Kritik

The Wedding Year

„The Wedding Year“ // Deutschland-Start: 6. Februar 2020 (Amazon Prime Video)

Eigentlich ist Mara (Sarah Hyland) jemand, der sich gerne etwas Zeit lässt bei einer neuen Beziehung. Denn das mit der festen Bindung, das bereitet ihr so ihre Schwierigkeiten. Das gilt dann auch, als sie Jake (Tyler James Williams) kennenlernt. Der ist nett, witzig, sieht gut aus. Aber warum etwas überstürzen? Doch dann macht ihr das Schicksal einen Strich durch die Rechnung, denn wie es der Zufall so will, erhalten die beiden unzählige Einladungen zu Hochzeiten, auf denen sie nun zu zweit antanzen dürfen. Die Freude hält sich bei ihr doch ziemlich in Grenzen, zwingt es sie doch dazu, sich selbst mit dem Thema auseinandersetzen zu müssen …

Drum prüfe, wer sich ewig bindet. Eine Beziehung kann noch so schön und harmonisch sein, erst wer bestimmte Situationen zusammen durchgestanden hat, kann sich sicher sein, wie belastbar diese Liebe ist. Klassische Stresstests sind der erste gemeinsame Urlaub oder auch eine Wohnung, die man sich teilt – dauerhaft, nicht nur stundenweise. Aber auch Veranstaltungen, die man nun als Paar zu durchleben hat, können zu einer echten Prüfung werden. Siehe The Wedding Year, wo Mara und Jake gleich sieben Hochzeiten innerhalb eines Jahres überstehen müssen, bevor sie sich am Ende sicher sein dürfen.

Ein lebensnaher Dauerstress
Die Idee ist irgendwie ganz nett, zudem auch lebensnah genug, dass man sich damit identifizieren kann. Seinen neuen Partner bzw. die neue Partnerin Freunden und Verwandten vorzustellen, kann immer etwas komisch sein, umso mehr wenn dies im Rahmen einer solchen Massenveranstaltung stattfindet, wo Gefühle und Stress eng beisammen sind. Ein plausibles Szenario macht aber noch keinen Film, zumindest keinen guten. Eine Liebeskomödie sollte schließlich im Idealfall romantisch und unterhaltsam sein, damit man den beiden Hauptfiguren bis ans Ende folgt, im Idealfall bis zum Hochzeitsaltar.

Im Fall von The Wedding Year ist das jedoch nicht ganz so einfach. Dass es hier die Frau ist, die von Bindungsängsten geplant ist, das ist sicherlich eine annehmbare Abwandlung des üblichen Klischees, dass es der Mann sein muss, der Panikattacken bei der Vorstellung bekommt, wenn es mal ernster wird. Und auch der Einfall, dass ihre Vorbehalte auf traumatische Erfahrungen innerhalb der eigenen Familie zurückzuführen sind, lässt man sich gefallen. Die Prägung durch die eigenen Eltern ist schließlich etwas, das in den unterschiedlichsten Formen und Facetten geschehen kann, nicht aller davon sind wir uns zwangsläufig bewusst.

Ein Tag wie jeder andere
Während der Rahmen insgesamt also stimmt, fehlt es an dem Material, um diesen Rahmen auszuführen. Absolut unverständlich ist beispielsweise, wie wenig in die Hochzeiten investiert wurde. Natürlich sind sieben Stück schon eine ganze Menge, um sie im in der für Spielfilme üblichen Laufzeit abhandeln zu wollen. Dass da pro Veranstaltung wenig Zeit bleibt, ist klar. Es entwickelt sich in The Wedding Year aber so gar kein Gefühl dafür, wer hier wen warum heiratet, wer die Menschen sind, die durchs Bild rennen. Und das ist eigenartig, wenn die Hochzeiten und die jeweiligen Beziehungen doch auch als Vorlage dienen sollen, damit Mara und Jake ihre eigene definieren können. Statt den Hochzeiten hätte man sie aber auch in den Supermarkt oder ins Parkhaus schicken können, der Effekt wäre derselbe.

Wenn denn wenigsten das Paar selbst tatsächlich interessant wäre oder bei den Hochzeiten etwas Komisches passieren würde. Aber auch da geschieht viel zu wenig. Jake und Mara wachsen nie zu einer spannenden Einheit zusammen, die meisten Witze sind irgendwie verbraucht, es kommt viel zu selten vor, dass man hier tatsächlich auch mal einen Grund zum Lachen hat. Grund zum Ärgernis gibt es dafür ebenso wenig, die meiste Zeit über ist The Wedding Year einfach nur langweilig. Etwas, das man gut im Hintergrund laufen lassen kann, ein bisschen Fast Food fürs Herz, das allenfalls bei den betroffenen Figuren Spuren hinterlassen hat.

Credits

OT: „The Wedding Year“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Robert Luketic
Drehbuch: Donald Diego
Musik: Raney Shockne
Kamera: Tom Banks
Besetzung: Sarah Hyland, Tyler James Williams, Jenna Dewan, Matt Shively, Anna Camp

Trailer

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The Wedding Year
3.5 (70%) 2 Artikel bewerten

The Wedding Year
Ein frisches Paar muss sich innerhalb eines Jahres durch sieben Hochzeiten kämpfen und dabei herausfinden, was es eigentlich selbst will. Als Szenario ist das nicht verkehrt, „The Wedding Year“ macht aber nichts daraus. Die Hochzeiten selbst bleiben ohne Flair, Figuren und Witze hinterlassen keinen Eindruck – der Film ist weder sonderlich romantisch noch komisch.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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