA
Jahr: 1990
Regie: Volker Schlöndorff
Drehbuch: Harold Pinter
Vorlage: Margaret Atwood
Musik: Ryuichi Sakamoto
Kamera: Igor Luther
Besetzung: Natasha Richardson, Faye Dunaway, Robert Duvall, Aidan Quinn, Elizabeth McGovern

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The Handmaid’s Tale – Die Geschichte der Dienerin
"The Handmaid‘s Tale – Die Geschichte der Dienerin" ist eine Literaturverfilmung, die sich besonders wegen ihrer Darsteller lohnt. Mag Volker Schlöndorffs Film auch weit weg sein von jenem Desaster, was die zeitgenössischen Kritiker in dem Werk sahen, so bleibt er doch hinter seinen Möglichkeiten zurück und reizt das Potenzial seiner Vorlage nie wirklich voll aus.
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