(„Exit Marrakech“ directed by Caroline Link, 2013)

Exit MarrakechMalerische Dünen, makellos, ohne Vegetation, ohne Menschen. Zuvor Marktszenen, die von geselligem Treiben und fröhlichem Geschnatter dominiert werden, verschlungene Gässchen durch die Hinterhöfe von Marrakech. Aber auch das karge, unverfälschte Leben der Bergdörfer wird gezeigt. Eins ist klar: Zehn Jahre nach ihrem großen Erfolg Nirgendwo in Afrika kehrt Oscargewinnerin Caroline Link zum Schwarzen Kontinent zurück und hat viele grandiose Bilder mitgebracht.

Eines ist aber ebenso klar: Als sie auf der Premiere verriet, sich vor Jahren in das Land verliebt zu haben und später erst über ein Drehbuch nachgedacht zu haben, war das genau so gemeint. In anderen Worten, die Handlung von Exit Marrakech ist nicht mehr als ein Afterthought, eine Gelegenheit, die tollen Landschaften von Marokko auf die große Leinwand zu bringen.

Im Mittelpunkt dieses Drehbuchs ist die verkorkste Beziehung zwischen Ben (Samuel Schneider) und seinem Vater Heinrich (Ulrich Tukur). Ben hat kürzlich sein Talent fürs Schreiben von Kurzgeschichten entdeckt, Heinrich ist ein gefeierter Theaterregisseur. Soviel künstlerisches Interesse sollte die beiden eigentlich einen. Eigentlich. In Wirklichkeit haben sie sich aber recht wenig zu sagen, was auch daran liegt, dass Heinrich seine Familie schon vor Jahren verlassen hat. Ben wiederum wurde in einem Internat untergebracht, denn seine Mutter ist Musikerin und damit ebenfalls nur selten zu Hause.Exit Marrakech Szene 1

Die Noten des Jungen sind gut, intelligent ist Ben also. Nur das mit dem Benehmen liegt dem fast 17-Jährigen nicht so, dafür langweilt ihn der Schulbetrieb einfach zu sehr. Abhilfe soll da ein Besuch bei seinem Vater schaffen, der gerade mit einer neuen Theateraufführung durch Marokko tourt. Ein bisschen Exotik und fremde Kultur sollen dem Teenager neue Erfahrungen bescheren. Nur ist Ben „ein bisschen“ nicht genug und entschließt sich, das Land auf eigene Faust zu erkunden. Nicht ganz unschuldig an dieser Entscheidung ist die hübsche Prostituierte Karima (Hafsia Herzi), in die sich Ben verliebt und der er ein besseres Leben ermöglichen will.

„Und manchmal ist die Realität doch besser als die Fantasie“, schreibt Ben seinem Vater per SMS, als er die erste Nacht bei der Familie von Farima verbringt. Doch die Frage, was Realität, was Fantasie ist, wird im Laufe des Films nicht wirklich thematisiert. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit Marokko, seiner Bevölkerung, seiner Kultur und auch seinen Problemen – davon ist hier nichts zu sehen. Vielmehr bietet Exit Marrakech schöne Fernwehromantik, in der es ausschließlich hilfsbereite, freundliche Bewohner gibt und in der reiche, ignorante Europäer sich immer noch wie Kolonialherren aufführen. Das ist zwar sicher nett gemeint und aufrichtiger Ausdruck von Links Liebe zu dem Land – Tiefsinn sieht aber anders aus.Exit Marrakech Szene 2

Das Gleiche gilt leider auch für die Vater-Sohn-Beziehung, die nicht unbedingt mit Originalität glänzt und stattdessen auf altbekannte Szenen und Konflikte setzt. Erst zum Ende hin, wenn Ben und Heinrich ihre Abwehrhaltung aufgeben und sich langsam annähern, gewinnen die Figuren an Kontur und wir dürfen einige warmherzige, schön ausgearbeitete Momente erleben. Das sind dann auch die Stellen, in den die Hauptdarsteller Ulrich Tukur und Samuel Schneider richtig glänzen dürfen. Schade nur, dass Link so lange wartet, ihnen die Gelegenheit dazu zu geben. Aber auch so bilden die beiden, zusammen mit den Bildern und der tollen Tonarbeit, die Glanzpunkte des Films.

Exit Marrakech läuft seit 24. Oktober im Kino

Exit Marrakech
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Exit Marrakech
Vater und Sohn, die sich nach Jahren der Entfremdung langsam wieder annähern, bietet immer wieder Stoff für berührende Szenen und intensive Dialoge. Leider nutzt Caroline Link dieses Potenzial aber kaum und beschränkt sich stattdessen auf Altbekanntes vor exotischer Kulisse. Da diese sehr schöne Bilder bereithält und auch die Schauspieler glänzen, darf man sich Exit Marrakech durchaus ansehen. Viel Tiefgang oder Originalität wird aber nicht geboten.
6von 10

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