Kommentare zu: Tatort: Kartenhaus https://www.film-rezensionen.de/2022/03/tatort-kartenhaus/ Popcornkino und Independent Thu, 07 May 2026 06:16:09 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Von: Erde an Gott https://www.film-rezensionen.de/2022/03/tatort-kartenhaus/comment-page-1/#comment-1685269 Thu, 07 May 2026 06:16:09 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=208932#comment-1685269 Ein alberner Film (Anfangssequenz) mit nerviger Musik, dümmlichen wie inhaltlich falschen Dialogen (Mieten in Köln sind nicht „teuer“, sondern hoch, Herr Ballauf! So wie Preise nicht günstig sind sondern niedrig.), einer Menge hysterischem Geschrei und teilweise schlechter Kameraführung (Ruckler, hektische Zooms auf den von Rick Okon verkörperten Kollegen Thomas), der gleich in mehrfacher Hinsicht ärgerlich ist: Der Film ist kein klassischer Whodoneit sondern steigt mit der Tat ein und dröselt die Hintegründe langsam auf, indem er die Motive und Verbindungen von Opfer, Familie und Täter entspinnt.

Schön doof also, dass man als geneigter Zuschauer gleich von Beginn an weiß, wer der Täter bei diesem durch große internationale Vorlagen inspirierten Gangsterdrama ist, mehr noch: Man weiß auch: Das kann und wird nicht gut ausgehen. Die Gründe für das Handeln der Figuren oder die zum Teil hochdramatische persönliche Vorgeschichte der Protagonisten ist dabei fast egal.

Worin bestand überhaupt die Intention, das x-te Liebespärchen-auf-der-Flucht-Roadmovie zu drehen? Zu oft hat man diese Story schon gesehen und weiß daher wie es enden wird. Spannung oder gar Empathie für die handelnden Akteure kommt daher kaum auf.

Die Frauen in diesem Film stellen sich alle unfassbar dämlich an und haben nicht viel zu erzählen: Da haben wir zum einen die Ehefrau, die sich das alles überhaupt nicht vorstellen kann, in ihrer kleinen gläsernen Scheinwelt lebt und die Augen vor der blutigen Realität verschließt. Dann die Mutter des Jungen, auch sie, gezeichnet durch persönliche Schicksalsschläge in ihrem Glauben und Handeln fernab der Wirklichkeit. Und dann wäre da noch das minderjährige Töchterchen aus gutem Hause, hier verkörpert von der bildschönen Ruby O Fee (soll ja angeblich die Freundin, bzw. jetzt sogar Frau von Matze Schweigh. sein), eine Figur, der man eigentlich am Liebsten links und rechts eine kleben möchte, so dermaßen naiv und weltfremd ist das Geschwätz was bei jeder Szene ihren Mund verlässt. („Du liebst mich wirklich, oder? Sonst würdest du das nicht tun.“). Die Tochter ist so dermaßen unfassbar naiv und gutgläubig, stellt ständig nur blöde Fragen (Warum machst du dies und jetzt das, du wolltest doch…).

Aber auch die männlichen Protagonisten in Form der Polizei bekommen hier keinen Goldenen Löwen für überzeugende Darstellung ihrer Rollen. Einen Kollegen aus dem Innendienst mit zu einem SEK-Einsatz zu nehmen erscheint mir wenig glaubwürdig, ebenso das Verhalten der erfahrenen PHKe, zu zweit die Wohnung des mutmaßlich bewaffneten Täters zu betreten. („Wir warten doch auf das SEK, aber eben drinnen“).

Zwischen den Peaks sieht man in endlosen Einstellungen Menschen beim Platzen ihrer Träume zu, man zeigt den Täter sich in epischer Breite übergeben und Plastiktüten über den Parkplatz wehen, womöglich als Symbol für die Vergänglichkeit des Glücks. Und dann ist da immer wieder der Plattenbau, in Close-ups und Halbtotale. Die Balkons, das Elend, die Armut.

Ein eher misslungener Film und für mich ein Beleg dafür, dass es nach dem goldenen Tatort-Zeitalter der 2000er und 2010er Jahre ab hier mit dieser Sendereihe spürbar bergab ging – inhaltlich wie optisch. Dieser Film markiert also in gewisser Weise den Niedergang des Fernsehkrimis, auch wenn die Kölner immer zu meinen absoluten Lieblingsteams gehörten.

Was ist eigentlich aus der Bratwurstbude geworden, die ist mir hier gar nicht aufgefallen. Dabei wurde dort 2020 noch gedreht und in einem späteren Tatort sieht man sie noch mals.

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