Kommentare zu: La Chimera https://www.film-rezensionen.de/2024/04/la-chimera/ Popcornkino und Independent Thu, 12 Sep 2024 10:36:27 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 Von: Peter Alt https://www.film-rezensionen.de/2024/04/la-chimera/comment-page-1/#comment-1380006 Tue, 20 Aug 2024 05:05:18 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=294807#comment-1380006 Fünf mal habe ich den Film gesehen – und immer Neues entdeckt. Alice hat sehr viel Symbolik reingepackt, auch Spirituelles, mal als Scherz verkleidet, aber eigentlich tiefgründig und ernst. Denn Arthur ist ernst, gejagt, wütend, in einem Schicksal verhaftet, mit dem er hadert und das ihn letztlich einholt. Für mich ist er gar kein an schnellem Reichtum interessierter Grabräuber, sondern ein Gefangener. Der wörtlich rote Faden, der zwischendurch wieder in winzigen Szenen auftaucht, begleitet ihn von Anfang an und führt ihn letztlich zurück zu seiner verlorenen Liebe, die schon im Jenseits auf ihn wartet. Für mich ist das der Hauptstrang der Geschichte, das andere Kulisse.

Aber eben auch diese Kulisse hat es spirituell in sich! Alice hat beides sehr vielschichtig miteinander verwoben. Die Etrusker waren ein hochgeistiges Volk, das Heilige des Totenkults war Normalität – im Gegensatz zu den 80iger Jahren, als die Tombaroli und die Profanierung des Heiligen Hochkonjunktur hatten. Respekt vor Gräbern ist diesen einfachen Burschen fremd, in völliger Ignoranz jagen sie einem vermeintlichen Reichtum nach, um aus ihrer (wenn auch bunten) Armut zu entfliehen. Dann kommt der große Markt, aus einer folkloristisch-„unschuldigen“ Räuberei wird das große Geschäft einer winzigen Elite. Und damit eine nochmalige finale Profanation. Das ist der soziologisch-politische Strang der Geschichte, Alices gar nicht so versteckte Abrechnung mit dem ungebremsten Materialismus dieser Epoche.

Anderen soll überlassen sein, über ihre cineastische Kunst zu schreiben, mich hat die ungeheuere Authentizität beeindruckt, das Leidenschaftliche, die Echtheit der Laienschauspieler, die Einfachheit der Mittel, und dass man bei der Realisierung eines so komplexen und tiefen Themas auf dem Set auch Freude mitbringen und austeilen kann. Wenn man alle Schattierungen des Films verstehen will, muss oft und genau hinsehen – und wird immer aufs Neue fündig werden.

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