„Jane“, USA, 2017
Regie: Brett Morgen; Drehbuch: Brett Morgen; Musik: Philip Glass

Jane

„Jane“ läuft ab 8. März 2018 im Kino

Mit ihrer Forschung und den daraus gewonnen Erkenntnissen über wildlebende Schimpansen fechtete die weltberühmte Primatologin, Anthropologin und Tierrechtsaktivistin Jane Goodall den von Männern dominierten, wissenschaftlichen Konsens ihrer Zeit an und revolutionierte unser Verständnis der Wildnis und der Natur. In den frühen 60ern bricht die junge Britin, die damals als Sekretärin für den Forscher Dr. Louis Leaky tätig war, ohne akademische oder wissenschaftliche Vorkenntnisse gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten in den Dschungel des Gombe Nationalparks in Tansania auf, um dort das Verhalten von Schimpansen zu studieren. Ihre einzige Qualifikation: die Liebe zu Tieren.

Großartige Bilder und musikalische Untermalung
Der preisgekrönte Dokumentar-Regisseur Brett Morgen (Cobain – Montage of Heck) hatte die Möglichkeit, auf über 100 Stunden nie zuvor gesehenes Filmmaterial zuzugreifen, das über 50 Jahre in den Archiven des National Geographic verstaubte. Obwohl dies direkt zu Beginn des Films festgehalten wird, sind die Aufnahmen so brillant und hochgradig ästhetisch, dass man kaum glauben kann, dass es sich nicht um ein Reenactment handelt, sondern um die Originalaufnahmen, die in den Jahren seit 1962 entstanden sind. Die junge Jane bezaubert, wenn sie durch das Dickicht des Regenwalds streift, mit dem Fernglas in Bäumen sitzt, und alles versucht, um einer Gruppe von Schimpansen näher zu kommen.

Hinter der Kamera stand damals der holländische Wildlife-Fotograf Hugo van Lawick, der zu Recht als einer der besten Kameramänner der Flora und Fauna aller Zeiten gilt. Ihm gelang es, das Leben und Verhalten der Schimpansenfamilie, die sich im Umkreis des Camps aufhielt, aus nächster Nähe in unglaublichen Aufnahmen festzuhalten und damit Janes Beobachtungen zu beweisen. Tatsächlich hatte er zu diesem Zeitpunkt jedoch ein anderes Lieblingsmotiv: die 26-jährige Jane, die er zwei Jahre nach seiner Ankunft in Tansania heiratete. Neben den umwerfenden Bildern, besticht außerdem die Filmmusik. Komponist Philip Glass, der für seine Mitarbeit an der Truman Show mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurde, untermalt die Szenen mit mal leisen, mal lauten Tönen, die die Neugier, den Antrieb und die Begeisterung der jungen Frau gebührend begleiten.

Unterhaltsam wie lehrreich
Der Inhalt von Janes Forschungen mag für viele Naturliebhaber zum Grundwissen gehören. Doch naturverbunden oder nicht, Jane überzeugt nicht nur durch die großartigen Bilder und den gut durchdachten Aufbau. Nicht zuletzt zielt das Genre des Dokumentarfilms auf die authentische Wiedergabe von Informationen. Die Erkenntnisse über die Verhaltensweisen der Affen sind für die heutige Zeit selbstverständlich, doch für den damaligen Stand eine bahnbrechende Entdeckung. Die junge Jane bewies viel Geduld, bis die Schimpansen sie akzeptierten, und sie entdeckte, dass diese Merkmale aufwiesen, die damals nur Menschen zugeschrieben wurden: soziale Strukturen, Ratio, der Gebrauch von Werkzeug zur Nahrungssuche, sowie Missgunst und Gewalt untereinander. Obwohl die Beobachtungen der Affen für den Zuschauer der Gegenwart vielleicht kaum Innovation bedeuten mögen, kann man von den umwerfenden Aufnahmen, z.B. wie Jane mit den jungen Schimpansen spielt, sie kitzelt oder von einer Affenmutter ihr neugeborenes Junges in den Arm gelegt bekommt, nur begeistert sein und zum Nachdenken über die Rolle des Menschen im Geflecht der natürlichen Ordnung angeregt werden.

Porträt einer unkonventionellen und revolutionären Forscherin
Während die Beobachtungen der Affen auf der zweiten Informationsebene liegen, dreht sich der wahre Inhalt des Dokumentarfilms um die außergewöhnliche Person ihrer Hauptdarstellerin. Die Jane der Gegenwart, inzwischen 83 Jahre alt, spricht erhaben über die Aufnahmen ihrer Vergangenheit und drückt dabei in jeder Silbe ihre Liebe zu den Affen und zu ihrer Mission aus. Sie erklärt, dass sie als junge Frau ein Mann sein wollte, um Sachen tun zu können, die Männer taten und Frauen eben nicht. Dazu gehörte, nach Afrika zu gehen und mit den Tieren zu leben.

Aufgrund ihrer Jugend, ihres Aussehens und vor allem ihres Daseins als Frau fiel es nicht leicht, in diesem Gebiet ernst genommen zu werden. Sie musste am eigenen Leib feststellen, dass sie für die Medien ein ebenso interessantes Subjekt war wie die Schimpansen. Wie viele andere Frauen der Wissenschaft musste sie tolerieren, selbst hinterfragt und studiert zu werden. Der Film porträtiert den Werdegang und die Persönlichkeit der Forscherin mit Liebe zum Detail und nuancierten Untertönen. Jane bewegt und steht als denkwürdiges Biopic Jane Goodalls – einer Frau, die immer wusste, was sie wollte, sich mit ihrer einzigartigen Art und ihrer Überzeugung durchsetzen konnte und deren eindrucksvolle Leistung dafür gesorgt hat, dass sie bis zum heutigen Tag eine der bekanntesten und beliebtesten Umweltaktivisten der Welt ist.

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Die bekannte Primatologin, Anthropologin und Tierrechtsaktivistin Jane Goodall hat Spuren auf unserer Welt hinterlassen, die in diesem Dokumentarfilm mit Feingefühl, einem eindrucksvollen Score und in großartigen Bildern gefeiert werden.
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