Kommentare zu: Mein Bruder, meine Schwester https://www.film-rezensionen.de/2021/10/mein-bruder-meine-schwester/ Popcornkino und Independent Mon, 11 May 2026 22:56:05 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Von: Helene https://www.film-rezensionen.de/2021/10/mein-bruder-meine-schwester/comment-page-1/#comment-1687931 Mon, 11 May 2026 22:56:05 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=190825#comment-1687931 Ich gebe diesem Film 9,7 von 10 Punkten. Denn ich finde diesen Film außerordentlich tiefgründig-verzweigt mit vielen unterschiedlichen Themen, die darin enthalten sind. Die Gedanken, die mir während des Anschauens kamen, schreibe ich ihr gerne auf:
Ich stelle mir vor, dass sich der Titel des Films vielleicht nicht nur auf ein Geschwisterpaar bezieht – Nik und Tesla- , sondern auch auf die Geschwister Sebastiano und Carolina. Insofern sehe ich den ganzen Film als generationsübergreifende Betrachtung des gesamten Familiensystems. Jeder hat seine Rolle. Da ist der sensible Nik, der von außen wieder ins System zurückkommt und dadurch einen offenen Blick auf alles hat. Er erkennt sehr schnell, was falsch läuft. Genauso geht es Carolina, die über alles offen sprechen kann und auch alles offen anspricht. Die zwei Kranken im System sind für mich Tesla, die fast zwanghaft und kontrollsüchtig agiert sowie Sebastiano mit seiner Schizophrenie. Als Nick noch nicht da ist, trägt Carolina das System fast ganz alleine. Denn ihre Mutter Tesla ist zusätzlich auch noch Alkoholikerin, wie man erst später erfährt. Tesla betrachtet Carolina nur als Betreuerin ihres Bruders.

Eine weitere interessante Überlegung ist für mich, dass der Problemverursacher der Opa ist, aber die Konsequenzen aus dem miesen Verhalten des Opas alle treffen – also beide Geschwistergenerationen. Es folgt eine Kettenreaktion: Nick wird von seinem Vater und seiner Verlobten betrogen, worauf er das Familiensystem verlässt. Mit weitreichenden Konsequenzen: Es entstehen Missverständnisse, Wut und falsche Annahmen. All das hat wieder Folgen für das System: Tesla als alleinerziehende Mutter ist dauerüberfordert, kontrolliert ihre Kinder und lässt ihnen kaum noch Luft zum Atmen. Sebastiano zieht sich ganz in sich zurück und lebt in seiner eigenen verdunkelten Welt in seinem Zimmer. Carolina muss viel mehr Verantwortung übernehmen, als sie in ihren jungen Jahren leisten kann. In dem Moment, als Nik zurückkommt, kann sich das vorher schräge Familiensystem wieder erholen, weil es wieder in die Waage kommt. Durch Carolinas offene Art werden alle Themen auf den Tisch gebracht. Das ist ein Fortschritt der jungen Generatio: die Dinge beim Namen nennen und schonungslos auf den Tisch bringen. Das hatte die Generation davor, verkörpert durch Nik, nicht geschafft.

Mein persönliches Fazit: Das miese Handeln des Opas löst eine Kettenreaktion über zwei Generationen und auf zwei Geschwisterpaare aus, was ich erst nach dem Tod des Opas wieder lösen lässt.
Mit der Verteilung der Asche des Opas sind dann endlich alle wieder befreit und Sebastiano kann sich sogar rückwärts ins Wasser fallen lassen – ein großer Vertrauensbeweis.

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