Kritik

The Outsiders

„Die Outsider – Rebellen ohne Grund“ // Deutschland-Start: 16. Juni 1983 (Kino) // 20. September 2012 (DVD/Blu-ray)

Tulsa, Oklahoma, Mitte der 1960er: Zwei Gruppen Jugendlicher befinden sich im Dauerclinch. Auf der einen Seite sind die Greasers, eine Clique junger Männer aus der Arbeiterklasse. Ihnen gegenüber stehen die Socs, welche auf der anderen Seite der Stadt wohnen und von vermögenden Familien kommen. Als die Greasers Johnny (Ralph Macchio), Ponyboy (C. Thomas Howell) und Two-Bit (Emilio Estevez) eines Abends Freundinnen der Socs ansprechen, wollen die Rivalen das natürlich nicht auf sich beruhen lassen. Eine erste Konfrontation kann zwar noch entschärft werden, die Gruppen gehen nach hitzigen Diskussionen ihrer Wege. Doch kurze Zeit später kommt es zu einer zweiten Begegnung, welche das Leben aller für immer verändern wird …

Dass Filme mit Stars prahlen, um damit ein Publikum anzulocken und so die Taschen der Studios zu füllen, das ist nicht unbedingt ein neues Phänomen. Eigentlich hat man dies schon immer getan, seitdem es Filme und das Konzept der Stars gibt. Manchmal werden auch gleich mehrere Stars angeheuert, als Teil eines Ensemblewerks, damit man die Plakate auch richtig schön vollpflastern kann mit bekannten Namen. Im Fall von Die Outsider – Rebellen ohne Grund wäre ein einzelnes Plakat kaum ausreichend gewesen, wenn neben Estevez, Dillon und Macchio unter anderem Matt Dillon, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane und Tom Cruise auftreten. Das Verblüffende nur: Seinerzeit waren diese Schauspieler weitestgehend unbekannt. Während man einige Jahre später kaum mehr das Budget zusammenbekommen hätte, um all diese Leute gemeinsam vor die Kamera zu bugsieren, sah das 1983 noch anders aus.

Der Blick in die Vergangenheit
Der Film war auch durchaus erfolgreich, manch einer aus dem Cast macht durch Die Outsider – Rebellen ohne Grund einen Sprung nach oben. Tatsächlich ist das Jugenddrama aus heutiger Sicht aber eben in erster Linie für diesen unheimlichen Riecher für künftige Starpower berühmt. Inhaltlich hat es hingegen eher weniger Eindruck hinterlassen. Die Kritiken waren schon immer eher gemischter Natur gewesen. Ein Punkt, an dem sich viele nicht einig werden können: Hat Regisseur Francis Ford Coppola mit seiner Adaption von S. E. Hintons Jugendroman ein realistisches Werk oder ein verklärtes Werk gedreht? Sagt er wirklich etwas über das Leben von Jugendlichen aus oder nimmt er sich dessen nur an, aus einer Nostalgie für die eigene Jugend?

Maßgeblich zu dieser Unsicherheit trägt bei, dass Die Outsider – Rebellen ohne Grund schon damals kein zeitgenössischer Film war, sondern eine zwanzig Jahre zurückliegende Geschichte erzählte. Das bedeutet, dass Männer noch mit Haartollen durch die Gegend laufen und – zumindest in einer späteren Fassung des Films – Rock’n’Roll Musik gespielt wird. Der Konflikt zwischen arm und reich, den gab es in den 80ern natürlich ebenfalls noch. Tatsächlich ist es dieses Klassendenken, das dem Drama eine gewisse Zeitlosigkeit verleiht. Vieles von dem, was hier geschieht, hätte man sich in anderen Kontexten ebenso vorstellen können. Und doch ist das hier mit einer gewissen Nostalgie verbunden, einer Sehnsucht nach früher. Erzählt wird die Geschichte schließlich in einem Rückblick von Ponyboy, der seine Erfahrungen schildert. Oder besser: seine erinnerte Version der Erfahrungen.

Erinnerungen eines Jugendlichen
Daraus hätte man leicht einen Film über Erinnerungen und die Subjektivität des Erzählens machen können. Anstatt eines nüchtern-dokumentarischen Berichts über die Ereignisse, was bei der Thematik prinzipiell auch möglich gewesen wäre, geht es hier eben auch um jugendliches Empfinden, um den Versuch, die Welt da draußen irgendwie zu verinnerlichen und zu deuten. Teilweise geschieht das durchaus reflektiert, auch weil die Mitglieder der Greasers kein monolithischer Block sind. Da zeigen sich unterschiedliche Ansichten, etwa zur Männlichkeit oder dem Umgang mit Gefühlen. Auch die Frage, inwieweit man durch sein Umfeld geprägt ist, wird hier angesprochen: Die Outsider – Rebellen ohne Grund erzählt von einer Gemeinschaft, die sich durch die Umstände ergeben hat, nicht unbedingt durch eine Gemeinsamkeit von Meinungen und Weltsichten.

Schön wäre es natürlich gewesen, hier noch genauer hinzuschauen und zu versuchen, den Lebensalltag aufzuzeigen. Da sich ein Großteil des Films auf den Konflikt und die daraus entstandenen Folgen bezieht, ist das schon ein sehr spezifischer, bewusst gewählter Ausschnitt aus dem Leben der Jugendlichen. An vielen Stellen wirkt das auch recht künstlich, was einerseits zum Thema des Erinnerns passt, gleichzeitig irgendwie schade ist, da es sich mit der ansonsten interessanten Darstellung einer abgehängten Jugend beißt. Andererseits ist es eben dieser Widerspruch aus Authentizität und Verklärung, aus Alltag und Wunsch, welche den Film zu etwas Besonderen machen. Und natürlich die vielen Stars, die durch die Bank weg überzeugende Auftritte haben, trotz des damals fehlenden Namens.

Credits

OT: „The Outsiders“
Land: USA
Jahr: 1983
Regie: Francis Ford Coppola
Drehbuch: Kathleen Rowell
Vorlage: S. E. Hinton
Musik: Carmine Coppola
Kamera: Stephen H. Burum
Besetzung: C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane, Emilio Estevez, Tom Cruise, Leif Garrett

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Die Outsider – Rebellen ohne Grund
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Die Outsider – Rebellen ohne Grund
„Die Outsider – Rebellen ohne Grund“ ist heute in erster Linie als Zusammentreffen zahlreicher kommender Stars bekannt. Dabei ist das Jugenddrama um zwei rivalisierende Gruppen auch davon losgelöst sehenswert. Der Film ist dabei eine Mischung aus Authentizität und Künstlichkeit, aus Zeitlosigkeit und Nostalgie, wenn sich mehr an die Bedeutung einer Erfahrung erinnert wird als die Erfahrung an sich.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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