Kommentare zu: Martin liest den Koran https://www.film-rezensionen.de/2024/11/martin-liest-den-koran/ Popcornkino und Independent Thu, 11 Dec 2025 21:51:52 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 Von: Oliver Armknecht https://www.film-rezensionen.de/2024/11/martin-liest-den-koran/comment-page-1/#comment-1480061 Thu, 12 Jun 2025 16:19:36 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=315737#comment-1480061 Als Antwort auf Mark Monheim.

Wenn Gott überall ist, muss er den Blick nicht schweifen lassen. Das ist genauso idiotisch wie Soderbergh in „Presence“, wo er einen Geist die Treppe hochlaufen lässt. Sorry, aber das ist einfach nicht durchdacht. Da wurde umständlich der Film überfrachtet, anstatt sich auf das Relevante zu konzentrieren.

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Von: Mark Monheim https://www.film-rezensionen.de/2024/11/martin-liest-den-koran/comment-page-1/#comment-1479988 Thu, 12 Jun 2025 12:45:10 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=315737#comment-1479988 Nachtrag: Übrigens finde ich, dass ein wenig mehr theologische Auseinandersetzung à la Tukur/Demirov dem oscarprämierten «KONKLAVE» durchaus gut getan hätte – den ich insgesamt zwar sehr gelungen, aber im eigentlichen Kern (Was will der heilige Geist/Wie zeigt sich Gottes Wille?) leider etwas dünn fand.

Beste Grüße aus dem Zug zum 35. Internationalen Filmfestival Emden Norderney 😉

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Von: Mark Monheim https://www.film-rezensionen.de/2024/11/martin-liest-den-koran/comment-page-1/#comment-1479927 Thu, 12 Jun 2025 09:06:57 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=315737#comment-1479927 Weil Gott überall ist?

Dass die autonome Kamera die Anwesenheit eines höheres Wesens symbolisieren könnte, ist bei einem Film, der fundamentale theologische und moralische Fragen behandelt, auch kein sonderlich abwegiger Gedanke, oder?

So schreibt beispielsweise Jens Balkenborg (epd Film): „Sie sorgt gleich ab Minute eins für ein Unbehagen, diese verrückte, sich autonom bewegende Kamera (Arsenij Gusev). Manchmal schleicht sie durch die Räume, manchmal blickt sie mit Weitwinkelperspektiven gleich einer Überwachsungskamera aus den Ecken, zwischendurch zeigt sie Handlungsmöglichkeiten, die die Figuren haben, aber nicht einlösen werden. Und dann wieder lugt sie auf die Ereignisse, als wäre sie selbst ein Wesen, ob ein unsichtbares menschliches oder etwas Höheres, bleibt ein Geheimnis von Jurijs Saules »MARTIN LIEST DEN KORAN«.“

Dass auch die Vorgeschichte des Bombenlegers ziemlich komplex ist, fasst Reinhard Kleber (Kino-Zeit) zusammen: „In den Vorlesungen Neuweisers saß zwei Semester auch der Muslim Fahid Amrosi (Prince Chugtai), der in der Berliner U-Bahn vor einem Jahr eine Bombe zündete, die 14 Menschen mit in den Tod riss. Zu den Opfern gehört auch Martins sechsjährige Tochter Jannetta (Alissia Krupsky). Seitdem studiert der Familienvater auf der Suche nach Antworten den Koran. Nun gibt er dem Dozenten eine Mitschuld an Fahids Tat: „Er hat nur das getan, was im Koran steht. Sie haben es ihm beigebracht.“ Neuweiser weist diese Beschuldigung entschieden zurück.“

Und:

„Zudem jonglieren die beiden Filmemacher gelegentlich mit verschiedenen Zeitebenen. Und sie bauen Imaginationen und Rache- und Tötungsfantasien, die teils zu krassen Gewaltspitzen greifen, in die Inszenierung ein, sodass sich zeitweise die Grenzen zwischen Realität und Vision verwischen.“

Hier verläuft in meinen Augen ein extrem spannender, schmaler Grat zwischen religiöser Sinnsuche und psychischer Erkrankung, die sich in Zwangsgedanken, traumatischen Erinnerungen und Rachegelüsten äußert. Offenbar ist Martins Plan ja die Moschee in die Luft zu jagen, die der U-Bahn-Attentäter Fahid besuchte…

Dass die Kameraarbeit viele theologische und psychologische Interpretationsmöglichkeiten zulässt, hätte ich zumindest erwähnenswert gefunden, statt sie einfach nur als eitle Spielerei abzutun. Ob das Konzept aufgeht, ist eine andere Frage…

Für einen Erstlingsfilm fand ich »MARTIN LIEST DEN KORAN«.“ jedenfalls gedanklich und konzeptionell sehr reif und vielschichtig. Eine Verknappung auf 90 Minuten hätte dem Film nicht geschadet, aber das ist ja ein weitverbreitetes Problem…

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Von: Oliver Armknecht https://www.film-rezensionen.de/2024/11/martin-liest-den-koran/comment-page-1/#comment-1479642 Wed, 11 Jun 2025 17:53:44 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=315737#comment-1479642 Als Antwort auf Mark Monheim.

Und warum sollte Gott den Blick schweifen lassen?

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Von: Mark Monheim https://www.film-rezensionen.de/2024/11/martin-liest-den-koran/comment-page-1/#comment-1479610 Wed, 11 Jun 2025 16:10:26 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=315737#comment-1479610 „Nervig ist dabei die wild umherirrende Kamera. Das soll wohl Spannung erzeugen, wirkt aber eher so, als wäre da eine dritte Person bei der Diskussion anwesend, die sich tierisch langweilt und deshalb ständig den Blick schweifen lässt.“

Auf die Interpretation, dass Gott höchstpersönlich einige Szenen mit seiner Anwesenheit ehrt, ist der Autor wohl nicht gekommen?

Ich fand die Kameraarbeit herausragend. Auch die Schlusseinstellung in der sich das Bild auf den Kopf dreht und dennoch seine Symmetrie behält, als letzter visueller Verweis auf die Ambiguität alles Seins…

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