(„The Ghost Writer“ directed by Roman Polanski, 2010)

Roman Polanski (Chinatown, Der Mieter) beweist einmal mehr, dass man keine groß verschachtelte und unendlich komplexe Story braucht um einen spannungsgeladenen Spielfilm zu drehen. Er serviert uns mit Der Ghostwriter einen geradlinigen und soliden Thriller mit gelungener Besetzung, den man allerdings nicht unbedingt wieder und wieder ansehen muss, die Erstsichtung erwies sich indes aber als äußerst tolles und spannendes Kino.

Wie es sich für einen echten Ghostwriter eben gehört, erfährt man auch im Film nie den wahren Namen der von Ewan McGregor durchwegs charismatisch gespielten Hauptfigur. McGregor soll nämlich auf einer abgelegenen Atlantikinsel die Memoiren des britischen Premiers, Adam Lang (Pierce Brosnan), nachdem sein Vorgänger Mike McAra tödlich verunglückt ist, fertigschreiben.

Es passt äußerst gut ins Gesamtbild des Politikers, dass die Erinnerungen des zu Hause verhassten und mittlerweile wegen Kriegsverbrechen angeklagten Ministerpräsidenten, ausgerechnet auf amerikanischen Boden festgehalten werden sollen. Lang gilt als das Schoßhündchen von Uncle Sam und soll illegale CIA-Flüge über den europäischen Flugraum ermöglicht haben. Die Parallelen der fiktiven Figuren zu den uns bekannten Persönlichkeiten sind also nur schwer übersehbar, eine wirklich starke Kritik an diese Tatsachen übt Polanski in meinen Augen allerdings nicht, vielmehr wird das Ganze mit einem Augenzwinkern betrachtet.

Während der Ghost nun also das Manuskript von Lang überarbeitet und druckreif macht, toben in England harsche Proteste gegen die Regierung was den Premier natürlich unruhig macht und zunehmend zerstreut wirken lässt. Sein früherer, politischer Konkurrent und nunmehriger UN-Ankläger Richard Rycart (Robert Pugh) kommt seinen dunkelsten Geheimnissen scheinbar mehr und mehr auf die Schliche, doch das evidenteste Beweismittel hält letztendlich der Ghost in seinen Händen.

Die Romanadaption von Robert Harris’ Politthriller Ghost hält den Zuschauer über die gesamte Laufzeit bei der Stange. Man wird hier kaum in die Irre geführt, steht doch von Anfang an fest dass Lang irgendwie Dreck am Stecken haben muss und doch eifert man bis ans Ende mit McGregor mit und möchte endlich das gesamte Puzzle erkennen. Das Drehbuch mischt die politische Thematik geschickt mit einer nervenaufreibenden aber nie übertriebenen und somit äußerst glaubwürdigen Verschwörung.

Brosnan und McGregor, beides waschechte Briten, spielen ihre jeweiligen Rollen sehr gut und werden von einer rätselhaften und eiskalt kalkulierenden Olivia Williams flankiert, die hier die Frau des Premiers spielt. Für den extrem übergewichtigen James Belushi reichte es hier leider nur für eine Rolle als geldgeiler Verleger, es war trotzdem schön ihn mal wieder irgendwo zu sehen.

Auch handwerklich weiß Der Ghostwriter zu gefallen. Die Insellandschaft wurde mit seinen skurrilen Bewohnern genauso schön wie unheimlich eingefangen, jede Montage wirkt sauber und mit einem gewissen Hang zum Perfektionismus. Die schöne Musik von Alexandre Desplat fällt immer dann auf, wenn die Spannung steigt, ansonsten hält sie sich angenehm im Hinterhalt zurück und rundet das Ganze hervorragend ab.

Kurz gesagt, Polanski offeriert mit seinem letzten Streich einen Film ohne viel Ecken und Kanten, bei dem allerdings ein bisschen der Wiederentdeckungseffekt fehlt, weshalb man hier wohl auch mit einer Leih-Version zufrieden sein wird.

Der Ghostwriter
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