(„The Infiltrator“ directed by Brad Furman, 2016)

„The Infiltrator“ ist seit 9. Februar 2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich

Seit vielen Jahren schon arbeitet Robert Mazur (Bryan Cranston) als Agent der US-Drogenvollzugsbehörde Undercover, muss bei seinen zahlreichen Einsätzen immer wieder seine Identität wechseln. Einmal noch soll dies geschehen, zusammen mit seinem Agenten-Kollegen Emir Ebreu (John Leguizamo) heftet er sich an die Fersen von mächtigen Bankern, die im Drogengeschäft mitmischen. Die Tarnung ist perfekt, auch dank Kathy Ertz (Diane Kruger), die sich als seine Verlobte ausgibt. Und so kommt Mazur dem inneren Zirkel immer näher, er freundet sich dabei sogar mit Roberto Alcaino (Benjamin Bratt) an – der rechten Hand von Drogenboss Pablo Escobar –, was aber ganz neue Probleme mit sich bringt.

Bald zweieinhalb Jahrzehnte ist der kolumbianische Drogenbaron Escobar inzwischen schon nicht mehr am Leben. Die schillernde Gestalt, die in den 70ern und 80ern die USA an der Nase herumführte, ein luxuriöses wie brutales Terrorregime anführte, lädt aber noch immer dazu ein, aus dem Stoff große Geschichten zu basteln. Die bekannteste – und beste – Version der letzten Zeit dürfen wir in Narcos gleich im Serienformat bewundern, wo Aufstieg und Fall des berühmten Verbrechers detailgetreu aufgearbeitet werden.

Auch The Infiltrator nimmt sich der Thematik an, wenngleich der Fall hier etwas anders liegt. Denn eigentlich spielt Escobar hier keine große Rolle, lauert eher als dunkler Schatten. Eine Bedrohung, die irgendwo da draußen ist. Von der alles ausgeht, die selbst aber nicht in Erscheinung tritt. Stattdessen ist es Mazur bzw. dessen Alter Ego Bob Musella, um den sich alles dreht. Auch wenn der Film vordergründig davon handelt, wie der Agent und seine Kollegen Jagd auf die Verbrecher machen, ohne dass sie davon Wind bekommen, der interessantere Aspekt ist, was diese Jagd für Robert selbst bedeutet.

Spannend wird der Thriller dann, wenn zum einen die Tarnung aufzufliegen droht, zum anderen wenn Mazur sein reales und sein fiktives Leben unter einen Hut zu bringen versucht. Mit mal tragischen, mal geradezu schockierenden Ergebnissen, die moralisch doch recht herausfordernd sind. Mazu selbst ist es, der die Vorlage für den Film geliefert hat, The Infiltrator basiert auf der gleichnamigen Autobiografie. Und zu erzählen hatte er darin eine Menge. Zu viel sogar. Etwas mehr als zwei Stunden dauert der Streifen, was am Ende aber nicht genug ist, um den vielen Aspekten und Figuren gerecht zu werden, die hier eingebaut wurden.

Ein wirklich roter Faden ist hier dann auch weit und breit nicht zu sehen. Stattdessen besteht die US-Produktion aus vielen Einzelanekdoten, die sich nicht wirklich zu einer durchgängigen Geschichte zusammenfügen. Das ist natürlich auch dem schwierigen Rahmen geschuldet – der Inhalt von The Infiltrator erstreckt sich über fünf Jahre, vom ersten Einsatz bis hin zum spektakulären, leicht absurden Finale. Schade ist es aber schon, dass der Film kaum Zugkraft entwickelt, die Summe der Teile nie mehr wird. Denn für sich genommen sind die durchaus stark: Die Ausstattung im 80er-Jahre-Look überzeugt, die Besetzung ohnehin. Die auch aus Zeitgründen eher schablonenhaft angelegten Charaktere profitieren doch enorm durch die ihnen Leben einhauchenden Darsteller. Zu sehen gibt es da einiges, starke Momente hat Regisseur Brad Furman so manchen auf den Bildschirm gebracht. Am Ende bleibt aber trotz der insgesamt noch guten Unterhaltung das Gefühl, dass das alles eigentlich hätte packender sein müssen. Da insgesamt mehr in dem Stoff hätte stecken müssen.

The Infiltrator
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The Infiltrator
Ein Undercover-Agent jagt Drogenbanker, das ist Stoff für spannende Abendunterhaltung. Die bietet „The Infiltrator“ aber nur manchmal, die gelungenen Elemente und starken Einzelszenen sind in der Summe nicht ganz so packend, wie man es gern gehabt hätte.
7von 10

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