Kommentare zu: Displaced https://www.film-rezensionen.de/2021/01/displaced/ Popcornkino und Independent Sun, 08 Jan 2023 18:50:28 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 Von: Pfeifer https://www.film-rezensionen.de/2021/01/displaced/comment-page-1/#comment-1207070 Sun, 08 Jan 2023 18:50:28 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=167060#comment-1207070 Ich habe mir diese anderthalb Stunden ANGETAN – und wähle diesen Ausdruck bewusst. Aus Interesse schaue ich viele Dokus zum vorliegenden Thema jüdisches Leben, Shoah & Co.

Diese allerdings gleicht eher der Abrechnung einer frustrierten Frau mit ihrem Vater und ihrer Umwelt. Frau Ryba-Kahn nimmt sich selbst wichtiger als ihr gewähltes Thema. Aus ihrer Haltung und ihrer nahezu inquisitorischen Gesprächsführung spricht nicht nur ihre abfällige Meinung zu Deutschland, die sie mehrfach selbst äußert. Nein: vielmehr wird gleiches gegenüber ihren Gesprächspartnern deutlich – ganz gleich, ob Vater oder Klassenkameradin. Ihnen wird eigentlich sogar eine eigene Meinung abgesprochen – solange diese nicht konform ist mit der Meinung der Protagonistin.
Und von einem „Durchdringen zum Gegenüber kann bei Gott kaum eine Rede sein. (siehe oben im Text: „So ist Displaced nicht nur eine Suche nach dem eigenen Erbe, sondern auch ein Versuch des Durchdringens zum Gegenüber, wie beispielsweise in den Unterhaltungen der Regisseurin mit ihren Freundinnen, die nicht selten in einem Schweigen enden, wenn die Angst vor der Wahrheit oder der eigenen Vergangenheit überwiegt.“ –> Welche Angst?! Welche EIGENE Vergangenheit?! Diese Frauen haben doch niemanden auf Transport geschickt. Warum müssen sie sich vorwerfen lassen, dass sie nicht 24h am Tag an die Shoah denken? Und als eine Freundin erzählt, ihr Großvater hat den „ehrenhaften“ SS-Dienst verweigert mit großen persönlichen Folgen? Betretenes Schweigen, denn das passt ja nicht ins gezeichnete Bild von Millionen deutschen Mördern, die alle nur weggeschaut haben sollen …)

Obwohl Frau Ryba-Kahn all ihre Information zum Glück nicht aus eigenem Erleben hat, spielt sie sich zur Rächerin einer Generation auf, die ihre eigene Umgehensweise mit dem persönlich erlebten Schicksal gefunden hatte.
Stärker noch: diese Menschen werden selbst nahezu verurteilt dafür, dass sie nach dem Krieg ihr Glück eben nicht in Israel suchten, sondern bewusst ein Leben in Deutschland führen wollten. Einem Land eben NICHT NUR voller Mörder, wie uns Frau Ryba-Kahn suggeriert. Nein, einem Land, das bis zum 2. WK jüdisches Leben nicht nur duldete, sondern dies auch großteils auf hohem Niveau ermöglichte. Einem Land, das viele (auch jüdische) Dichter, Künstler, Wissenschaftler etc. hervorbrachte.

Wie kann sie es mit ihrem eigentlichen Anliegen vereinbaren, sich über diese Überlebenden zu stellen? Nicht wissend, was sie wirklich erlebten und welchen Einfluss das auf den jeweiligen Menschen hatte?! Wie kann die dritte Generation es überhaupt wagen, das Verhalten der Betroffenen zu be- oder gar VERurteilen?! Wie kann sich jemand, der selbst kaum oder gar nicht betroffen war, überhaupt ein Urteil anmassen über die Entscheidung seiner Vorfahren?!
Mit dem Abstand von heute kann man leicht kritisieren.

Alles in allem: aus meiner Sicht wenig prpfessionell – leider.

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