Kommentare zu: Tatort: Vergebung https://www.film-rezensionen.de/2023/11/tatort-vergebung/ Popcornkino und Independent Fri, 15 Dec 2023 03:57:33 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 Von: Holger Schoppmeier https://www.film-rezensionen.de/2023/11/tatort-vergebung/comment-page-1/#comment-1277743 Fri, 15 Dec 2023 03:57:33 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=278423#comment-1277743 Als literarischer Exkurs zur Fluss-Metapher (Lethe ist in der griechischen Mythologie einer der Flüsse der Unterwelt und für das Vergessen zuständig, daher sind alle Erinnerungen verloren, sobald man daraus trinkt) hier das vollständige, im Tatort „Vergebung“ leider nur in wenigen Auszügen zitierte Originalgedicht:

Lethe (1860)

Jüngst im Traume sah ich auf den Fluten
Einen Nachen ohne Ruder ziehn,
Strom und Himmel stand in matten Gluten
Wie bei Tages Nahen oder Fliehn.

Sassen Knaben drin mit Lotoskränzen,
Mädchen beugten über Bord sich schlank,
Kreisend durch die Reihe sah ich glänzen
Eine Schale, draus ein jedes trank.

Jetzt erscholl ein Lied voll süsser Wehmut,
Das die Schar der Kranzgenossen sang –
Ich erkannte deines Nackens Demut,
Deine Stimme, die den Chor durchdrang.

In die Welle taucht ich. Bis zum Marke
Schaudert ich, wie seltsam kühl sie war.
Ich erreicht‘ die leise ziehnde Barke,
Drängte mich in die geweihte Schar.

Und die Reihe war an dir zu trinken,
Und die volle Schale hobest du,
Sprachst zu mir mit trautem Augenwinken:
»Herz, ich trinke dir Vergessen zu!«

Dir entriss in trotzgem Liebesdrange
Ich die Schale, warf sie in die Flut,
Sie versank, und siehe, deine Wange
Färbte sich mit einem Schein von Blut.

Flehend küsst ich dich in wildem Harme,
Die den bleichen Mund mir willig bot,
Da zerrannst du lächelnd mir im Arme
Und ich wusst es wieder – du bist tot.

Conrad Ferdinand Meyer (11.10.1825 – 28.11.1898)

Ich fand diese 1250.Episode der TO-Reihe allein schon wegen der für einen Tatort teilweise poetischen Stimmung außergewöhnlich – und durch die Verknüpfung zum aktuellen Verbrechen auch spannend zum Schluss wegen der (üblichen) Frage nach dem Täter und dessen Motiv. Hans Lentowski (Paul Faßnacht) hatte Mathias Döbele und Daniel Vogt eben den absolut tragischen Unfalltod seines Sohnes nicht vergeben …

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