Kommentare zu: Die Fremde https://www.film-rezensionen.de/2010/09/die-fremde/ Popcornkino und Independent Sun, 08 Mar 2015 11:01:23 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 Von: Parker https://www.film-rezensionen.de/2010/09/die-fremde/comment-page-1/#comment-8353 Fri, 10 Sep 2010 21:21:28 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=6176#comment-8353 Warum es geht ist ob der Blick auf die „Mikroebene“ die du genannt hast ausreichend ist um das Problem zu verstehen. Wenn man die Scheuklappen der political correctness ablegt, dann sieht man das seit Jahren UNTER DEN MUSLIMEN über die Reformierbarkeit des Islams debattiert wird. Der Film ist doch nur eine Draufgabe. Dabei geht es nicht um Koranverbrennungen, Minarettstreit um 911 sondern es geht um das Religös-Kulturelle System das du in deiner Rezension ansprichst. Im Westen gibt es diese Debatte in den islamischen Ländern nicht, weil sie unterdrückt wird.

Nur um beim Thema Frauen zu bleiben, hier ein Beispiel (beides öffentliche Fernsehsendungen):

Europa

Saudi Arabien

Meiner Meinung nach muss man das Problem auf der Makroebene sehen. Es gibt eine Debatte ob sich ein Euro-Islam etablieren wird oder nicht. Auf die islamische Welt macht diese Debatte aber wenig Eindruck, weil die Machtverhältnisse (politisch-rechtlich) einzementiert sind. Die selben Machtstrukturen existieren aber auch im Westen (wovon der Fim erzählt), nur eben auf Mikroebene (kulturell einzementiert). Meiner Meinung nach liegt es in unserer Verantwortung die Debatte ernst zu nehmen und uns mit den Problemen zu konfrontieren. Einfach zu sagen: „Ist traurig, aber es geht da nur um ein paar türkische Famlien und da können wir uns eh nicht einmischen.“ ist der falsche Weg.

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Von: Candide https://www.film-rezensionen.de/2010/09/die-fremde/comment-page-1/#comment-8354 Fri, 10 Sep 2010 21:08:48 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=6176#comment-8354 Entschuldige wenn ich jetzt nicht näher auf Dein langes Kommentar eingehe, nur kurz zur letzten Aussage:
“Ist traurig, aber es geht da nur um ein paar türkische Famlien und da können wir uns eh nicht einmischen.”

Darum geht es doch überhaupt nicht! Ich verstehe nicht warum Du eine solche Diskussion überhaupt losbrichst obwohl Du den Film nicht gesehen hast.
Ich glaube es ist auch gar nicht die Aufgabe eines SPIELFILMS eine solche Tiefe wie Du sie forderst zu erreichen. Er kann höchstens als Anstoß dienen damit sich Leute mit einem spezifischen Thema näher befassen oder wenn Du willst als ein wachrütteln der Schlafenden gesehen werden, genauso wie eben auch andere Kunstformen versuchen.

Hätte man das Ganze auf der Makroebene betrachtet hätte der Film nicht funktionieren können, sondern wäre wohl eher ins dokumentarische abgedriftet, was natürlich auch interessant wäre aber hier einfach nie geplant war. Gerade deshalb finde ich es auch wichtig, dass nicht verallgemeinert und damit neue Feindbilder geschaffen werden sondern man sich auf die eine Familie mit ganz spezifischen Figuren konzentriert, dabei aber durchaus verdeutlicht, dass die Probleme breit gesät sind.

Ich denke sobald Du den Film gesehen hast sprechen wir weniger aneinander vorbei.

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Von: Candide https://www.film-rezensionen.de/2010/09/die-fremde/comment-page-1/#comment-8352 Fri, 10 Sep 2010 17:58:09 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=6176#comment-8352 Zwischen einer Hasstirade und “Alles muss toleriert werden” ist ein sehr breites Spektrum

Na klar, aber worüber diskutieren wir hier eigentlich genau?
Der Film ist keine Sekunde lang tolerant gegenüber den angesprochenen Themen aber eben auch kein Aufruf den Koran zu verbrennen (um dieser Debatte mal ganz was Aktuelles zu verpassen).
Also nochmal: Die Fremde spielt nicht mit Vorurteilen macht aber keinen Hehl daraus wie die Autorin darüber denkt. Es bleibt dazwischen aber noch genug Freiraum um sich eigene Gedanken zu machen, egal ob man nun eine radikale Anti-Einstellung hat oder „nur“ Abscheu für gewisse kulturelle Riten und Sitten hat.

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Von: Parker https://www.film-rezensionen.de/2010/09/die-fremde/comment-page-1/#comment-8351 Fri, 10 Sep 2010 17:47:53 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=6176#comment-8351 Ich muss mir den Film definitiv mal ansehn um mitreden zu können.

Mein Punkt ist der: Zwischen einer Hasstirade und „Alles muss toleriert werden“ ist ein sehr breites Spektrum. In jeder Kultur gibt es Zwänge die man meiner Meinung nach nicht tolerieren muss. Z.b. die Wittwenverbrennung im Hinduismus: Stirbt der Mann einer verheirateten Frau muss sie verbrannt werden. Oder sie weigert sich und muss in ein Wittwenexil flüchten, da sie in ihrer Community als eine „Unberührbare“ gilt. Das ist für mich nichts, das toleriert werden muss.
Im (sunnitischen) Islam gibt es vieles das danach schreit kritisiert zu werden, nicht nur was Frauenrechte betrifft.

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Von: Candide https://www.film-rezensionen.de/2010/09/die-fremde/comment-page-1/#comment-8349 Fri, 10 Sep 2010 16:35:22 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=6176#comment-8349 Stimmt! Wie konnte ich Gegen die Wand nur vergessen? Vielen Dank für die Ergänzung.

Political Correctness:
Das sag ich so doch gar nicht, sondern hebe nur hervor, dass sie geschickt Vorurteile vermeidet, was ich durchaus POSITIV finde. Sie zeigt die Menschen wie sie sind ohne zur Verallgemeinern, wozu auch, dazu gibt es genügend andere Leute die das machen.

Zum einen gibt es im Film wenn man so will Fanatiker wie Kemal zum anderen aber auch Leute wie Umay die sich radikal losreißen. Irgendwo dazwischen angesiedelt ist dann der Großteil ihrer Familie, der sich aus verschiedenen Gründen (Angst, Respekt, Glauben, Faulheit/Bequemlichkeit (?) ) einfach den Zwängen starrer Familienhierarchien unterwirft.

Wenn ich schreibe man hat nicht das Gefühl Aladağ verurteile keine Religion oder Kultur dann meine ich damit, dass sie sich zu keiner Hasstirade hinreißen lässt, sondern ihre Figuren wohl eher als fehlgeleitet oder zumindest verwirrt zeichnet. An keiner Stelle im Film werden Ehrenmorde und/oder Familienzwang relativiert!

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Von: Parker https://www.film-rezensionen.de/2010/09/die-fremde/comment-page-1/#comment-8340 Fri, 10 Sep 2010 07:00:44 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=6176#comment-8340 Sibel Kekilli ist durch „Gegen die Wand“ von Fatih Akin berümt geworden. Sie ist prädestiniert für die Rolle der rebellischen Ausreißerin. Im ihrem echten Leben hat sie um unabhängig zu sein, ihr erstes Geld mit Pornofilmen verdient. Als ihre Eltern davon erfahren haben, haben sie jeden Kontakt zu ihr abgebrochen.

@candide: Political Correctness in der Sache halte ich für nicht sinnvoll. Du sagst ja selbst das die Akteure des Films wirken als ob sie Gefangene eines Systems wären. Was sonst sollte dieses System sein wenn nicht kulurell-religiös bedingt? In Staaten wo die Sharia herrscht ist es sogar politisch-rechtlich bedingt. Frauen haben keine Rechte und dürfen sich nicht mal wehren (siehe Steinigungen von Frauen wegen Ehebruch weil sie vergewaltigt wurden!!!). In der aktuellen Debatte um eine Hinrichtung im Iran wurde nur eingelenkt weil aussenpolitischer Druck durch die Türkei und Brasilien da war (Sakineh Mohammadi-Ashtianis). Andere Frauen haben weniger Glück.
Wir dürfen unser westlich-individualistisches Denken nicht auf andere Kulturen übertragen. In den meisten Gesellschaften, natürlich auch in islamisch-geprägten, zählt die Meinung des Einzelnen nichts sondern nur die der Familie. Man hat sich dem Willen der Famlie zu beugen, ansonsten wird man verstoßen.

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Von: Ijon Tichy https://www.film-rezensionen.de/2010/09/die-fremde/comment-page-1/#comment-8331 Thu, 09 Sep 2010 21:14:14 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=6176#comment-8331 Klingt ja höchst interessant 😉
Sibel Kekilli ist mir persönlich zum ersten Mal bei „Winterreise“, den ich hier ja auch besprochen habe, begegnet. Dort hat sich schon abgezeichnet, das da wohl ein Talent schlummert.

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