Kommentare zu: Die Konkubine https://www.film-rezensionen.de/2021/07/die-konkubine/ Popcornkino und Independent Wed, 03 Jan 2024 11:33:37 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 Von: Janos https://www.film-rezensionen.de/2021/07/die-konkubine/comment-page-1/#comment-1282137 Wed, 03 Jan 2024 11:33:37 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=183436#comment-1282137 Ich finde den Film im Wortsinn „sehenswert“ weil die Optik überzeugt. Zum Inhalt habe ich aber eine Frage und ein paar Anmerkungen (Vorsicht Spoiler):
Frage: Als Prinz/König Sung-won den Geschlechtsakt mit der ersten möglichen Konkubine vollzieht, geschieht dies in einem Raum mit Papierwänden, hinter denen der Hofstaat sitzt. Einer der Eunuchen gibt ihm Anweisungen, wie er am ehesten einen Sohn zeugen kann. Mich würde interessieren, ob dies tatsächlich während der Joseon-Dynastie so praktiziert wurde? Es würde dann dem mittelalterlichen „Beilager“ in Europa ähneln, wobei hier vieles nicht gesichert ist (https://de.wikipedia.org/wiki/Beilager).
Anmerkungen: Ich finde, ein großes Problem des Filmes ist, dass die Erzählstränge nicht richtig ineinandergreifen. Hauptperson scheint mir gar nicht die Konkubine Hwa-yeon zu sein, sondern Prinz Sung-won. Der unglüchliche Prinz erringt vielleicht nicht die Sympathie des Publikums, aber wir erfahren über sein Inneres doch am meisten. Er ist ein schüchterner Mann, der nicht König werden wollte, eigentlich das Werkzeug seiner Mutter, die ihre Blutlinie sichern möchte. Sung-won macht durchaus eine Entwicklung durch, er ist zunächst ein weinerlicher, eifersüchtiger Jüngling, nichht überzeugt von den Intrigen seiner Mutter; er ist besessen von der Konkubine seiner (verstorbenen) Halbruders, des früh verstorbenen Königs; seine Annäherungsversuche sind unbeholfen. Zum Ende aber kommt der Prinz/König wirklich ins Handeln. Auf die namensgebende Konkubine Hwa-yeon blicken wir eher (quasi mit Sung-won) wie Voyeure, sie scheint über weite Teile des Films eher passiv-reagierend – eigentlich keine wirkliche Gegenspielern für die Königinmutter, die erst den alten König vergiften lässt und dann ihren Sohn als Marionettenkönig installiert. Hwa-yeons Beziehung zu dem jungen Mann Kwon-yoo, den sie geliebte hatte und der wegen dieser Liebe zum Eunuch gemacht wurde, wird zunächst zur Triebfeder für Sung-wons Eifersucht. Gegen Ende gelingt es auch Hwa-yeon, ins Handeln zu kommen, indem Sie Kwon-yoo genauso als Werkzeug nutzt, wie die Königinmutter Sung-won. Dieser Wandel kommt aber etwas aprupt. Daneben werden zahlreiche Nebenschauplätze ausgebreitet, die nur bedingt zur Handlung beitragen. Das Ende wirkt schließlich wie eine fatale erotisch Zuspitzung: Für die Erfüllung seines größten Wunsches, nämlich sich mit Hwa-yeon zu vereinen, muss Sung-won mit dem Tode bezahlen. Vor dem Hintergrund des Hauptkonflikts aber macht – finde ich – das Ende erzählerisch einfach keinen Sinn. Man mag es als emanzipatorisch lesen, was aber das historische Setting konterkariert. Der ganze Film breitet aus, dass die Macht am Hofe per Intrigen, quasi hinterrücks, errungen werden muss. Sonst hätte die Königin Mutter einfach den Sohn Hwa-yeons töten lassen können. Am Ende aber gibt sich Hwa-yeon dem unglücklichen Prinzen/König erst hin, um ihn dann während des Aktes zu erstechen. Warum nicht vorher? Sie bricht über den Tod Sung-wons sogar in Tränen aus, hält seinen Lechnam – optisch eine Anspielung auf eine Pietà – in ihrem Schoß. Es ist für den Hofstaat völlig klar, dass Hwa-yeon den König getötet hat; sofort danach bricht das alte Machtgefge zusammen; Hwa-yeon erfährt offenbar keine Bestrafung, denn in der letzten Szene rennt ihr Sohn dem Thron entgegen – offenbar eine Anspielung, dass sie nun Königinmutter ist und regiert. Nehmen wir aber den historischen Schauplatz ernst, würde die Ermordung Sung-wons keinen Sinn machen: Die Königinmutter ist schon vor dem fatalen Geschlechtsakt politisch ausgeschaltet und Hwa-yeon erlangte durch ihre Hingabe an Sung-won Kontrolle; denn er ist geradezu verrückt nach Hwa-yeon; zudem liebte er seinen Halbbruder, es ist zwar möglich, aber unwahrscheinlich, dass er dessen Sohn umbringen lassen würde. Für Hwa-yeon dagegen geht es darum, zu überleben und ihrem Sohn im besten Fall auf den Thron zu verhelfen. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass Hewa-yeon Sung-won nicht liebt, so scheint sie im Schlussteil des Filmes doch eher machtpolitisch zu agieren: Ihren ehemaligen Geliebten, Kwon-yoo, womöglich der Vater ihres Sohnes, gibt sie, als sie ihn nicht mehr braucht, ohne mit der Wimper zu zucken Preis; mehr noch, sie verhöhnt ihn, indem sie ihm die Vaterschaft abzusprechen scheint. Warum aber sollte sie dann das Risiko eingehen, Sung-won erst zu verführen und dann zu töten, also einen potentiellen Beschützer auszuschalten? So bleibt sie alleine mit einem fünfjährigen Sohn zurück, der immer noch einer Intrige zum Opfer fallen kann. Machtpolitisch gedacht hätte die Verbindung mit Sung-won einen weiteren Vorteil: Die Chance, einen Sohn mit ihm zu bekommen, wäre hoch und damit; die Möglichkeit, einen ihrer Sprösslinge auf den Thron zu setzen würde steigen. Ihres (vielleicht ungeliebten) Gatten schließlich könnte sie sich dann immer noch entledigen, wenn ihr Sohn geschlechtsreif wird. Das zuerst hoch aufgeladene Ende scheint mir also zwar als Bild und als „Knalleffekt“ erklärbar, aus dem Erzählstrang heraus aber nicht stimmig. Mich würden andere Meinungen dazu interessieren.

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