Wenn du Koenig waerst

„Wenn du König wärst“ // Deutschland-Start: 18. April 2019 (Kino)

Es ist ein Tag wie immer aus dem Leben des 12-jährigen Alex (Louis Serkis). Nachdem er sich vorher mit den berüchtigten Schul-Rowdies Lancy (Tom Taylor) und Kaye (Rhianna Dorris) angelegt hat, um seinen Freund Bedders (Dean Chaumoo) zu schützen, ist er wieder auf der Flucht vor ihnen. Doch eines ist heute anders als sonst: Während er Schutz sucht, stolpert er auf einer Baustelle über ein altes Schwert, das in einem Stein steckt. Es gelingt dem Jungen auch, das Relikt herauszuziehen, ohne zu ahnen, worauf er sich dabei einlässt. Denn im Anschluss bekommt er es nicht nur mit fiesen Monstern zu tun, sondern auch einem neuen Mitschüler (Angus Imrie), der ihm sagt, dass nur er die böse Hexe Morgana (Rebecca Ferguson) aufhalten kann.

Manche Mythen kommen doch einfach nie aus der Mode. Beispiel: König Artus. Die Sage um den weisen Herrscher und sein Schwert Excalibur wird immer mal wieder von Filmemachern ausgegraben, entweder als ein Element unter vielen (Hellboy – Call of Darkness, Transformers: The Last Knight) oder als tatsächliche Hauptgeschichte (King Arthur: Legend of the Sword). Und auch an einer Live-Action-Variante des Zeichentrickklassikers Die Hexe und der Zauberer wird bereits gearbeitet, die auf dem kommenden Streamingportal von Disney seine Premiere feiern soll.

Wen interessieren die alten Schinken?
Diese Berühmtheit hat jedoch auch einen Nachteil: Die Geschichte ist so allgegenwärtig, trotz ihres Alters, dass sich eigentlich keiner wirklich dafür interessiert. Die obigen Beispiele enttäuschten alle an den Kinokassen, auch Wenn du König wärst war zumindest in den USA ein ziemlicher Flop. Und das ist in dem Fall besonders schade, da Regisseur und Drehbuchautor Joe Cornish aus dem bekannten Stoff sehr viel mehr herausgeholt hat als die Kollegen. Sein Werk ist sogar einer der schönsten Familienfilme, die dieses Jahr bislang gesehen hat. Und einer der witzigsten, nicht zuletzt dank eines aufgekratzten Angus Imrie, der hier die sicher komischste Interpretation des altehrwürdigen Merlin abgibt, die man je hat sehen dürfen.

Acht Jahre haben wir warten müssen, bis der durch Attack the Block bekannt gewordene Filmemacher ein zweites Mal auf dem Regiestuhl Platz nahm. Und so manch einer dürfte sich auch gewundert haben, warum der Brite nach einer Sci-Fi-Horror-Komödie nun ein Fantasyabenteuer für ein jüngeres Publikum gedreht hat. Die Neigung, Genreelemente mit Kommentaren zur gesellschaftlichen Lage zu kombinieren, die ist jedoch auch hier zu finden. Mit Nachrichten zu allem, was in dieser Welt gerade schiefläuft – und das ist einiges – beginnt Wenn du König wärst. Und es ist sicherlich auch kein Zufall, wenn die Erwachsenen hier grundsätzlich nutzlos sind, sich zu sehr dem Status Quo ergeben haben, wenn sie ihn überhaupt erkennen. Die Welt würde sich nicht ändern, muss sich Alex an der Schule von der Rektorin anhören, damit müsse er sich abfinden.

Das Licht in der Dunkelheit
Doch Cornish will genau das nicht tun. Im Gegenteil: Wenn in seinem Film eine Gruppe von Kindern die Welt vor einer Bedrohung rettet, von der die Erwachsenen nichts mitbekommen, dann nicht einfach, um damit das Publikum zu bespaßen. Wenn du König wärst orientiert sich an der Vergangenheit, nimmt sich ausgerechnet eine alte Sage, um Hoffnung für die Zukunft zu verbreiten. So wie in der berühmten Vorlage müssen auch hier Feinde zusammenhalten, um ein großes Unglück zu verhindern. Und es ist diese Form von Zusammenhalt, die in der aktuellen politischen Atmosphäre, wo Länder sich abschotten und Karrieren durch Ausgrenzung gemacht werden, wie ein kleiner Lichtblick am Horizont wirkt.

Das soll aber nicht bedeuten, dass man bei Wenn du König wärst keinen Spaß haben könnte. Den haben die Kleinen, wenn ihre Identifikationsfiguren durch die Provinz Großbritanniens stapfen, mächtige Schwerter in der Hand. Den haben die Großen, wenn man sich hier an die Familienabenteuer aus den 80ern zurückerinnert. Vergleichbar zu Shazam! neulich schlägt das Herz von Cornish für die gut gelaunten Klassiker von früher, schlägt auch für die Außenseiter: Beide Filme lehren, dass jeder ein Held sein kann, egal wo er herkommt, wie beliebt er ist, wer die Eltern sind. Es braucht nur Mut, es braucht Herz und die richtigen Mitstreiter. Und da muss man schon sehr abgestumpft sein, damit einem nicht selbst ein wenig warm ums Herz wird.

Wenn du König wärst
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Wenn du König wärst
Was wäre, wenn ein junger Außenseiter dazu auserkoren ist, das Erbe von König Artus anzutreten und die Welt zu retten? „Wenn du König wärst“ nimmt den bekannten Mythos und macht daraus ein Familienabenteuer nach klassischem Vorbild, das ebenso witzig wie warmherzig ist, dazu noch Hoffnung macht, dass für die Menschheit vielleicht doch noch nicht alles zu spät ist. Man muss nur zusammenhalten.
7von 10

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