Kommentare zu: Ophelia https://www.film-rezensionen.de/2020/05/ophelia/ Popcornkino und Independent Mon, 18 Nov 2024 09:02:50 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 Von: Martin Zopick https://www.film-rezensionen.de/2020/05/ophelia/comment-page-1/#comment-1423821 Mon, 18 Nov 2024 09:02:50 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=143006#comment-1423821 Claire McCarthy hat einen Film gemacht, der sich hautnah an das shakespearesche Original anpasst, sich wie die Hand in den Handschuh schmiegt und dennoch einen völlig neuen Film wie den Inhalt eines Überraschungseis als Endprodukt abliefert. Die Shakespeare-Kenner sind mit den Figuren vertraut und entdecken an ihnen immer neue Facetten, denn das Drehbuch schafft Blasenbildung und liefert zusätzliche Erläuterungen. Figuren entstehen wie von Shakespeare erdacht, Schnitt und Technik tun ein Übriges um geistiges Neuland zu kreieren. Dabei gibt es jede Menge Spannung und ganz nebenbei die herrlichste (fast) unvollendete Liebesgeschichte der Leinwand. Das Ambiente bildet einen harmonischen Zusammenhalt, der von der Diktion noch unterstützt wird. So entsteht ein gewaltiges Bilderopus, bei dem die Präraffaeliten die Kamera zu führen scheinen, sodass ein mehrfaches Anschauen sich lohnt. Schwert und Gift kommen zum Einsatz, Schurken wie König Claudius (Clive Owen) outen sich als Mörder, Naomi Watts als seine ebenso mordlustige Gattin glänzt hier in einer Doppelrolle als Königin und Hexe. Die Betonung feministischer Ansätze tut dem Ganzen keinen Abbruch, weil sie – vor allem der Schluss – sensibel und mit viel Empathie zum Einsatz kommen und anders als beim Original Hoffnung als Ausblick bieten. Da hat Claire McCarthy dem alten William S. nochmal gezeigt wo der Barthel den Most holt, nachdem jeder für sich die Frage beantwortet hat, wer das Leben besser meistert: diejenigen die Leben schenken oder die, die Leben vernichten.
Tragische Dramatik auf höchstem Niveau bezieht das erkleckliche Quantum Spannung aus Figuren, Konstellationen und der hohen Qualität der Sprache, die nie abgehoben wirkt und mit einem Bein im Alltag steht, wo die Gelüste, die Niedertracht und das Diabolische ihr Zuhause haben.

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