Kommentare zu: Entführt – 14 Tage Überleben https://www.film-rezensionen.de/2023/09/entfuehrt-14-tage-ueberleben/ Popcornkino und Independent Sun, 01 Oct 2023 21:35:44 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 Von: Baki https://www.film-rezensionen.de/2023/09/entfuehrt-14-tage-ueberleben/comment-page-1/#comment-1262997 Sun, 01 Oct 2023 21:35:44 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=270636#comment-1262997 Der Film ist ein Kunstwerk, das auf der emotionalen Ebene eine Eindringlichkeit erzeugt, die Zuschauer durch Mark und Bein gehen kann. In existenzieller Sicht geht es zunächst um die Auseinandersetzung eines Kindes mit dem eigenen Tod – oder schlimmer: mit der realistischen Aussicht auf ein tagelanges Siechtum als Zurückgelassener, bis das Ableben durch Verdursten eintritt. Das klingt so schlimm, wie es war, und Johannes beschrieb diese Situation später in der Weise, dass Worte die Abgründigkeit seines Empfindens in den letzten Tagen der Entführung nicht annähernd beschreiben könnten. So etwas muss man erlebt haben, dieses Gefühl können nur Überlebende vermitteln. Der Spannungsbogen während des 14-tägigen Martyriums war ohnehin von einer äußerst speziellen Qualität.

Doch im Film werden weitere Aspekte behandelt. Nach der Freilassung hätte es ein Happy End werden können. Doch die Familie war in Ungnade gefallen, und vielen Personen gefiel es damals nicht, dass das „Opfer“ wieder aufsteht. Sie hatten die Macht, es zu verhindern. An dieser Stelle beginnt die unrühmliche Rolle der Polizei unter Leitung von OHK Mertens, die nicht nur jede Empathie und jeden Opferschutz vermissen ließ, sondern auch offen feindselig und schikanös gegenüber dem von der Entführung Betroffenen war.

Die „Begrüßung“ des Heimgekehrten von der Polizei hatte etwas von Golgatha an sich, das erneute und mehrmalige (!) Einsperren in die Kiste löste erneut das erlittene Trauma aus und das Verhör von Mertens vor anderen „hohen Tieren“ der Polizei hatte jedes Potenzial, den tapferen Jungen noch tiefer in den Abgrund zu stürzen. Johannes hat diese Szene in der Serie und im Podcast äußerst bewegend geschildert. Es war noch schlimmer, als im Film dargestellt, und hätte in puncto Grausamkeit dem von Stefan in seiner Rezension genutzten Vergleich entsprochen. Noch heute bricht seine Stimme, wenn er von dieser psychischen Misshandlung erzählt.

Alles, was Johannes getan hatte, um wieder zur Normalität zu finden und sich durch aktive Aufklärungsarbeit an der Entführung von der Opferrolle zu befreien, hatte auf einmal keine Grundlage mehr. Ihm wurde von Mertens der Boden unter den Füßen fortgerissen. Das Urvertrauen war weg und auch deshalb verlor Johannes seine Kindheit. Diese Szene zeigt, wie viel Macht Menschen über andere Menschen haben können, vor allem, wenn sie bedeutende Positionen in der Gesellschaft besetzen.

Die Drangsalierung war eine Umkehr von Tätern und Opfer, denn während die Täter von Seiten der Polizei und Justiz viel Milde, Verständnis und Glaubwürdigkeit erfuhren, war es Johannes, der ungeachtet seines Alters wie ein Verbrecher behandelt wurde. Das Trauma konnte sich verfestigen, auch weil der Junge, um seine Mutter zu schonen, ihr 40 Jahre lang nie etwas von den unmenschlichen Behandlungsmethoden der Polizei erzählt hatte (auch nicht, wie es ihm während der Entführung erging).

Franz hat ein Motiv der Polizei genannt: den Verdacht, dass der Vater (und damit auch Johannes) hinter der Entführung steckte. Hinzu kamen die Ressentiments durch Mertens, sodass einfach alles gegen den tapferen Jungen ausgelegt wurde. In archaischen Gesellschaften mit Clanstrukturen war es normal, dass bei Fehden Mitglieder des feindlichen Clans einschließlich Kinder vogelfrei waren. Dies steckt tief in uns drin. Johannes musste ausbaden, was die Gesellschaft nun von seinem gefallenen Vater hielt. Er war in den Augen der Meisten nur der Sohn ohne eigene Persönlichkeit und konnte sich nicht von dem Bildnis der anderen befreien.

Schaffte Johannes es, durch seine Aufforderung, etwas mit ihm zu spielen (woraufhin gepokert wurde) und damit die für das Überleben so wichtige persönliche Bindung zu einem Entführer herzustellen, klang dies für Mertens und Kollegen viel zu unglaubwürdig, um wahr zu sein. Dabei war es Johannes stets klar, dass diese persönliche Bindung nur taktischer Natur sein konnte („vielleicht wollte er mein Freund werden, ich aber nicht mit ihm“). Dieses Überlebensprinzip erkannte sogar der erst neunjährige Sascha Buzmann, dessen Interview nach dessen 86-tägigem Martyrium übrigens ähnlich souverän wirkte wie bei Johannes: https://www.youtube.com/watch?v=ND0bxyWCslg&t=110s. Auch er rettete durch positiven Beziehungsaufbau sein Leben, obwohl die Freundschaft zu seinem Peiniger das Allerletzte gewesen war, was er sich wirklich gewünscht hat. Kinder sind, wenn es um die nackte Existenz geht, zu außergewöhnlichen Leistungen fähig.

Es ist gut und wichtig, diese lange Zeit vergessene Entführung wieder ins Tageslicht zu befördern, denn Ansatzpunkte für eine gründliche Aufarbeitung gibt es wahrlich genug. Dem ebenso geschundenen wie heldenhaften Kind von einst kann endlich Gerechtigkeit widerfahren werden, während im höheren Sinne diese in so vielen Facetten unglaubliche Geschichte die emotionale Kraft hat, eine Katharsis auszulösen, welche die Gesellschaft heilt.

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Von: stefan predier https://www.film-rezensionen.de/2023/09/entfuehrt-14-tage-ueberleben/comment-page-1/#comment-1259907 Sun, 17 Sep 2023 02:30:39 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=270636#comment-1259907 Dieser Film ist aus verschiedenen Gründen schwierig zu bewerten. Es beginnt damit, daß der Fall von 1981 nicht jedem geläufig ist. Im Unterschied zu anderen Entführungen wie Reemtsma. Das erfoder mehr Erklärungen zum Charakter des JUngen, man muss zunächst seine Sozialisation beschreiben. Ist er ein Einzelkämpfer oder ein Teamplayer? Das wird aus der Begegnung mit 2 Klassenkameraden, die sich scheinbar gegen seine elitäre Lebensführung gegen positionieren, nicht deutlich. Der Polizist, den Jonay Nay – hervorragend! – spielt, scheint eine zentrale Person der Geschichte zu sein, die Person bleibt aber zu oberflächlich im Erscheinungsbild. Dabei kann Nay etwa wie Roy Scheider innere Konfliktsituation perfekt ausspielen. Aös Person hätte er besser in einer Konfliktsituation mit dem Vorgesetzten eingespielt werden sollen. Er taucht vorab in einem ganz anderen Handlungstrang bei der Festnahme von Johannes “ Vater auf ….
Was Schnitt und Zeichnung der Charaktere angeht, hat der Film eklatante Schwächen. Dieses geht vermutlich auf die Ur-konstruktion als Serie zurück ( Planung als 4×60 MInuten 4-teiler ?) Idealerweise hätte man besser einen 3-teiler ( 3×90 minuten ) auf Dieter Wedel-Format gebracht. A. Die Vorgeschichte B. Entführung und Freilassung C. Skandalöse Geschehnisse in der Polizeilichen/Kriminologischen Abarbeitung.
Wünschenswert wäre vielleicht ein Director`s Cut als völlig neue Schnittversion. Die Geschichte dümpelt anfangs zu lange vor sich hin. Dann besser die Vorgeschichte bis zur Verhaftung des Vaters vorab als 90 Minüter….
In Pola X von Leos Carax hat man gesehen, dass man einen Spielfilm sehr elegant neu in einem Serienformat aufbereiten kann, seinerzeit gab es ein Pola XXL.
Und wenn man schon viel Geld für Songrechte ausgibt…mir scheint das hier etwas überladen. Pink Floyd passt durchaus, aber um die Geschichte etwas Kälte im Winter zu spendieren, hätte man die Situation 1981 mit Kraftwerk untermauern können, um die emotionale Kälte der Entführer präsent zu machen.
Was den Schnitt angeht: Ich hätte seitens von Rtl die Diskussion mit Johannes Erlemann nach der Hälfte des Films gemnacht, nachdem er entführt wurde. Dann wäre die Spannung gestiegen, da ja klar war, dass der Jnnge nach 14 Tagen wie der Titel verspricht frei kommt. Die Behandlung auf der Polizeistation plus Nachstellung und der Gerichtsprozess—das war aber gar nicht klar. Also hätte man vielleicht die Diskussion auch teilweise zwischen schieben können und den Film komplett hintenran um 0.30 wiederholen ….
Schauspielerisch noch ein Lob an den jungen Darsteller von Johannes, das hatte eine selbstbewusste Komponente und eine Art von Unverletzlichkeit, die aufgrund seiner Lebensgeschichte im Elfenbeinturm-zuhause entstanden war. Das hat der Regisseur gut hinbekommen. Hervorragend nochmals erwähnt Jonas Nay im Kampf gegen Windmühlen, dem starrsinigen Vorgestezten der Polizei. Dieser Vorgesetzte bedroht den Jungen “ Wir glauben dir nicht “ …. das ist leider nicht heftig genug gespielt, da hätte man sich einen Vadim Glowna gewünscht. Ebenso wirkt der Richter am Pult nicht heftig genug, da hätte man sich einen Nazi-Gerichts-Diktator Freisler wie in der Sophie Scholl-Verfilmung von 2004 erhofft. Dann wäre sozusagen Teil 3 der Geschichte glaubwürdiger daher gekommen, In dem Interview auf Rtl hat Johannes Erlemann ja auch darauf hingewiesen, daß er mit so einer Drangsalierung durch die Behörden überhaupt nicht gerechnet hatte. Während ihm der Verlauf der Entführung und Freilassung schon bewusst war und daher war er ja auch im Tv-interview im Bademantel so entspannt—er wusste zu dem Zeitpunkt nicht, was noch auf ihn zukommt.

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Von: Franz Antonis https://www.film-rezensionen.de/2023/09/entfuehrt-14-tage-ueberleben/comment-page-1/#comment-1259681 Sat, 16 Sep 2023 06:43:04 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=270636#comment-1259681 Später wurde in Stern-TV erklärt, dass sich die Polizei tatsächlich so feindselig gegenüber dem freigelassenen Kind verhalten hatte. Sie vermutete, dass der Vater hinter der Entführung steckte. Als das Kind zu Hause ankam wurde es tatsächlich von ca. 30 Polizisten ergriffen. Sogar der Taxifahrer wurde verhaftet. Ein guter Film, der die Realität schonungslos wiedergibt.

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Von: Nick https://www.film-rezensionen.de/2023/09/entfuehrt-14-tage-ueberleben/comment-page-1/#comment-1259433 Fri, 15 Sep 2023 08:58:16 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=270636#comment-1259433 Ein wahres Meisterwerk, welches zu 99% auf Wahrheiten und realen Orten beruht und somit ein True-Crime-Film der besonderen Art widerpsiegelt. Es mag kaum vorzustellen sein, dass es in einem solchen Maße der Realität entspricht, doch genau das und die Originalrequisiten machen den Film zu einem spannenden Werk. Ein einizigartiger True-Crime!

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Von: Carlson https://www.film-rezensionen.de/2023/09/entfuehrt-14-tage-ueberleben/comment-page-1/#comment-1259292 Thu, 14 Sep 2023 20:32:52 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=270636#comment-1259292 ]]> Der Film ist so dumm gedreht, als ob die Polizei oder der Richter so einen Mist verzapft.. Also geht garnicht, total daneben.. 😡

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Von: Tino https://www.film-rezensionen.de/2023/09/entfuehrt-14-tage-ueberleben/comment-page-1/#comment-1259285 Thu, 14 Sep 2023 20:13:03 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=270636#comment-1259285 Das dümmste an diesem Film sind die Ermittler. War das damals echt so gewesen? Krass

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Von: Katharina Von Bronk https://www.film-rezensionen.de/2023/09/entfuehrt-14-tage-ueberleben/comment-page-1/#comment-1259275 Thu, 14 Sep 2023 19:34:11 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=270636#comment-1259275 schande RTL, uhrzeit bei punkt 12 fałsz gegeben und jetzt blamage mit der film.Das ist ein fake

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