Für jeden kommt irgendwann die Zeit, etwas ruhiger zu treten und sesshaft zu werden, so auch für Renzo (Frederick Lau), der zusammen mit seinem besten Freund Milo (Elyas M’Barek) als Barkeeper in Berlin arbeitet. Doch bevor sich der Traum der beiden erfüllt, müssen sie eine Nacht durchstehen, die sie nie wieder vergessen werden – eine Nacht voller Liebe, Gangster und komischer Kostüme. Wir haben Hauptdarsteller Frederick Lau bei der Premiere seiner neuen Komödie Nightlife (Kinostart: 13. Februar 2020) getroffen und ihn in unserem Interview zu seinen eigenen Erfahrungen beim Feiern und Älterwerden gefragt, aber auch welche Träume der Schauspieler selbst noch hat.

Du spielst in Nightlife jemanden, der gerne die Nacht durchmacht und wild feiert bis früh in die Morgenstunden. Das ist bei dir mit drei Kindern vermutlich nicht mehr ganz so der Fall.
Nein, nicht mehr ganz so. Wenn, dann mache ich die Nacht eher durch wegen den Kindern, wenn die die ganze Nacht schreien. Ab und zu schaffe ich es aber noch tanzen zu gehen. Ich finde es auch total wichtig, die Nacht nicht zu verlieren. Noch mal rauszugehen und zu gucken, was so los ist. Bars, Restaurants, vielleicht auch mal ein Club. Das ist ja das Schöne an der Nacht: Ich will vorher gar nicht wissen, was alles passiert. Da ergibt eine Idee die andere. Berlin ist ja auch ein bisschen so gemacht dafür, sich treiben zu lassen.

Du bist also schon immer so ein Clubmensch gewesen?
Ich war schon immer viel mit meinen Jungs unterwegs, ja. War viel am Tanzen. Das habe ich immer geliebt. Ich bin auch eher der Nachtmensch, um ehrlich zu sein. Wenn ich dann wie heute schon um sechs Uhr morgens raus muss, dann trage ich das immer so in den Tag rein. Da fühle ich mich die ganze Zeit immer ein bisschen benebelt.

Vermisst du es, heute nicht mehr so viel unterwegs zu sein?
Das nicht. Das Problem ist auch: Je älter du wirst, umso länger hast du mit einem Kater zu kämpfen. Das sagt dir jeder, wenn du zwanzig bist, dass du mit den Jahren immer mehr Zeit brauchst. Und das ist auch wirklich so. Bis ich wirklich wieder auf 100 Prozent bin, da brauche ich schon zwei Tage. Ich weiß jetzt schon, dass ich wegen der Premiere heute Abend morgen k.o. bin. Aber ich freu mich auf heute.

Vom Kater einmal abgesehen, gibt es sonst Situationen, in denen du merkst, dass du älter wirst?
Ich liebe es spazieren zu gehen, werkle viel in meinem Garten und kümmere mich um die Blumen. Außerdem ist es ganz schrecklich, wie ich beim Treppensteigen außer Atem komme. Oder Schlittschuh laufen! Ich habe früher ja viel Eishockey gespielt. Jetzt fühle ich mich nach einer Runde schon wie ein alter Opa. Das geht schon alles bergab (lacht). Das sagen dir zwar vorher alle. Aber glauben willst du das nicht, bevor du selbst an der Reihe bist. Das ist wie mit der großen Liebe und Liebeskummer, wo du denkst, das geht niemals vorbei. Und es geht doch vorbei, so wie die Älteren es einem sagen. Da solltest du vielleicht doch auf die Älteren hören.

Andererseits, das sind Erfahrungen, die man immer selbst machen muss.
Sowieso, das stimmt. Das geht gar nicht anders. Manche Erfahrungen musst du im Leben einfach gemacht haben.

Kannst du eigentlich abends noch weggehen, ohne erkannt zu werden?
Das ist schon schwerer, auf jeden Fall. Aber das finde ich auch nicht schlimm. Es ist einfach, wie es ist. Ich kann damit glaube ich auch ganz gut umgehen, wenn dich Leute ansprechen. Vor allem um drei Uhr nachts, wenn sie dann mutiger geworden sind und genug getrunken haben.

Was trinkst du so? Dein Lieblingscocktail?
Boston Sour. Das ist ein Whiskey Sour mit Eiweiß. Schmeckt super, kann ich nur empfehlen.

Nightlife

Machen die Nacht zum Tag: Renzo (Frederick Lau) und Milo (Elyas M’Barek) (© Warner Bros.)

Wie sieht denn sonst so ein gelungener Abend bei dir aus, wenn du nicht gerade ausgehst?
Ich liebe es auch, zu Hause zu sitzen bei einem guten Film, mit einem guten Rotwein. Aber ich liebe es auch mich zu unterhalten bei einem schönen Essen. Die schönste Zeit ist immer, wenn ich meine Kinder ins Bett bringe und ich ein bisschen mit ihnen kuscheln kann. Es ist auch toll, wenn sie wieder runterkommen, weil sie nicht schlafen können. Das kann dann in dem Moment nervig sein. Aber irgendwie ist es auch sehr schön.

Deine Figur Renzo träumt davon, Fahrradausflüge mit der Familie zu machen. Wie sieht das bei euch aus?
Meine Tochter lernt tatsächlich gerade Fahrrad zu fahren und da bin ich ganz viel dabei. Da hatte ich sogar einen richtigen Renzo-Moment. Ich hatte gerade den Film abgedreht, da wurde bei uns eine Straße abgesperrt. Da bin ich nachts um eins aufgewacht und meine Tochter konnte auch nicht schlafen. Da bin ich nachts um eins mit ihr Fahrrad üben gegangen. Das hätte Renzo gefallen.

Renzo lässt sich im Film auch zu einem Spieleabend überreden. Bist du eher ein Fahrradtour-Mensch oder einer für Spieleabende?
Ich hab beides um ehrlich zu sein seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht. Ich kann mich ohnehin kaum entsinnen, richtige Spieleabende gemacht zu haben. Das war nie so meine Welt. Aber vielleicht sollten wir damit anfangen. Wobei wir momentan das noch nicht vom Alter hinbekommen, meine Kinder sind fünf Jahre, drei Jahre und drei Monate alt. Das funktioniert da noch nicht. Aber ich bin tatsächlich, jetzt wo ich darüber nachdenke, vor Kurzem mit meinem Sohn rausgefahren in Brandenburg. Er ist allerdings selber nicht gefahren, sondern hat hinten gesessen. Und ich spiele schon Memory mit den Kindern. Da sind die extrem gut.

Und hast du schon mal so ein Rollenspiel gemacht wie im Film?
Um ehrlich zu sein, nein. Aber ich finde das ganz lustig. Es hat ja alles seine Daseinsberechtigung. Das würde ich mir schon mal ankucken. Fantasy und Sci-Fi war nie so mein Ding. Aber wenn man da so richtig drin ist, dann macht das glaub ich schon richtig Spaß. Man muss sich einfach nur für alles begeistern können.

Hat so ein Rollenspiel aber noch überhaupt Reiz, wenn du ohnehin schon beruflich ständig Rollen spielen musst?
Total, ich finde das interessant. Seine eigene Welt zu kreieren, das ist doch super. Aber ich finde alles interessant, was ich noch nicht kenne. Ich bin total begeisterungsfähig und leicht zu haben. Wobei ich nicht so der Typ bin, der sich gerne verkleidet.

Der Reiz von solchen Rollenspielen ist ja auch, dass du jemand sein kannst, der du im wahren Leben nicht sein kannst. Der vielleicht auch besondere Fähigkeiten hat. Wenn du dir eine Figur wünschen könntest, die du gern wärst …
Ich wäre gerne einmal unsichtbar! Das wäre bestimmt super. Oder auch mal ein bisschen mit Elementen zu spielen. Die Kontrolle über das Wasser oder das Feuer zu haben, das wäre doch der Hammer. Da kann ich mir schon einiges vorstellen. Oder auch ein Zauberer zu sein.

Was würdest du gern zaubern können?
Unter Wasser zu atmen beispielsweise. Beamen wäre auch praktisch, um schnell von einem Ort zum nächsten zu kommen oder auch oben im Weltraum zu leben. Schwerelosigkeit würde ich zaubern. Oder Zeit würde ich ganz viel zaubern, damit die schneller vergeht.

Auf Filme bezogen, welche Rollen würdest du da gerne noch spielen?
Da gibt es noch einige sehr schöne Dinge, die ich spielen mag. Ich bin ja nicht so der Schreiberling.

Gab es in deinem Leben den Moment, wo du gedacht hast: Mein Leben muss jetzt ruhiger werden?
Ja, total. Ich glaube, dass meine Frau und meine Kinder mich da schon sehr runtergeholt und geerdet  haben. Jeder braucht da so einen Menschen.

Im Film geht es auch darum, seinen großen Traum zu verwirklichen. Hast du noch so einen großen Traum über?
Jede Menge! Ich muss ganz viele Sachen noch machen und verwirklichen. Man darf im Leben die Augen verschließen, sondern sollte das annehmen, was so kommt. Ich muss zum Beispiel unbedingt noch in den Weltraum. Das muss auch gar nicht lang sein. Einfach einmal die Welt von oben sehen.

Ist es besser Träume zu haben oder sie zu verwirklichen?
Beides ist wichtig. Träume zu haben, treibt dich an. Aber es ist auch sehr schön, wenn du einen Traum wahr machen konntest. Ich denke, dass sich viele neue Träume auch erst offenbaren, wenn du deine alten erfüllt hast und gemerkt hast, dass das geht.

Kommen wir noch zum Thema Liebe. In dem Film macht ihr ganz verrückte Sachen aus Liebe. Wie sieht es bei dir privat aus? Hast du aus Liebe verrückte Sachen gemacht?
Klar, das gehört dazu. Man sollte immer um seine Traumfrau kämpfen. Wenn man nicht kämpft und einem alles zufliegt, dann ist das alles auch wieder ganz schnell weg. Das ist wie so ein Traum, wie wir eben besprochen haben. Dafür macht man sich jeden Tag zum Hampelmann. Das ist auch das Schöne an der Liebe, dass du Sachen machst, die du sonst nie machen würdest.

Letzte Frage: nächste Projekte?
Ich habe gerade meinen ersten eigenen Film gedreht, zusammen mit Kida Khodr Ramadan. Der heißt Roccos Reise. Da bin ich gerade am Schneiden. Das wird totales Arthouse, dauert aber noch, bis er fertig ist. Dann drehe ich Generation beziehungsunfähig. Auf Netflix kommt Betonrausch. Das sind so die Sachen, die gerade spruchreif sind. Es kommt auf jeden Fall noch eine Menge.

Zur Person
Frederick Lau wurde am 17. August 1989 in Berlin geboren. Schon mit zehn Jahren stand er vor der Kamera, der Durchbruch gelang ihm mit dem Drama Die Welle (2008), für die er einen Deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller erhielt. Die Auszeichnung zum besten Hauptdarsteller erfolgte einige Jahre später für das Thrillerdrama Victoria (2015) über eine Freundesclique, die in kriminelle Machenschaften hineingezogen werden. Sein bislang erfolgreichster Film ist die Komödie Das perfekte Geheimnis (2019), die mehr als fünf Millionen Zuschauer*innen in die Kinos lockte. Gleichzeitig ist er aber auch immer wieder in kleineren Produktionen zu sehen.



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Frederick Lau [Interview]
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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