Kommentare zu: Giraffe https://www.film-rezensionen.de/2020/08/giraffe/ Popcornkino und Independent Mon, 30 Jun 2025 12:38:47 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 Von: Max, der TV Junkie https://www.film-rezensionen.de/2020/08/giraffe/comment-page-1/#comment-1487950 Mon, 30 Jun 2025 12:38:47 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=150850#comment-1487950 Die Idee oder die Absicht hinter dieser Fernsehproduktion (Koproduktion ARD/DR) ist mir nicht ganz klar. Was soll das sein? Eine Liebesgeschichte? Eine Dokumentation? Ein Portrait? Eine Sozialstudie? Ein Gesellschaftsdrama? Ein Heimatfilm? Eine Reisereportage? Eine Landschaftsdoku? Eine Tragödie (neudeutsch: Dramédie)?

Was ist hier die Aussage, die Quint-Essenz? Mehr Mut in der Beziehung wagen? Zu seinen Wurzeln stehen? Ein Plädoyer auf den Bau des Fehmarnbelttunnels zu verzichten und lieber den Fährverkehr zu erhalten? Eine filmische Ode an den norddeutschen Sommer? Ein Appell an mehr Kommunikation und Interkulturalität? Umarmen wir unsere polnischen Nachbarn trotz Sprachbarriere und sehen wir großzügig über dänische Unordnung und Schmuddel (verherrlicht als „hygge“) hinweg!

Der Film wirkt teils pseudo-dokumentarisch mit seinen Stills und Close-ups von Bauernhöfen die seit über 20 Jahren (also zu Zeiten, als es die Planungen für den Tunnel noch gar nicht auf Papier und Reißbrett gab) verlassen darliegen, dann wieder dröge. Warum wird eine Norwegerin (von wem überhaupt?) nach Rödby geschickt um die im Abriss befindlichen Häuser zu dokumentieren? Für wen das ganze? Der Bebauungsplan ist doch längst durch, die Arbeiten haben bereist begonnen. Wer bezahlt ihr die Anreise aus Norwegen und den wochenlangen Hotelaufenthalt? Was hat Norwegen überhaupt mit dem Bau des Femernbelt-Projektes zu tun, das 100% vom dänischen Staat finanziert wird.

Was hat die titelgebende Giraffe aus dem Knutenborg Safari Park damit zu tun, außer dass dieser sich in Maribo auf der Insel Lolland befindet? Genauso hätte man den Film dann auch Lalandia nennen können, wäre in Anlehnung an Lalaland vielleicht sogar noch passender gewesen.

Zwischendurch werden wahllos verwackelte Handyvideos und Amateuraufnahmen eingestreut.

Dass für den Bau dieses Tunnels die durchgehende Zuverbindung über Puttgarden bereits Jahre vorher eingestellt wurde und man als Fahrgast seitdem für mehr als eine Dekade einen langen Umweg über Flensburg in Kauf nehmen muss, was mir mit der Bahn mehr als 2 Stunden zusätzliche Reisezeit einbringt, darauf wird gar nicht eingegangen. Über die Relation Puttgarden-Rödby, die man zwar noch als Fußgänger befahren kann, werden keine durchgehenden Tickets mehr ausgestellt. Man muss mehrfach an Automaten nachlösen. Die gezeigten Fährschiffe sind jedenfalls nicht die der Reederei Scandlines die tatsächlich auf dem Abschnitt verkehren.

Die Frage der süßen Norwegerin „Was machen wir hier eigentlich?“ habe ich mir als Zuschauer auch die gesamte Lauftzeit über gestellt…

Positive Entdeckung war für mich LLK als zerbrechliche Fotografin. Sie hat auch in „Höhere Gewalt“ (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Fernsehfilm mit Alice Dwyer) von Östlund mitgespielt, allerdings mag ich dessen verkopfte Art zu drehen, nicht.

Schade, Norwegen ist weit. Und ob das Femernbelt-Tunnelprojekt bis 2030 fertig wird, ungewiss.

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